Bei OMV reichen die Risiken über den anstehenden Quartalsbericht hinaus. RBC Capital Markets verwies am 9. Oktober auf rückläufige Raffineriemargen im vierten Quartal sowie steigende Frachtkosten. Damit geht es für Anleger nicht allein um die Belastungen des abgelaufenen Berichtszeitraums. Entscheidend ist auch, wie viel Unterstützung das Raffineriegeschäft künftig noch liefern kann.
RBC erwartet Gegenwind bei den Margen
Medienberichten zufolge bestätigte RBC-Analyst Adnan Dhanani am 9. Oktober die Einstufung „Sector Perform“ und das Kursziel von EUR 70,00. Neben höheren Frachtkosten nannte er größere Rohöldifferenzen als Gegenwind.
Seine Einschätzung war allerdings nicht durchweg negativ: Trotz des erwarteten Rückgangs dürften die Branchenmargen über dem üblichen Niveau bleiben. Das ist eine wichtige Unterscheidung. Eine Abschwächung gegenüber einem stärkeren Quartal bedeutet nach dieser Einschätzung noch keine Rückkehr zu unterdurchschnittlichen Bedingungen.
Barclays bestätigte am 9. Oktober dagegen die Verkaufsempfehlung mit einem Kursziel von EUR 68,00. Die Analysten erwarteten eine neutrale Aktienreaktion auf das Trading-Update. Höhere Raffineriemargen dürften aus ihrer Sicht durch den stärkeren Rückgang der Fördermengen im dritten Quartal ausgeglichen werden.
Die beiden Einschätzungen setzen damit unterschiedliche Schwerpunkte. Barclays stellte die gegenläufigen Effekte innerhalb des Berichtsquartals heraus. RBC richtete den Blick zusätzlich auf die Bedingungen im Schlussquartal. Eine uneingeschränkt positive Wirkung der Raffineriemargen lässt sich aus keiner der beiden Analysen ableiten.
Zusätzliche Belastungen außerhalb der Raffinerien
Das vor rund zwei Wochen veröffentlichte Trading-Update zu den belasteten Absatzmengen zeigte zugleich weitere Ergebnisrisiken. OMV erwartete durch ausgebliebene Rohölverladungen im Nahen Osten eine Belastung des operativen Energieergebnisses von rund EUR 100 Mio. gegenüber dem Vorquartal.
Hinzu kommt das Chemiegeschäft. Das schwächere Marktumfeld für Borouge International dürfte nach Unternehmensangaben das Ergebnis deutlich belasten. Damit betreffen die Schwierigkeiten nicht nur die Mengenentwicklung im Energiegeschäft.
Staatliche Solidaritätsbeiträge in Österreich und Rumänien sollten den ausgewiesenen Nettogewinn zusätzlich um EUR 150–200 Mio. mindern. Diese Belastung betrifft eine andere Ergebnisgröße als die genannten operativen Effekte.
Quartalsbericht muss das Gesamtbild konkretisieren
OMV hat die Veröffentlichung der Ergebnisse für das dritte Quartal 2026 für den 29. Oktober angekündigt. Die Angaben im Trading-Update sind vorläufig und können von den endgültigen Quartalszahlen abweichen.
Für Anleger zählt deshalb das Zusammenspiel der Belastungen: Raffineriemargen können stützen, während Energiegeschäft, Chemie und Solidaritätsbeiträge das Ergebnis bremsen. Der angekündigte Bericht liefert den nächsten Prüfstein dafür, wie sich diese gegenläufigen Einflüsse tatsächlich im Quartal niedergeschlagen haben.
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