Oracle hat am Montag einen Milliardenauftrag des US-Verteidigungsministeriums verbucht – und die Börse reagierte prompt. Die Aktie schloss in Deutschland bei 105,52 Euro und legte damit 4,31 Prozent zu. Zuvor war das Papier zeitweise bis auf ein neues 52-Wochen-Tief abgerutscht, sodass der Kurs trotz des Sprungs nur 4,41 Prozent über dieser Marke notiert.
Zehnjähriger Pentagon-Vertrag treibt den Kurs
Das Pentagon unterzeichnete mit Oracle einen bis zu zehn Jahre laufenden Vertrag im Volumen von bis zu sieben Milliarden Dollar. Die Vereinbarung bündelt Oracle-Softwarelizenzen über das Verteidigungsministerium, die Küstenwache und Geheimdienste hinweg und soll dem Pentagon mindestens 441 Millionen Dollar an Einsparungen bringen. Parallel unterzeichnete die Marine einen separaten Fünfjahresvertrag mit Grundvolumen von 3,31 Milliarden Dollar und einer Option auf bis zu 6,99 Milliarden Dollar. Beide Aufträge liefern Oracle nach Monaten schwacher Kursentwicklung ein politisches wie finanzielles Signal der Verlässlichkeit im Staatsgeschäft.
Der jüngste Kursrutsch war heftig: Binnen weniger Wochen war die Aktie von Ständen um 149 Dollar auf ein Tief nahe 115 Dollar gefallen, wie Berichte aus der vergangenen Woche zeigten. Der Relative-Stärke-Index von 33,1 signalisiert weiterhin eine überverkaufte Situation, während der Kurs mit einem Abstand von rund 28 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und von gut 33 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt liegt. Der Pentagon-Deal wirkt damit eher wie eine Verschnaufpause als wie eine Trendwende.
Wisconsin-Rechenzentrum bringt Bonität unter Druck
Während der Rüstungsauftrag Vertrauen schafft, sorgt ein Rechtsstreit in Wisconsin für Gegenwind. Oracle verklagt dortige Energieregulierer, weil diese für ein geplantes Rechenzentrum in Port Washington eine Sicherheitsleistung von mehr als sieben Milliarden Dollar verlangen. Grund ist eine Regel, die bei einem Bonitätsrating unter A-minus Bargeld oder ein Akkreditiv vorschreibt – Oracle wurde von S&P zuletzt auf BBB-minus herabgestuft, nur eine Stufe über Ramschniveau. Die jährlichen Kosten für eine solche Sicherheit würden laut den vorliegenden Berichten mehr als 100 Millionen Dollar betragen. Das Rechenzentrum ist Teil der Infrastruktur für den milliardenschweren Vertrag mit OpenAI.
Die Kapitalintensität des Cloud- und KI-Ausbaus zeigt sich auch in der Bilanz. Im vergangenen Geschäftsjahr investierte Oracle 55,7 Milliarden Dollar, ein Plus von 163 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während der freie Cashflow mit minus 23,7 Milliarden Dollar tief negativ blieb. Kreditausfallversicherungen auf Oracle-Anleihen sind in diesem Umfeld spürbar teurer geworden, ein Zeichen dafür, dass Investoren das aggressive Investitionstempo genauer beobachten.
Auftragsbestand wächst, Ausblick bleibt ambitioniert
Losgelöst von den Finanzierungsfragen liefert das operative Geschäft weiter Wachstum. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 stieg der Umsatz um 21 Prozent auf 19,2 Milliarden Dollar, das Cloud-Geschäft legte um 47 Prozent zu, die Infrastruktursparte OCI sogar um 93 Prozent. Der Auftragsbestand (RPO) kletterte auf 638 Milliarden Dollar, ein Zuwachs von 363 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für das laufende Geschäftsjahr 2027 stellt Oracle einen Umsatz von 90 Milliarden Dollar sowie einen Gewinn je Aktie von 8,05 Dollar in Aussicht – bei einem Investitionsbudget von bis zu 95 Milliarden Dollar.
Analysten uneins über den weiteren Weg
An der Wall Street gehen die Einschätzungen entsprechend auseinander. Die Analysten von Bernstein bekräftigen ihr Outperform-Rating mit einem Kursziel von 325 Dollar und setzen auf das langfristige Cloud- und Rüstungsgeschäft. Deutlich zurückhaltender positioniert sich CLSA: Das Haus stufte Oracle mit Hold ein und nennt lediglich 145 Dollar als Kursziel, ein Verweis auf die Kredit- und Kollateralrisiken rund um den KI-Ausbau. Im Konsens überwiegt dennoch Optimismus – die durchschnittliche Kursziel-Erwartung liegt bei 252,09 Dollar, mit Ausreißern bis 400 Dollar nach oben. Für Anleger bleibt die Aktie damit ein Spagat zwischen wachsendem Auftragsbestand und den Kosten des KI-Rennens.
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