Startseite » News zu Unternehmen » Analystenstimmen » Oracle Aktie: S&P senkt Rating auf BBB- am 9. Juli

Oracle Aktie: S&P senkt Rating auf BBB- am 9. Juli

S&P senkt Oracle-Rating auf BBB-; hohe Abhängigkeit von OpenAI und schwacher Cashflow belasten die Aktie nahe dem Jahrestief.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Rating nur eine Stufe über Ramschniveau
  • OpenAI macht Hälfte des Auftragsbestands aus
  • Negativer freier Cashflow von 23,7 Milliarden Dollar
  • Aktienkurs fällt auf 103 Euro

Ein Rating knapp über Ramschniveau. Ein Milliarden-Kunde, der die Hälfte des Auftragsbestands stellt. Und ein Aktienkurs, der binnen 30 Tagen fast ein Fünftel seines Werts verliert — Oracle steckt in einer handfesten Vertrauenskrise.

Am Mittwoch schloss die Aktie bei 103,00 Euro, ein Tagesminus von 2,26 Prozent. Damit nähert sich der Kurs dem 52-Wochen-Tief von 100,76 Euro, aufgestellt erst einen Tag zuvor. Der Markt preist zunehmend strukturelle Kreditrisiken ein.

S&P stuft Oracle nur eine Stufe über Ramschniveau ein

Der entscheidende Wendepunkt kam am 9. Juli 2026. S&P Global Ratings senkte Oracles langfristiges Emittentenrating von BBB auf BBB-. Das ist nur noch eine Stufe über „Speculative Grade“ — Ramschstatus. Der Ausblick bleibt zwar stabil, doch die Begründung wiegt schwer: steigende Geschäftsrisiken und ein deutlich schwächerer freier operativer Cashflow.

Die Ratingagentur nennt einen konkreten Auslöser. Oracles aggressiver Ausbau der KI-Infrastruktur verwässert das traditionell stabile Geschäftsrisikoprofil. S&P erwartet, dass die bereinigte Verschuldung in den nächsten zwei Jahren über dem Vierfachen des Ergebnisses bleibt. Der Grund: Die Investitionen wachsen schneller als die interne Cash-Generierung.

Ein Kunde, zwei Zeithorizonte

Im Zentrum der Skepsis steht Oracles Auftragsbestand von 638 Milliarden Dollar — ein Rekordwert. Rund die Hälfte davon entfällt auf einen einzigen Kunden: OpenAI. Diese Konzentration schafft ein binäres Risiko. Ändert sich OpenAIs Finanzierung oder Nachfrage, bleibt Oracle auf gewaltigen, kaum ausgelasteten Kapazitäten sitzen.

Hinzu kommt ein strukturelles Laufzeitproblem. Oracle hat sich auf Rechenzentren- und Energieverträge mit 15 bis 19 Jahren Laufzeit festgelegt. Die größten KI-Rechenleistungsverträge — darunter der Deal mit OpenAI — laufen jedoch offenbar nur über fünf Jahre. Oracle übernimmt damit langfristige Verpflichtungen für Einnahmen, die über den ersten Vertragszeitraum hinaus nicht gesichert sind.

Frisches Kapital, mehr Aktien im Umlauf

Um den kapitalintensiven Ausbau zu finanzieren, hat Oracle für 2026 ein Finanzierungsprogramm von bis zu 50 Milliarden Dollar Bruttoerlös bestätigt. Darin enthalten: ein neu genehmigtes „At-the-Market“-Aktienprogramm über bis zu 20 Milliarden Dollar, abgewickelt über Citigroup. Das schafft zwar Liquidität. Anleger fürchten aber eine anhaltende Verwässerung durch fortlaufende Aktienausgaben.

Die Zahlen für das Geschäftsjahr 2026 zeigen das Ausmaß des Umbaus. Die Investitionen stiegen auf 55,7 Milliarden Dollar — mehr als doppelt so viel wie die 21,2 Milliarden Dollar im Vorjahr. Das Ergebnis: ein negativer freier Cashflow von rund 23,7 Milliarden Dollar. Ein deutlicher Bruch mit Oracles historischer Rolle als verlässlicher Cash-Generator.

Produktseite läuft weiter, Anleger bleiben skeptisch

Operativ tut sich bei Oracle einiges. Am 29. Juli startete der Konzern das „Application Security Idea Lab“ für SaaS-Cloud-Kunden — eine Plattform, auf der Kunden die Entwicklung von Sicherheitskontrollen gegen KI-gestützte Bedrohungen mitgestalten können.

Das folgt auf das Juli-Sicherheitsupdate vom 21. Juli, das größte in der Firmengeschichte mit 1.449 Patches für 334 Produkte. Diese Entwicklungen zeigen, dass Oracles Softwaregeschäft weiterläuft. An den grundlegenden Kredit- und Finanzierungssorgen ändern sie bislang nichts.

Der RSI von 31,5 signalisiert eine nahezu überverkaufte Aktie — technisch gesehen ein Warnsignal für weiteren Abwärtsdruck, aber auch ein möglicher Hinweis auf eine baldige Gegenbewegung. Der Kurs liegt aktuell knapp 29 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 144,75 Euro. Das zeigt, wie heftig der jüngste Ausverkauf ausgefallen ist. Ob die Marke von 100,76 Euro als Boden hält, dürfte sich in den kommenden Handelstagen zeigen.

Anzeige

Oracle-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Oracle-Analyse vom 30. Juli liefert die Antwort:

Die neusten Oracle-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Oracle-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 30. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Oracle: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Oracle

Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.