Die OMV-Hauptversammlung am 27. Mai 2026 in Wien hat vier Aufsichtsratsmandate neu besetzt und eine überarbeitete Vergütungspolitik für den Vorstand verabschiedet. Im Fokus stand aber auch ein anderes Thema: die Verschiebung des Borouge-Börsengangs — mit direkten Folgen für künftige Dividenden.
Vier neue Gesichter im Aufsichtsrat
Die Aktionäre wählten Edith Hlawati und Patrick Lammers erneut in den Aufsichtsrat. Andreas Klauser und Ahmed El-Hoshy zogen erstmals in das Kontrollgremium ein. Zwei Mandate waren durch auslaufende Funktionsperioden vakant geworden, zwei weitere durch Rücktritt.
Die Abstimmungsergebnisse fielen unterschiedlich aus: Hlawati erhielt 91,6 Prozent Zustimmung, Lammers 94,5 Prozent. Die Neuzugänge Klauser und El-Hoshy kamen auf 99,1 beziehungsweise 98,9 Prozent. Der Aufsichtsrat besteht nun aus zehn von der Hauptversammlung gewählten Kapitalvertretern und fünf Arbeitnehmervertretern.
Neben den Personalentscheidungen billigte die Hauptversammlung eine neue Vergütungspolitik für den Vorstand. 97,1 Prozent der gültigen Stimmen stimmten zu. OMV begründete die Überarbeitung mit dem Ziel, Leistung und Vergütung enger zu verknüpfen und Transparenz zu erhöhen. Der Vergütungsbericht für Vorstand und Aufsichtsrat wurde mit 95,6 Prozent angenommen.
Borouge-IPO verschoben — Dividendenmodell ab 2026 geändert
Parallel zu den Governance-Beschlüssen bleibt die Verschiebung des Börsengangs von Borouge Group International (BGI) ein zentrales Thema für Einkommensinvestoren. OMV und die staatliche Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) haben den IPO ihres Joint Ventures auf 2027 verschoben.
Die OMV erhält für 2026 eine Ausschüttung von 250 Millionen US-Dollar aus dem Joint Venture — statt der bisher angenommenen 500 Millionen Dollar. Die Auswirkung auf die OMV-Dividende beziffert das Unternehmen auf rund 0,60 bis 0,70 Euro je Anteilsschein.
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Die Ausschüttung für das Geschäftsjahr 2025 bleibt davon unberührt: OMV zahlt die nächste Dividende am 11. Juni 2026. Der Ex-Tag ist am 8. Juni 2026. Die Hauptversammlung hat eine Gesamtdividende von 4,40 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2025 beschlossen, davon 3,15 Euro reguläre Dividende und 1,25 Euro Sonderdividende.
Ab dem Geschäftsjahr 2026 wird OMV 50 Prozent der OMV zurechenbaren BGI-Dividenden sowie 20 bis 30 Prozent des Cashflows aus der Betriebstätigkeit ausschütten — die erste Zahlung nach dieser Logik erfolgt im Jahr 2027.
Sterns letzter Auftritt, Borouge-Integration läuft
Für CEO Alfred Stern war es der letzte Auftritt auf einer OMV-Hauptversammlung. Im September übernimmt Emma Delaney die Konzernführung. Stern bezeichnete die Gründung des Chemie-Konzerns Borouge International als strategischen Meilenstein. Das im März mit Partner ADNOC gegründete Unternehmen bündelt Borealis, Borouge und Nova Chemicals. Die Integration läuft — es entsteht eine von Europa aus gesteuerte Plattform in der Kunststoffindustrie.
Die Sitzung verlief nicht ohne Unterbrechungen. Klimaaktivisten störten das Aktionärstreffen wiederholt mit Protesten. Aufsichtsratschef Lutz Feldmann musste die Sitzung wegen lauter Gesangseinlagen mehrfach unterbrechen.
Die Aktie notiert bei 61,55 Euro, knapp vier Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 63,85 Euro vom 19. Mai. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 27 Prozent. Der nächste Quartalsbericht ist für den 31. Juli 2026 geplant.
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