Oracle stellt seine Cloud- und KI-Strategie deutlich schärfer. Neue Großprojekte in Saudi-Arabien und Singapur, Milliardeninvestitionen in Rechenzentren und eine Beteiligung am TikTok-Geschäft in den USA zeigen, wie breit der Konzern sein künftiges Wachstum aufstellen will. Im Gegenzug belastet die aggressive Expansion kurzfristig Cashflow und Aktie – doch wie stimmig ist der langfristige Plan?
Globale Projekte untermauern die Cloud-Strategie
Am 27. Januar hat Oracle eine umfangreiche Zusammenarbeit mit Red Sea Global (RSG) in Saudi-Arabien vorgestellt. Der Konzern stellt seine Cloud-Anwendungen bereit, um einige der ambitioniertesten Tourismus- und Hotelbauprojekte der Welt zu steuern.
Zum Einsatz kommen dabei insbesondere:
- Oracle Aconex Cloud zur digitalen Projektabwicklung
- Oracle Primavera P6 für detaillierte Projektplanung und -steuerung
Über diese Plattformen sollen mehr als 23.000 Beteiligte – vom Top-Management bis zu Ingenieuren vor Ort – zusammenarbeiten. Ziel ist es, komplexe Bauvorhaben effizienter zu koordinieren und Zeitpläne zu straffen. Für Oracle ist das ein Referenzprojekt, das die eigene Cloud-Expertise im Infrastrukturbereich sichtbar macht.
Parallel dazu verstärkt das Unternehmen sein Engagement in Asien. Ebenfalls am 27. Januar wurde eine Initiative in Singapur angekündigt, gemeinsam mit der Regierungsbehörde Digital Industry Singapore (DISG). Kern der Vereinbarung: Oracle will rund 300 in Singapur ansässige Firmen beim Aufbau und Einsatz von KI-Lösungen unterstützen.
Dafür stellt der Konzern:
- Cloud-Guthaben
- Schulungsprogramme
- Zugang zu privater Cloud-Infrastruktur
bereit. Die Initiative zielt darauf, lokale Unternehmen schneller an produktive KI-Anwendungen heranzuführen – und Oracle mittelfristig als bevorzugten Infrastrukturpartner zu verankern.
Milliarden für KI-Infrastruktur
Die Projekte sind Teil einer deutlich ausgeweiteten Investitionsstrategie. Für das Fiskaljahr 2026 hat Oracle seine Prognose für die Investitionsausgaben (CapEx) auf rund 50 Milliarden US-Dollar angehoben. Der Schwerpunkt liegt klar auf:
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- dem Ausbau von Rechenzentren
- GPU-basierter Infrastruktur für KI-Workloads
Diese hohen Ausgaben haben im zweiten Geschäftsquartal 2026 bereits zu einem negativen freien Cashflow geführt. Das Management stellt dies ausdrücklich als Folge einer besonders intensiven Investitionsphase dar – nicht als strukturelles Problem im operativen Geschäft.
Wichtig aus Sicht des Unternehmens: Die CapEx-Offensive ist eng mit einem wachsenden Auftragsbestand verknüpft. Oracle erwartet, die neuen Kapazitäten zügig auszulasten und ab dem Geschäftsjahr 2027 zusätzliche Umsätze in Milliardenhöhe zu erzielen. Ein Baustein dieser Wachstumserwartung sind Kooperationen wie die mit OpenAI, mit der in mehreren US-Bundesstaaten KI-Infrastruktur aufgebaut wird.
An der Börse ist die Aktie trotz dieser Wachstumsstory zuletzt unter Druck geraten: In den vergangenen 30 Tagen hat der Kurs rund 15 % verloren, liegt aber über zwölf Monate immer noch im Plus. Der Abstand von gut 40 % zum 52‑Wochen-Hoch und der RSI nahe 70 deuten auf eine bereits deutlich gelaufene, aber zuletzt korrigierende Aktie hin.
Produkte, TikTok-Deal und Marktperspektive
Neben der Infrastruktur schärft Oracle auch sein Produktangebot. Mit der Oracle AI Database 26ai bringt der Konzern KI-Funktionen direkt in seine zentrale Datenbankplattform. Unternehmen sollen damit KI-Anwendungen unmittelbar auf ihren bestehenden Datenbeständen betreiben können, ohne diese in externe Systeme verschieben zu müssen. Das kann Sicherheits- und Compliance-Risiken reduzieren – ein Argument, das vor allem regulierte Branchen ansprechen dürfte.
Für zusätzlichen Schub in einem neuen Geschäftsfeld sorgt der nun finalisierte Einstieg in das US-Geschäft von TikTok. Ein internes Memo des TikTok-CEOs bestätigt den Abschluss des Deals: Oracle hält zusammen mit Partnern eine bedeutende Beteiligung am neu formierten Joint Venture. Für Oracle bedeutet das den Einstieg in ein datenintensives, verbrauchernahes Umfeld, in dem Cloud-Infrastruktur, Datenbanken und KI-Services eng verknüpft werden können.
Die strategische Stoßrichtung ist damit klar umrissen:
- Großprojekte wie Red Sea Global als Schaufenster der Cloud-Kompetenz
- staatlich flankierte KI-Programme wie in Singapur als Türöffner in Wachstumsregionen
- Milliarden-CapEx für KI-Rechenzentren als Basis für zukünftige Umsätze
- neue Produkte wie die AI Database 26ai, um bestehende Kunden höherwertig zu bedienen
- Beteiligung am TikTok-Joint-Venture als Zugang zu einem skalierbaren, datengetriebenen Geschäft
Ausblick: Quartalszahlen als nächster Belastungstest
Ob sich die milliardenschweren Vorleistungen wie geplant in Umsatzwachstum und Profitabilität niederschlagen, wird sich nicht in einem Quartal entscheiden – der nächste wichtige Meilenstein kommt aber bald: Die Veröffentlichung der Ergebnisse für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026 ist für den 9. März 2026 angesetzt (Schätzung). Dann wird Oracle konkreter zeigen müssen, wie sich Auftragsbestand, Auslastung der neuen Infrastruktur und erste Erlöse aus den jüngsten KI- und Cloud-Projekten entwickeln. Für die Bewertung der Aktie dürfte insbesondere entscheidend sein, ob der Konzern den Übergang von der Investitions- zur Ertragsphase im Fiskaljahr 2027 plausibel untermauern kann.
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