Es ist ein klarer Richtungswechsel. Die OMV baut ihr Geschäft um: weg vom Öl- und Gasgeschäft, hin zur Chemie. Der Markt honoriert den Schritt. Die Aktie notiert bei 58,60 Euro. Das sind 2,27 Prozent mehr als am Vortag. Seit Jahresbeginn liegt das Papier sogar 21,12 Prozent im Plus.
Der Eckpfeiler der neuen Strategie heißt Borouge International. Der Chemie-Riese hat seinen operativen Hauptsitz in Wien. Die OMV ist über ihre Beteiligung an Borealis zur Hälfte beteiligt. Die andere Hälfte hält der Partner ADNOC. Für die OMV ist das mehr als ein Joint Venture. Es ist der Versuch, Wien als globales Zentrum der Polyolefin-Industrie zu etablieren.
Finanzierung steht – zum Teil
Der Umbau kostet Geld. Im Juni hat die OMV eine nachrangige Hybridanleihe über 750 Millionen Euro platziert. Das sichert Spielraum für Investitionen in Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Kraftstoffe. Parallel dazu verändert der Konzern die Dividendenpolitik. Ab 2026 sollen die Ausschüttungen zu 50 Prozent aus den Dividenden der Borouge-Gruppe kommen. Weitere 20 bis 30 Prozent stammen aus dem operativen Cashflow.
Das Modell ist nicht ohne Risiko. Es koppelt die Dividende ans Chemiegeschäft. Fällt die Sparte, kürzt die OMV. Manche Marktteilnehmer werten das als klaren Schritt der Strategie 2030.
Bleibende Altlasten
Operativ läuft es besser. Robuste Margen in der Sparte „Chemie & Rohstoffe“ stützen das Ergebnis. Doch das Umfeld bleibt schwierig. Ein Handelsgericht in St. Petersburg gab einer Klage von Gazprom gegen eine OMV-Tochter statt. Das Urteil blockiert internationale Schiedsverfahren. Der Markt zeigt sich gelassen. Der Fokus liegt auf den neuen Ertragsquellen im Nahen Osten und in Europa.
Im August 2026 verlässt Vorstandschef Alfred Stern den Konzern. Bis dahin muss die Integration der Chemie-Strukturen abgeschlossen sein. Ein weiteres Projekt: die Produktion aus dem Neptun-Deep-Feld im Schwarzen Meer. Sie ist für 2027 geplant.
Die Halbjahreszahlen werden im Juli erwartet. Dann zeigt sich, ob die starken Chemie-Margen die Belastungen aus dem Fördergeschäft und die russischen Rechtsrisiken kompensieren können. Die Aktie notiert knapp über ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 53,51 Euro. Das 52-Wochen-Hoch bei 64,40 Euro bleibt in Reichweite.
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