Oracle erlebt das schwächste Quartal seit der Dotcom-Blase. Der Kurs ist im laufenden Quartal um rund 30 % eingebrochen und hat sich deutlich vom Rekordhoch im September entfernt. Im Zentrum stehen die enorme Investitionsoffensive rund um das OpenAI-Geschäft und wachsende Zweifel, ob sich diese Milliardenpläne solide finanzieren lassen.
Zwischen starkem Wachstum im Cloud- und KI-Bereich, hoher Verschuldung und schrumpfenden Margen muss das neue Management nun zeigen, ob die aggressive Strategie tragfähig ist.
AI-Offensive belastet Stimmung
Auslöser des Kursrutschs ist vor allem die Skepsis gegenüber Oracles massiven KI-Infrastruktur-Plänen. Der im September 2025 verkündete Cloud-Deal über 300 Milliarden Dollar mit OpenAI trieb die Aktie zunächst auf Rekordstände nahe 345 Dollar. Inzwischen dominieren jedoch Fragen zur Umsetzung und Finanzierung.
Wichtige Belastungsfaktoren sind:
- Deutlich höhere Investitionen: Für das Geschäftsjahr 2026 plant Oracle nun 50 Milliarden Dollar an Sachinvestitionen – 43 % mehr als noch im September veranschlagt und doppelt so viel wie im Vorjahr.
- Negativer Free Cashflow: Im November-Quartal lag der freie Cashflow bei etwa minus 10 Milliarden Dollar.
- Hohe Leasingverpflichtungen: Zur Erweiterung der Cloud-Kapazitäten sind Leasingverträge über 248 Milliarden Dollar vorgesehen.
- Steigende Verschuldung: Die Anleiheemission im Volumen von 18 Milliarden Dollar im September zählt zu den größten Tech-Bond-Transaktionen überhaupt.
Damit wächst der Druck, die enorme KI-Auftragsbasis zügig in zahlungswirksame Erlöse zu verwandeln.
Q2 2026: Wachstum mit Schattenseiten
Die Zahlen zum zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026, veröffentlicht am 10. Dezember, zeigen den Spannungsbogen zwischen dynamischem Wachstum und Profitabilität:
- Der Gesamtumsatz stieg um 14 % auf 16,1 Milliarden Dollar, blieb damit aber leicht hinter den Erwartungen zurück.
- Die Cloud-Infrastruktur legte um 68 % auf 4,1 Milliarden Dollar zu.
- GPU-bezogene Erlöse sprangen um 177 % nach oben.
- Die vertraglich zugesicherten, noch nicht realisierten Umsätze (Remaining Performance Obligations) erhöhten sich um 438 % auf 523 Milliarden Dollar.
- Der bereinigte Gewinn je Aktie lag mit 2,26 Dollar deutlich über der Konsensprognose von 1,64 Dollar.
Operativ wächst Oracle damit stark in den KI- und Cloud-Kernbereichen, doch die hohen Vorleistungen drücken Cashflow und mittelfristig die Margen.
Strategiewechsel bei Chips
Im Quartal hat Oracle zudem eine strategische Weiche gestellt: Das Unternehmen trennt sich von seiner Beteiligung am Chipentwickler Ampere. Chairman Larry Ellison machte klar, dass man künftig auf „Chip-Neutralität“ setzt, also keine eigenen Prozessoren mehr designen oder fertigen will, sondern auf unterschiedliche Anbieter zurückgreift.
Wachsende Kreditrisiken
Auf der Kreditseite mehren sich die Warnsignale. Analysten von D.A. Davidson verweisen darauf, dass Oracle bereits nur knapp ein Investment-Grade-Rating hält. Vor diesem Hintergrund äußern sie Zweifel, ob die Verpflichtungen aus den KI- und Cloud-Projekten ohne Anpassung des OpenAI-Vertrags voll erfüllt werden können.
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Parallel dazu sind die Preise von Credit Default Swaps auf Oracle-Anleihen gestiegen – ein Indikator dafür, dass Investoren das Verschuldungsprofil zunehmend kritisch sehen.
Neues Management, große Ziele
Die Co-CEOs Clay Magouyrk und Mike Sicilia, die im September 2025 übernommen haben, stehen damit unmittelbar unter Druck. Ihr Plan ist äußerst ambitioniert: Der Umsatz soll bis zum Geschäftsjahr 2030 auf 225 Milliarden Dollar steigen, nach 57 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr 2025.
Dieser Wachstumspfad hat allerdings seinen Preis. Oracle rechnet damit, dass die Bruttomarge bis 2030 auf rund 49 % sinkt – nach 77 % im Geschäftsjahr 2021. Die Kombination aus hohem Umsatzpotenzial und deutlich niedriger Profitabilität prägt aktuell die Bewertung.
TikTok-Deal und DOE-Kooperation
Kurzfristig sorgten zwei Meldungen für Entlastung.
Zum einen profitierte die Aktie von der Ankündigung, dass TikTok einen Teil seines US-Geschäfts an Oracle und weitere Investoren verkaufen will. Oracle stellt TikTok bereits seit Jahren Cloud-Dienste bereit, der Schritt wurde daher als positiv für das bestehende Cloud-Geschäft gewertet.
Zum anderen meldete Oracle Mitte Dezember eine Zusammenarbeit mit dem US-Energieministerium (Department of Energy). Gemeinsam wollen beide Seiten KI- und Hochleistungsrechenprojekte vorantreiben, darunter die Genesis Mission. Ziel ist es, den Einsatz der nächsten Generation von KI-Technologien zu beschleunigen und die inländischen Rechenkapazitäten auszubauen.
Kursniveau und Ausblick
Die Aktie notiert derzeit bei rund 198 Dollar und hat sich damit etwa 12 % von ihrem Dezembertief bei 177,07 Dollar erholt. Auf Sicht des laufenden Jahres liegt der Titel trotz des heftigen Quartalsrückgangs noch rund 19 % im Plus. Aus charttechnischer Perspektive bleibt der Kurs jedoch klar unter dem Septemberhoch von 345,72 Dollar und damit in einem übergeordneten Abwärtstrend.
Entscheidend für die nächsten Quartale wird sein, ob Oracle die umfangreichen KI-Verträge in profitables Wachstum überführen kann, ohne das ohnehin angespannte Verschuldungsprofil und die Kreditwürdigkeit weiter zu belasten.
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