Die OMV-Hauptversammlung in Wien hatte gestern gleich drei Themen auf einmal: eine umstrittene Dividende, eine Warnung vor Gasversorgungsengpässen — und den Abschied eines langjährigen Konzernchefs.
Dividende fällt niedriger aus als im Vorjahr
Die Aktionäre beschlossen eine Gesamtausschüttung von 4,40 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2025, zahlbar am 11. Juni 2026. Davon entfallen 3,15 Euro auf die reguläre Dividende, 1,25 Euro sind eine Sonderzahlung.
Das klingt nach einem soliden Paket — ist es aber nicht ohne Einschränkung. Im Vorjahr lag die Gesamtdividende bei 4,75 Euro. Der Rückgang erklärt sich maßgeblich durch die Halbierung der Ausschüttung des Chemie-Joint-Ventures Borouge, was rechnerisch 60 bis 70 Cent je Aktie kostet. Deka Investment, mit rund 0,27 Prozent der Anteile vertreten, kritisierte die niedrigere Ausschüttung und forderte mehr Transparenz — sowohl bei der Klimastrategie als auch beim Schutz von Mitarbeitern in Krisenregionen.
Stern warnt vor Gasspeicher-Problem
Vorstandschef Alfred Stern nutzte seinen letzten Auftritt auf einer OMV-Hauptversammlung für eine klare Botschaft: Die kurzfristige Gasversorgung Europas sei gesichert, die Befüllung der Speicher für die kommenden Monate aber eine erhebliche Herausforderung. Als Belastungsfaktoren nannte er die weltweit eingeschränkte LNG-Verfügbarkeit und die Auswirkungen des Iran-Krieges auf globale Handelsrouten.
Auf der Habenseite steht die vollständige Ablösung russischer Gaslieferungen — erstmals seit sechs Jahrzehnten. Das rumänische Offshore-Projekt Neptune Deep soll die europäische Eigenversorgung langfristig stärken. Der Börsengang der neu gegründeten Borouge International wurde allerdings auf 2027 verschoben.
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Neue Chefin, neuer Aufsichtsrat
Ab Anfang September übernimmt Emma Delaney, frühere BP-Managerin, den Konzernvorsitz. Ihre Agenda: den Umbau in Richtung erneuerbare Energien, Geothermie und nachhaltige Kraftstoffe beschleunigen. Im Aufsichtsrat wurden Edith Hlawati und Patrick Lammers bestätigt, neu hinzu kommen Andreas Klauser und Ahmed El-Hoshy. Ein überarbeitetes Vergütungssystem mit stärkerem ESG-Fokus passierte ebenfalls die Mehrheitshürde — einzelne Investoren bemängelten jedoch fehlende Transparenz bei individuellen Leistungskennzahlen.
Klimaaktivisten störten die Veranstaltung zeitweise, mehrere Personen wurden aus dem Saal entfernt. Alle Tagesordnungspunkte wurden dennoch mit der erforderlichen Mehrheit angenommen.
Die Aktie notierte zuletzt bei 62,35 Euro — rund 29 Prozent über dem Niveau vor einem Jahr, aber knapp unter dem 52-Wochen-Hoch von 63,85 Euro vom 19. Mai. Wie der Markt auf den Führungswechsel unter Delaney reagiert, wird sich spätestens mit den nächsten Quartalszahlen zeigen — dann trägt sie bereits die Verantwortung.
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