Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Oracle hat im ersten Geschäftsquartal die Wall Street überrascht und schickt die Aktie vorbörslich um mehr als sechs Prozent nach oben. Der Rivale von SAP profitiert massiv vom Boom der KI-Infrastruktur — und lässt damit den Kursdämpfer vom Vortag hinter sich.
Der Umsatz kletterte um knapp 30 Prozent auf 19,35 Milliarden Dollar. Treiber ist das Cloud-Infrastrukturgeschäft: Die Erlöse aus KI-Rechenzentren haben sich mit 7,4 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt, während die gesamte Cloud-Sparte um 62 Prozent auf 11,61 Milliarden Dollar zulegte.
Analysten von JP Morgan werten die Zahlen als Beleg dafür, dass Oracle seine vertraglich vereinbarten Einnahmen zunehmend in echte Barmittel umwandeln kann — ein Punkt, an dem Anleger zuletzt gezweifelt hatten.
Wachstum mit hohem Preis
Der Ausbau der Rechenzentren kostet. Oracle steckte im vergangenen Quartal 28,5 Milliarden Dollar in Investitionen — mehr als das Dreifache des Vorjahreswerts. Der freie Cashflow rutschte dadurch mit 5,4 Milliarden Dollar ins Minus, die Schuldenlast des Konzerns liegt inzwischen bei 125 Milliarden Dollar.
Die Nachfrage nach KI-Kapazitäten scheint das Tempo trotzdem zu rechtfertigen. Der Auftragsbestand an noch nicht abgearbeiteten Verträgen erreichte zum Quartalsende 664 Milliarden Dollar. Allein in den vergangenen drei Monaten kamen neue KI-Verträge im Volumen von mehr als 30 Milliarden Dollar hinzu.
Makro-Umfeld bleibt im Hintergrund
Der Kurssprung fällt in einen Handelstag, an dem auch die US-Inflationsdaten für August im Fokus standen. Die Verbraucherpreise stiegen wie erwartet um 0,4 Prozent zum Vormonat, die Kernrate legte um 0,3 Prozent zu — beide Werte lagen im Rahmen der Erwartungen und lieferten den Märkten keinen zusätzlichen Impuls.
Für Oracle spielte das Makro-Umfeld an diesem Tag ohnehin eine Nebenrolle: Der Konzern lieferte seine eigene Story, unabhängig von Zinsspekulationen rund um die kommende Fed-Sitzung.
Die hohen Investitionen und die wachsende Verschuldung bleiben ein Thema, das Oracle in den kommenden Quartalen im Blick behalten muss. Mit einem Auftragsbestand von 664 Milliarden Dollar hat der Konzern aber einen Puffer, der die Wachstumsstrategie vorerst absichert.
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