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Symbolbild, KI-generiert

Oracle Aktie: 664 Milliarden Dollar, aber sinkende Marge

Oracle steigert Umsatz und Cloud-Geschäft deutlich, kämpft jedoch mit geringerer Bruttomarge, höheren Kosten und verzögerter Cashflow-Wirkung.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Cloud-Umsatz steigt um 121 Prozent
  • Bruttomarge sinkt auf 61 Prozent
  • Restrukturierung kostet rund 2,8 Milliarden Dollar
  • Aktie liegt 54 Prozent unter Jahreshoch

Oracle hat vor rund einer Woche Zahlen vorgelegt, die auf den ersten Blick beeindrucken: 30 Prozent Umsatzwachstum, ein Auftragsbestand von 664 Milliarden Dollar, eine angehobene Gewinnprognose. Seither hat die Aktie 1,4 Prozent verloren. Genau in dieser Diskrepanz liegt für mich der eigentliche Kommentaranlass – nicht die Zahlen selbst, sondern die Frage, warum der Markt sie nicht feiert.

Wachstum ja, Qualität nein

Die Cloud-Infrastruktursparte legte laut Bloomberg um 121 Prozent auf 7,4 Milliarden Dollar zu. Das klingt nach einem Ausrufezeichen. Doch im selben Atemzug schrumpfte die Bruttomarge von 66,3 Prozent im Vorquartal auf 61 Prozent.

Wer Kapazitäten für KI-Rechenzentren so aggressiv hochfährt wie Oracle, kauft sich Wachstum offenbar mit sinkender Profitabilität. Für mich ist das kein Beinbruch, aber ein Warnsignal, das man ernst nehmen sollte, bevor man sich von der Schlagzeile „Rekordbacklog“ blenden lässt.

Hinzu kommt: Oracle musste laut Reuters seine Restrukturierungskosten um weitere 700 Millionen Dollar aufstocken, das komplette Programm für das Geschäftsjahr 2026 summiert sich damit auf rund 2,8 Milliarden Dollar.

Ein Unternehmen, das gleichzeitig Milliardenaufträge einsammelt und Stellen abbaut, sendet ein zwiespältiges Signal an Investoren. Es spricht dafür, dass das Management selbst nicht vollständig überzeugt ist, dass sich das aktuelle Ausgabentempo ohne Gegensteuern an anderer Stelle rechnet.

Der Auftragsberg ist real – aber er ist auch ein Versprechen

Mehr als 30 Milliarden Dollar an zusätzlichen KI-Cloud-Verträgen wurden im vergangenen Quartal gebucht, die Gesamtverpflichtungen kletterten auf 664 Milliarden Dollar. Das ist beeindruckend als Ausdruck von Nachfrage. Doch ein Backlog ist kein Cashflow.

Zwischen Vertragsunterschrift und tatsächlicher Umsatzrealisierung liegen bei Rechenzentrumsprojekten Jahre, und die Marge, mit der diese Aufträge am Ende abgerechnet werden, steht noch nicht fest. Ich finde es bemerkenswert, wie sehr sich die öffentliche Debatte um Oracle auf diese eine Zahl fokussiert, während die Margenentwicklung im selben Bericht deutlich weniger Beachtung findet.

Die Dividende von 0,50 Dollar pro Aktie, zahlbar am 23. Oktober an die am 9. Oktober im Aktionärsregister eingetragenen Anteilseigner, ändert an dieser Einschätzung wenig. Sie ist Ausdruck von Kontinuität, kein Signal für operative Stärke.

Regulatorik als leiser Belastungsfaktor

Vor rund zwei Wochen wurde bekannt, dass die EU-Kommission Oracles Softwarelizenzpraktiken prüft. Seither hat die Aktie sogar 3,1 Prozent zugelegt, was zeigt, dass der Markt diesem Thema aktuell wenig Gewicht beimisst.

Reuters betonte ausdrücklich, es handle sich um eine vorläufige Informationssammlung, kein förmliches Verfahren. Für mich ist das ein Nebenschauplatz – relevant genug, um ihn im Blick zu behalten, aber nicht der Grund für die jüngste Kursschwäche.

Kurstechnisch ein Bild der Ernüchterung

Der Blick auf die Handelsdaten unterstreicht meine Zurückhaltung. Mit einem Schlusskurs von 129,72 Euro notiert Oracle rund 54 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 279,35 Euro, das im September vergangenen Jahres erreicht wurde.

Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 22 Prozent zu Buche. Das ist kein Bild einer Aktie, die von KI-Euphorie getragen wird – es ist das Bild einer Neubewertung, bei der Anleger die hohen Investitionskosten stärker gewichten als die Wachstumsraten.

Mein Fazit

Oracle liefert operativ beeindruckende Wachstumsraten, keine Frage. Aber die Kombination aus schrumpfender Marge, steigenden Restrukturierungskosten und einem Auftragsbestand, der erst noch in Cash verwandelt werden muss, relativiert die Erzählung vom ungebremsten KI-Gewinner.

Die Chancen, dass sich das Geschäft langfristig auszahlt, bestehen durchaus – doch aus meiner Sicht überwiegt derzeit das Risiko, dass der Markt die operativen Bremsspuren stärker gewichtet als die Wachstumszahlen. Wer auf Oracle setzt, sollte sich bewusst sein, dass er derzeit eher eine Wette auf zukünftige Margenerholung eingeht als eine Bestätigung heutiger Stärke kauft.

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