Wenn der wichtigste Kunde seine internen Ziele verfehlt, gehen Zulieferer normalerweise auf Distanz. Oracle wählt einen anderen Weg. Nach einem kritischen Medienbericht über schwächelnde Wachstumszahlen bei OpenAI stellte sich der Softwarekonzern öffentlich hinter den KI-Entwickler. Das Management bekräftigte die Partnerschaft und den rasanten Ausbau der benötigten Rechenkapazitäten.
Die Börse reagierte nervös auf die Berichte über das verlangsamte Geschäft von OpenAI. Oracle-Papiere gaben in den vergangenen sieben Tagen spürbar nach und notieren aktuell bei etwa 142 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von knapp 15 Prozent auf der Kurstafel.
Die 300-Milliarden-Dollar-Wette
Die Nervosität der Investoren hat einen konkreten Grund. Ab 2027 will Oracle über einen Zeitraum von fünf Jahren Rechenleistung im Wert von 300 Milliarden US-Dollar an OpenAI liefern. Dieser Vertrag bildet das Fundament der gesamten Infrastruktur-Strategie des Unternehmens.
Um diese Kapazitäten bereitzustellen, investiert der Konzern massiv. Die Gesamtverschuldung kletterte zuletzt um 60 Prozent auf den Rekordwert von über 150 Milliarden Dollar. Parallel dazu verdoppelte das Management die geplanten Investitionsausgaben für das laufende Geschäftsjahr auf rund 50 Milliarden Dollar.
Dan Ives von Wedbush Securities sieht darin kein spekulatives Risiko. Der Analyst bewertet die Aktie mit „Outperform“ und einem Kursziel von 225 Dollar. Er argumentiert, der Markt interpretiere den vertragsgesicherten Investitionszyklus fundamental falsch.
Milliardenprojekte in Michigan und New Mexico
Der physische Ausbau der KI-Zentren läuft derweil auf Hochtouren. In Michigan entsteht ein maßgeschneiderter Campus für Oracle. Die Finanzierung für das gigantische Projekt steht: Die Bank of America platzierte Anleihen im Wert von 14 Milliarden Dollar, wobei PIMCO den Löwenanteil übernahm.
Im gleichen Schritt strukturiert Oracle sein „Project Jupiter“ in New Mexico um. Statt auf Gasturbinen und Dieselgeneratoren setzt der Konzern dort nun vollständig auf Brennstoffzellen von Bloom Energy. Diese Technologie erzeugt Strom ohne Verbrennung und macht den Betrieb des riesigen Rechenzentrums deutlich effizienter.
Diskrepanz zwischen Kosten und Erträgen
Operativ liefert das Kerngeschäft weiterhin starke Wachstumsraten. Im dritten Geschäftsquartal stieg der Gesamtumsatz um 22 Prozent auf 17,2 Milliarden Dollar. Die Cloud-Infrastruktur erwies sich dabei als stärkster Treiber und legte um 84 Prozent zu.
Das Problem liegt in der zeitlichen Verzögerung. Die Kosten für den Bau der Rechenzentren belasten die Bilanz sofort. Die vertraglich zugesicherten Milliardenumsätze mit OpenAI fließen allerdings erst ab 2027 in die Gewinn- und Verlustrechnung.
Die öffentliche Verteidigung von OpenAI zeigt, dass Oracle die Partnerschaft als absolut tragfähig einstuft. Bis die ersten großen Zahlungsströme aus diesem Mega-Deal fließen, muss das Unternehmen die Brücke zwischen massiven Vorabinvestitionen und der aktuellen Bilanz schlagen. Gelingt es dem Management, die Schuldenlast in den nächsten Quartalen zu stabilisieren, stützt dies die aggressive Expansionsstrategie.
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