Oracle meldet das beste Jahr der Unternehmensgeschichte. Dennoch schickten Anleger die Aktie am 23. Juni um fast fünf Prozent in den Keller. Der neue Geschäftsbericht offenbart einen harten Kontrast. Das rasante Cloud-Wachstum hat einen gigantischen Preis.
Cloud-Meilenstein und Cashflow-Lücke
Im abgelaufenen Geschäftsjahr überschritt Oracle eine magische Grenze. Erstmals stammt mehr als die Hälfte der Gesamterlöse aus dem Cloud-Geschäft. Der Umsatz kletterte um 17 Prozent auf den Rekordwert von 67,4 Milliarden US-Dollar.
Operativ erwirtschaftete der Konzern starke 32 Milliarden US-Dollar. Am Ende steht allerdings ein negativer freier Cashflow von 23,7 Milliarden US-Dollar. Oracle baut massiv neue KI-Infrastruktur. Das kostet enorm viel Geld.
Parallel dazu strafft das Management die eigene Organisation. Die Zahl der Vollzeitbeschäftigten sank innerhalb eines Jahres von 162.000 auf 141.000 Mitarbeiter.
Auftragsbestand sprengt Börsenwert
Ein Detail des Berichts sticht besonders hervor. Der Auftragsbestand explodierte im Jahresvergleich um 363 Prozent auf 638 Milliarden US-Dollar. Damit übersteigen die vertraglich gesicherten künftigen Einnahmen den aktuellen Börsenwert des gesamten Unternehmens.
Ein Großteil dieses Wachstums stammt aus vorausbezahlten KI-Verträgen. Schätzungen zufolge entfällt mehr als die Hälfte des Bestands allein auf OpenAI. Ein Klumpenrisiko.
Kapitalbedarf und Analystenstimmen
Der Ausbau der Rechenzentren erfordert frisches Kapital. Finanzchefin Hilary Maxson rechnet für 2027 mit Netto-Investitionsausgaben von rund 70 Milliarden US-Dollar. Um das zu stemmen, will Oracle etwa 40 Milliarden US-Dollar aufnehmen.
Das Geld soll über Schulden und neue Aktien in die Kasse fließen. Darunter fällt auch eine bereits angekündigte Kapitalerhöhung über 20 Milliarden US-Dollar. An den langfristigen Zielen ändert das nichts. Bis 2030 peilt der Vorstand ein jährliches Umsatzwachstum von 31 Prozent an.
Die Wall Street bleibt trotz des Kursrutsches entspannt. Jefferies-Analyst Brent Thill bestätigt sein Kaufrating. Er verweist auf eine auf Monate hinaus ausverkaufte Branchenkapazität.
Insgesamt raten 28 Experten zum Kauf, fünf empfehlen das Halten der Papiere. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 263,86 US-Dollar. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von über 50 Prozent gegenüber dem aktuellen Kursniveau um 175 US-Dollar. Oracle muss nun beweisen, dass die aggressive Expansion die Bilanz nicht überfordert. Gelingt die Abarbeitung der gigantischen Aufträge, zahlt sich die Milliarden-Wette aus.
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