Endlich Klarheit für den Software-Riesen: Die Umstrukturierung des US-Geschäfts von TikTok ist abgeschlossen und Oracle sichert sich eine Schlüsselrolle. Doch während die Aktie den strategischen Gewinn feiert, begleitete eine Pannenserie den operativen Start des neuen Joint Ventures.
Strategischer Zugriff auf Daten und Cloud
Mit einer Beteiligung von rund 15 Prozent an der neu formierten „TikTok USDS“ zementiert der Konzern seine Position. Viel wichtiger als das reine Aktienpaket ist jedoch das operative Mandat: Oracle übernimmt das Hosting der sensiblen US-Nutzerdaten und des Algorithmus in seiner Cloud-Infrastruktur.
Dies garantiert eine langfristige Auslastung der Serverkapazitäten in einem hart umkämpften Markt. Neben Oracle sind auch Silver Lake und MGX investiert, während der chinesische Mutterkonzern ByteDance eine Minderheitsbeteiligung von 19,9 Prozent behält. Die Börse honorierte diesen Schritt gestern mit einem Kursplus von knapp 3 Prozent auf 182,44 US-Dollar.
Holpriger Start und juristische Hürden
Reibungslos verlief der Auftakt allerdings nicht. Kaum war die Tinte trocken, meldeten Nutzer am 26. Januar massive Störungen beim Upload und der Anzeige von Inhalten. Ursache war ein kaskadierender Systemausfall, ausgelöst durch Stromprobleme in einem US-Rechenzentrum unter schwierigen Wetterbedingungen. Anleger ließen sich von diesen technischen Kinderkrankheiten jedoch kaum beirren und fokussierten sich auf das langfristige Umsatzpotenzial.
Ein Dämpfer kommt hingegen von juristischer Seite. Die Kanzlei Rosen reichte am 25. Januar eine Sammelklage ein. Der Vorwurf: Irreführende Angaben in früheren Dokumenten bezüglich der Verschuldungssituation und des Kapitalbedarfs für den Ausbau der KI-Infrastruktur.
Analysten bleiben bullisch
Die Stimmung an der Wall Street dominiert trotz der Störfeuer der Optimismus. Analysten von Guggenheim bestätigten gestern ihr „Buy“-Rating mit einem ambitionierten Kursziel von 400 US-Dollar – mehr als eine Verdopplung vom aktuellen Niveau. Sie sehen die Cloud-Infrastruktur des Konzerns als entscheidenden Treiber für das kommende Jahrzehnt. Der breite Marktkonsens liegt mit einem durchschnittlichen Ziel von 288 US-Dollar ebenfalls deutlich über dem aktuellen Kurs.
Der Fokus der Investoren verschiebt sich nun auf den 9. März. Bei den anstehenden Quartalszahlen wird sich zeigen müssen, wie schnell sich die neuen Einnahmequellen aus dem TikTok-Geschäft und die massiven KI-Investitionen tatsächlich positiv in der Bilanz niederschlagen.
