Rekordausschüttung auf der einen Seite, operative Rückschläge auf der anderen. Bei OMV prallen derzeit zwei Welten aufeinander. Der österreichische Energiekonzern lockt mit hohen Dividenden, kämpft aber mit schwachen Quartalszahlen und geopolitischen Turbulenzen.
Neues Modell unter Druck
Der Vorstand schlägt der anstehenden Hauptversammlung eine Gesamtdividende von 4,40 Euro je Aktie vor. Das entspricht beim aktuellen Kursniveau einer Rendite von rund sieben Prozent. Ab sofort gilt ein modifiziertes Ausschüttungsmodell. Künftig fließt die Hälfte der Dividenden aus dem Chemie-Joint-Venture Borouge direkt an die Aktionäre.
Hier zeigt sich allerdings ein strategisches Problem. Der geplante Börsengang der Borouge Group in Abu Dhabi verschiebt sich voraussichtlich auf 2027. Folglich halbieren sich die Dividendeneinnahmen aus dem Venture für das laufende Jahr auf rund 250 Millionen US-Dollar. Das trübt die kurzfristige Sichtbarkeit der Mittelzuflüsse deutlich ein.
Geopolitik belastet das operative Geschäft
Im Tagesgeschäft bläst dem Konzern kräftiger Gegenwind ins Gesicht. Das erste Quartal 2026 verfehlte die Erwartungen massiv. Der Gewinn je Aktie erreichte lediglich 0,99 Euro statt der prognostizierten 1,89 Euro.
Die Schließung der Straße von Hormus Ende Februar hinterließ tiefe Spuren in der Bilanz. Unterbrochene Rohölströme verursachten einmalige Absicherungsverluste im dreistelligen Millionenbereich. Parallel dazu brach die Raffineriemarge von über zehn auf 6,65 Euro je Barrel ein.
Neue Führung, starker Kurs
Diese Herausforderungen erbt bald eine neue Führung. Zum 1. September übernimmt Emma Delaney den Posten der Vorstandsvorsitzenden. Die langjährige bp-Managerin wird die erste weibliche CEO in der Geschichte von OMV. Finanzvorstand Reinhard Florey rückt im gleichen Schritt zum stellvertretenden Vorsitzenden auf.
Der Kapitalmarkt ignoriert die operativen Dellen bislang. Am Freitag notiert die OMV-Aktie bei 62,55 Euro und kratzt damit an ihrem 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn beläuft sich das Kursplus auf beachtliche 29 Prozent.
Für das restliche Jahr plant das Management konservativ. Das Unternehmen kalkuliert mit einem durchschnittlichen Brent-Rohölpreis von rund 65 US-Dollar pro Barrel. Die eigene Produktion soll leicht unter der Marke von 300.000 Barrel Öläquivalent pro Tag bleiben.
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