Oracle gerät an der Börse unter Druck. Ein Bondholder-Prozess und wachsende Zweifel an der extrem kapitalintensiven KI-Infrastrukturstrategie belasten die Stimmung. Der Softwarekonzern steht an einem Punkt, an dem Wachstum und Bilanzrisiken zunehmend gegeneinander abgewogen werden.
- Sammelklage gegen Anleiheemission über 18 Mrd. US‑Dollar
- Verschuldung bereits über 100 Mrd. US‑Dollar
- Starke Cloud-Zuwächse, aber freier Cashflow deutlich negativ
- Analysten gespalten, technische Lage angeschlagen
Sammelklage gegen 18-Milliarden-Anleihe
Auslöser der jüngsten Schwäche ist eine vorgeschlagene Sammelklage vor einem New Yorker Gericht. Angeführt vom Ohio Carpenters‘ Pension Plan werfen Bondholder Oracle vor, Investoren über die Finanzierung des massiven KI-Ausbaus unzureichend informiert zu haben.
Im Zentrum steht eine Anleiheemission über rund 18 Mrd. US‑Dollar vom 25. September 2025 – nur zwei Wochen nach der Bekanntgabe eines fünfjährigen OpenAI-Deals über 300 Mrd. US‑Dollar an Rechenkapazität. Die Kläger argumentieren, Oracle habe das Ausmaß weiterer notwendiger Verschuldung zur Erfüllung dieser Vereinbarung nicht klar offengelegt.
Konkret werden folgende Punkte kritisiert:
- mangelnde Transparenz zu den künftigen Finanzierungsbedarfen der KI-Infrastruktur
- mögliche höhere Finanzierungskosten in einer Phase anhaltenden Kapitalbedarfs
- Belastung der Bilanz durch eine Verschuldung nahe 100 Mrd. US‑Dollar
Schuldenlast rückt in den Mittelpunkt
Die Klage verstärkt den Blick auf Oracles finanzielle Position. Analysten von BNP Paribas schätzen, dass für die KI-Pläne zusätzlich 25–30 Mrd. US‑Dollar nötig sein könnten. Morgan Stanley hatte zuvor gewarnt, dass sich die zusätzliche Verschuldung bis 2026 – je nach Expansionsgeschwindigkeit – auf bis zu 70 Mrd. US‑Dollar summieren könnte.
Zum 30. November 2025 lagen Notes Payable und sonstige Verbindlichkeiten bei 108,1 Mrd. US‑Dollar, nach 92,6 Mrd. US‑Dollar ein halbes Jahr zuvor. In einem Umfeld hoher Zinsen rückt damit vor allem der Zinsaufwand in den Fokus der Investoren.
Q2-Zahlen: Wachstum trifft Cashflow-Probleme
In den Zahlen zum zweiten Quartal des Fiskaljahres 2026, veröffentlicht im Dezember 2025, zeigt Oracle auf der Umsatzseite klare Dynamik:
- Gesamtumsatz: +14 % auf 16,1 Mrd. US‑Dollar
- Cloud-Umsatz: +34 % auf 8,0 Mrd. US‑Dollar
- Cloud-Infrastructure-Umsatz: +68 % auf 4,1 Mrd. US‑Dollar
- Non-GAAP-EPS: +54 % auf 2,26 US‑Dollar
- Remaining Performance Obligations (RPO): 523 Mrd. US‑Dollar, +438 %
Gleichzeitig kippt die Cashflow-Entwicklung deutlich ins Negative. Der freie Cashflow auf Zwölfmonatsbasis fiel auf minus 13 Mrd. US‑Dollar. Treiber sind hohe Investitionen: Die CapEx lagen im Quartal bei rund 8,1 Mrd. US‑Dollar.
Die Prognose für die Investitionen im Fiskaljahr 2026 wurde auf etwa 50 Mrd. US‑Dollar angehoben – rund 15 Mrd. US‑Dollar mehr als noch im September veranschlagt. Damit wird klar, wie stark das KI-Infrastrukturgeschäft die Bilanz beansprucht.
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Analysten uneins, prominente Skepsis
An der Wall Street bleibt das Bild gemischt. Mitte Januar 2026 halten über 70 % der Analysten an positiven Einschätzungen fest, der durchschnittliche Zielkurs liegt bei 291,34 US‑Dollar.
Goldman Sachs startete am 12. Januar 2026 die Bewertung mit „Buy“ und einem Kursziel von 240 US‑Dollar. Begründung sind Rückenwind durch die KI-Adoption und die Positionierung von Oracle im Infrastructure-as-a-Service-Segment.
UBS senkte dagegen das Kursziel von 325 auf 280 US‑Dollar, hält aber ebenfalls an „Buy“ fest. Hintergrund ist unter anderem ein Kursrückgang von 41 % seit den Hochs Mitte September sowie die Unsicherheit über den Ausblick und die Konkurrenz durch OpenAI-nahe Titel.
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte, dass Michael Burrys Scion Asset Management Anfang Januar Put-Optionen auf Oracle offengelegt hat – mit Fokus auf die stark steigende Verschuldung.
Technisches Bild bleibt angeschlagen
Charttechnisch findet die Aktie bislang keinen stabilen Boden. Nach einer kurzen Erholung an der 200-Tage-Linie prallte der Kurs an der 50-Tage-Linie nach unten ab, die nun als Widerstand fungiert. Das Muster fallender Hochs ist weiter intakt.
Ein nachhaltiger Bruch der aktuellen Unterstützungszone würde den Blick in Richtung 150 US‑Dollar lenken. Verstärkt sich der Verkaufsdruck, rücken die Tiefs vom April 2025 bei rund 118 US‑Dollar in den Bereich möglicher Ziele.
Dividende als schwacher Puffer
Die quartalsweise Dividende von 0,50 US‑Dollar je Aktie, zahlbar am 23. Januar 2026, liefert nur begrenzte Unterstützung. Die Forward-Ausschüttungsquote liegt bei 18,72 %, die Rendite bei 1,05 % und damit unter dem Sektor-Durchschnitt von 1,37 %. Die Ausschüttung wirkt solide finanzierbar, ändert aber wenig an den übergeordneten Bedenken zu Bewertung und Bilanzrisiko.
Am Markt hat sich das Bild damit schnell von der KI-Euphorie hin zu einer kritischeren Sicht gewandelt. Entscheidend für die nächsten Monate wird sein, ob Oracle die hohe Investitionstätigkeit in sichtbare, nachhaltig cashflow-starke Erträge übersetzen und gleichzeitig die Verschuldung im Rahmen halten kann.
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