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Oracle Aktie: Disruptor oder Schuldenfalle?

Oracle meldet Rekordumsatz und massive Auftragslage im KI-Geschäft, kämpft jedoch mit stark negativem Cashflow und hohen Investitionen. Die Aktie notiert deutlich unter ihrem Höchststand.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Cloud-Umsatz wächst um 44 Prozent
  • Auftragsbestand explodiert auf 553 Milliarden Dollar
  • Freier Cashflow stark negativ bei -24,7 Mrd. Dollar
  • Umsatzprognose für 2027 auf 90 Mrd. Dollar angehoben

Oracle positioniert sich in der aktuellen KI-Debatte nicht als Opfer, sondern als treibende Kraft. Während viele SaaS-Unternehmen unter Druck geraten, weil KI-Tools klassische Unternehmenssoftware ersetzen könnten, setzt Oracle-Gründer Larry Ellison auf eine offensive Gegenstrategie — mit beeindruckenden Zahlen, aber wachsenden Risiken.

Rekordquartal mit einem Haken

Das dritte Quartal des laufenden Geschäftsjahres war das erste seit mehr als 15 Jahren, in dem sowohl der organische Gesamtumsatz als auch der bereinigte Gewinn je Aktie um mehr als 20 Prozent zulegten. Der Quartalsumsatz kletterte auf 17,2 Milliarden Dollar, die Cloud-Erlöse wuchsen um 44 Prozent auf 8,91 Milliarden Dollar und machen nun 52 Prozent des Gesamtumsatzes aus.

Noch beeindruckender: Die verbleibenden Leistungsverpflichtungen — also vertraglich gesicherter, noch nicht realisierter Umsatz — erreichten 553 Milliarden Dollar, ein Anstieg von 325 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das signalisiert eine massive Auftragslage, vor allem aus dem KI-Infrastrukturbereich.

Die Kehrseite ist erheblich. Der operative Cashflow von 23,5 Milliarden Dollar über die letzten zwölf Monate wird durch explodierende Investitionsausgaben mehr als aufgezehrt. Der freie Cashflow liegt bei minus 24,7 Milliarden Dollar auf Jahresbasis — Oracle verbrennt Geld in einem Tempo, das selbst für Infrastrukturprojekte dieser Größenordnung ungewöhnlich ist. Für das laufende Geschäftsjahr sind Investitionsausgaben von 50 Milliarden Dollar geplant, nach 21,2 Milliarden im Vorjahr.

Das Modell dahinter

Oracle versucht, den Kapitalbedarf durch ein ungewöhnliches Finanzierungsmodell zu begrenzen. Großkunden zahlen entweder im Voraus oder stellen eigene GPUs bereit — das sogenannte „Bring your own chips“-Modell. Laut Management sind die meisten der großen KI-Verträge im Auftragsbestand so strukturiert, dass Oracle dafür keine zusätzlichen Fremdmittel aufnehmen muss.

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Ellison beschreibt die Strategie als aktive Disruption: Oracle nutze KI-Coding-Tools, um Automatisierungsplattformen für Krankenhäuser, Finanzdienstleister und den Einzelhandel zu bauen. Die Oracle Cloud Infrastructure (OCI) ist dabei das Rückgrat — und soll durch Partnerschaften mit Amazon, Microsoft und Alphabet auch in deren Rechenzentren präsent sein.

Was die Zahlen für 2027 versprechen

Für das Geschäftsjahr 2026 erwartet Oracle einen Umsatz von 67 Milliarden Dollar. Die Prognose für 2027 wurde auf 90 Milliarden Dollar angehoben — ein Sprung, der nur dann realistisch ist, wenn die laufenden Großverträge tatsächlich in Umsatz umgewandelt werden.

Die Aktie notiert derzeit rund 53 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch vom September 2025, was den Pessimismus des Marktes gegenüber dem negativen Cashflow und dem Schuldenstand von 124,7 Milliarden Dollar widerspiegelt. Oracle selbst sieht den negativen freien Cashflow als vorübergehend — sobald die Kapazitäten in Betrieb gehen, soll der Auftragsbestand von 553 Milliarden Dollar für eine deutliche Trendwende sorgen. Ob diese Rechnung aufgeht, entscheidet sich spätestens mit den Quartalszahlen für das Geschäftsjahr 2027.

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Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.