Oracle schloss am Dienstag bei 112,06 Euro und damit nur 0,43 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 111,58 Euro, das der Titel am selben Tag markierte. Binnen sieben Handelstagen verlor die Aktie 8,88 Prozent, auf Monatssicht summiert sich das Minus auf 32,61 Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein Verlust von 32,90 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es 44,68 Prozent. Der Relative-Stärke-Index von 25,3 zeigt eine deutlich überverkaufte Situation.
Rating-Herabstufung und OpenAI-Klumpenrisiko
Die Ratingagentur S&P hat Oracle auf BBB- herabgestuft, nur eine Stufe über Ramschniveau. Hintergrund ist die wachsende Abhängigkeit von einem einzigen Kunden: OpenAI steht für rund die Hälfte des Auftragsbestands von 638 Milliarden US-Dollar. Als Apple im Juli Klage gegen OpenAI einreichte, verschärfte sich die Sorge um dessen Zahlungsfähigkeit zusätzlich – Oracle-Aktien fielen an einem einzigen Handelstag um mehr als sechs Prozent.
Parallel dazu wächst die Verschuldung. Oracle weist Nettoschulden von 97,6 Milliarden US-Dollar aus, die Gesamtverschuldung liegt bei 130 Milliarden US-Dollar. Für das Geschäftsjahr 2027 plant der Konzern, weitere 40 Milliarden US-Dollar über eine Kombination aus Fremd- und Eigenkapital aufzunehmen. Grund ist die geplante Investitionsoffensive in KI-Rechenzentren: Der Capex-Plan für 2027 soll nach Prognosen auf über 90 Milliarden, nach manchen Schätzungen sogar bis zu 95 Milliarden US-Dollar steigen – nach 55,7 Milliarden Dollar im abgelaufenen Geschäftsjahr 2026.
Cashflow-Defizit trotz kräftigem Wachstum
Operativ läuft das Geschäft weiter rund. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 legte der Umsatz um 21 Prozent auf 19,2 Milliarden US-Dollar zu, der Cloud-Umsatz stieg um 47 Prozent auf 9,9 Milliarden Dollar. Für das Gesamtjahr meldete Oracle einen Umsatz von 67 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 17 Prozent, bei einem operativen Cashflow von 32 Milliarden Dollar, ebenfalls ein Zuwachs von 54 Prozent.
Das eigentliche Problem liegt im freien Cashflow: Der drehte von plus 11,8 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr 2024 auf minus 23,7 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr 2026. Für 2027 rechnen manche Analysten mit einem Defizit von bis zu 42 Milliarden Dollar, während der geschätzte Nettomittelabfluss insgesamt bei rund 70 Milliarden Dollar liegt. Immerhin übertraf das Quartalsergebnis je Aktie mit 2,11 Dollar die Konsensschätzung von 1,96 Dollar. Für das laufende Geschäftsjahr 2027 stellt Oracle einen Gewinn je Aktie von 8,05 Dollar in Aussicht, an der vierteljährlichen Dividende von 0,50 Dollar hält der Konzern fest.
Analysten zwischen Alarmruf und Kaufchance
Die Einschätzungen am Markt driften weit auseinander. Investor David Desjardins vergibt ein „Strong Sell“-Rating und warnt, die aggressive KI-Investitionsstrategie könnte eine „Domino“-artige Kettenreaktion auslösen, sollte OpenAI – nach mancher Einschätzung frühestens ab 2030 profitabel – seine Verpflichtungen nicht bedienen können. Der breite Analystenkonsens bleibt dagegen optimistisch: 28 Kaufempfehlungen stehen drei Halteempfehlungen gegenüber, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 263,86 US-Dollar. Einzelne Häuser wie Bernstein (325 Dollar) und TD Cowen (300 Dollar) kalkulieren deutlich höher, während RBC (190 Dollar) und Wolfe Research (225 Dollar) vorsichtiger bleiben.
Historisch betrachtet fielen Oracle-Aktien bei vergleichbaren Schocks im Schnitt um 18 Prozent, der tiefste Einbruch datiert auf die Finanzkrise 2008 mit 40 Prozent. Die mediane Erholungszeit lag bei vier Monaten, in einem Fall zog sie sich über 27 Monate hin. Zusätzlichen Druck erzeugte zuletzt ein Gewinnschock bei IBM, der eine branchenweite Rotation aus Softwarewerten in KI-Hardware auslöste und die Stimmung gegenüber Oracle weiter belastete. Firmengründer Larry Ellison verlor im Zuge des Kurssturzes rund 60 Milliarden Dollar an Vermögen und kommt nun noch auf 187 Milliarden Dollar.
Mit einer Marktkapitalisierung von umgerechnet 353,67 Milliarden Euro und einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 48,38 Prozent zählt Oracle weiterhin zu den am stärksten schwankenden Schwergewichten im Techsektor. Der Kurs notiert derzeit 28,61 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 156,97 Euro und 32,06 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 164,93 Euro – ein Beleg dafür, wie stark sich der mittelfristige Trend eingetrübt hat.
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