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Symbolbild, KI-generiert

Oracle Aktie: 92,8 Milliarden Dollar für Cloud-Infrastruktur

Oracle baut sein Cloudgeschäft stark aus, finanziert den KI-Kurs jedoch mit hohen Investitionen, Schulden und deutlichen Cashflow-Belastungen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • OCI-Umsatz steigt um 77 Prozent
  • 92,8 Milliarden Dollar Investitionen geplant
  • Bernstein bestätigt Outperform mit 325 Dollar
  • Oracle meldet Quartalszahlen am 10. September

Manchmal erzählt eine einzige Zahl mehr als ein ganzer Geschäftsbericht. Larry Ellison ist am Donnerstag zum siebtreichsten Menschen der Welt aufgestiegen, sein Vermögen wird auf 200,2 Milliarden Dollar taxiert, getragen von seinem rund 40-prozentigen Anteil an Oracle.

Gleichzeitig verbrannte sein Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr 23,7 Milliarden Dollar an freiem Cashflow. Zwischen diesen beiden Fakten liegt die eigentliche Geschichte dieser Aktie – und sie ist größer als Oracle selbst.

Der Konzern steht exemplarisch für ein Muster, das derzeit die gesamte KI-Infrastrukturbranche prägt: Wachstum wird nicht mehr organisch erwirtschaftet, sondern vorfinanziert. Oracle plant für das laufende Geschäftsjahr Investitionen von 92,8 Milliarden Dollar, nachdem im vergangenen Jahr bereits 55,7 Milliarden Dollar in den Ausbau der Rechenzentren geflossen sind.

Diese Wette auf die Zukunft der Cloud-Infrastruktur treibt den Umsatz der Sparte OCI, der im vergangenen Geschäftsjahr um 77 Prozent auf 18,1 Milliarden Dollar zulegte – laut einer Analyse von Bernstein mehr als das Wachstum von AWS, Azure oder Google Cloud, und inzwischen auch über dem von Alibaba Cloud. Bernstein bestätigt seine Einschätzung „Outperform“ mit einem Kursziel von 325 Dollar.

Die Rechnung, die noch nicht aufgeht

Doch Wachstum kostet. Der Personalabbau von rund 21.000 Stellen im vergangenen Geschäftsjahr, verbunden mit Restrukturierungskosten von 1,84 Milliarden Dollar, ist die andere Seite dieser Medaille.

Im September rollen laut Berichten aus Indien und den USA weitere, leisere Entlassungswellen durch einzelne Teams – Vizepräsidenten und Führungskräfte der Application Labs sind betroffen, nachdem die Sparte in OCI eingegliedert wurde. Schätzungen sprechen von 7.000 bis 10.000 weiteren Stellen, offiziell unbestätigt.

Hier zeigt sich das eigentliche Dilemma der KI-Ära: Wer die Infrastruktur für die nächste Technologiegeneration bauen will, muss heute zahlen und kann erst morgen kassieren.

Oracle finanziert einen Teil dieses Umbaus über Schulden, während JPMorgan und Bernstein vor genau diesem Kapitalbedarf warnen – ein geplantes Kapitalpolster von 40 Milliarden Dollar für das laufende Geschäftsjahr steht im Raum.

Auf der anderen Seite sehen Häuser wie TD Cowen, Cantor, Oppenheimer und Evercore in der Cloud- und KI-Positionierung genug Substanz, um die Bewertung zu rechtfertigen. Die Fair-Value-Einschätzung wurde zuletzt zwar von 248,15 auf 241,97 Dollar gesenkt, bleibt aber deutlich über dem aktuellen Kursniveau.

Ein Partner mit Optionsschein

Bezeichnend für diese neue Ökonomie der Abhängigkeiten ist der erweiterte Deal mit HPE: Der Netzwerkausrüster liefert Juniper-Routing- und Switching-Technik für Oracles KI-Cluster und erhält im Gegenzug einen Optionsschein auf Oracle-Aktien, während Oracle selbst Warrants auf HPE-Papiere zu stark reduziertem Preis bekommt.

Solche Kreuzbeteiligungen sind mittlerweile Alltag in einer Branche, die sich gegenseitig finanziert, um gemeinsam zu wachsen. Die Aktie reagierte auf die Nachricht mit einem Sprung von 5,7 Prozent am Donnerstag, getragen zusätzlich von der Aussicht auf eine lockerere Geldpolitik der US-Notenbank.

Im laufenden Handel kostet das Papier 135,60 Euro, ein Plus von 2,5 Prozent gegenüber dem Vortag und rund 8,5 Prozent mehr als vor einem Monat. Trotzdem bleibt die Aktie 54 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 294,85 Euro, das im September vergangenen Jahres markiert wurde – ein Abstand, der zeigt, wie viel Vertrauen der Markt seit dem Höhenflug wieder verloren hat.

Am 10. September legt Oracle die Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 vor. Analysten erwarten ein Umsatzplus von gut 28 Prozent auf 19,13 Milliarden Dollar. Die eigentliche Frage wird dabei nicht sein, ob Oracle wächst – das tut der Konzern zweifelsohne. Sondern ob die Wall Street bereit ist, für dieses Wachstum weiterhin Milliardenverluste beim Cashflow zu tolerieren, solange Larry Ellison auf dem Papier reicher wird als je zuvor.

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