Der Bremer Raumfahrtkonzern OHB SE erlebt eine ungewöhnlich turbulente Juniwoche. Hauptversammlung, ILA-Messe und der SpaceX-Börsengang fallen fast zusammen — und eine milliardenschwere Aktienplatzierung liegt auf Eis.
Platzierung verschoben, Frist läuft
KKR hält rund 29 Prozent an OHB und will etwa 20 Prozentpunkte davon verkaufen. Der Starttermin war der 12. Juni. Gelingt die Transaktion bis zum 30. Juni, würde der Streubesitz von sechs auf rund 26 Prozent steigen. Das Volumen liegt bei über einer Milliarde Euro. OHB hatte das Bankenkonsortium zuletzt auf sieben Institute aufgestockt.
Das Problem: Der SpaceX-Börsengang fällt exakt in dieses Zeitfenster. Ein IPO dieser Größenordnung bindet Aufmerksamkeit, Kapital und Bankenkapazitäten. Kleinere Emissionen geraten dabei ins Hintertreffen. OHB hat den Verkauf daher kurzfristig ausgesetzt.
Nach einer erfolgreichen Transaktion würde die KKR-Beteiligung auf eine einstellige Position sinken. Die Gründerfamilie Fuchs bliebe mit 65 Prozent der Stimmrechte dominant.
Enger Markt, heftiger Kursausschlag
Am 27. Mai brach die Aktie intraday um fast 16 Prozent ein. Der Grund liegt in der Struktur des Handels. Derzeit sind nur 5,68 Prozent der 19,15 Millionen Aktien frei handelbar. An der Börse Stuttgart pendelte der Kurs zwischen 421,50 Euro und 478,50 Euro — eine Spanne von fast 57 Euro an einem einzigen Tag. Gehandelt wurden dabei lediglich 1.019 Stück. Bei solch geringen Volumina reichen wenige Orders aus, um den Kurs stark zu bewegen.
Hauptversammlung am 8. Juni
Die virtuelle Hauptversammlung findet am 8. Juni 2026 ab 10 Uhr statt. Die Aktionäre stimmen über eine Dividende von 0,60 Euro je Aktie ab. Außerdem stehen die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat sowie ein Aktienoptionsprogramm auf der Tagesordnung. Vorgesehen sind bis zu 576.447 Bezugsrechte, gedeckelt auf maximal 3,0 Prozent des Grundkapitals. Die Ermächtigung soll bis Juni 2031 laufen.
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Hinzu kommt ein weiterer Punkt: OHB will die Erlaubnis erhalten, bis 2031 Wandel- oder Optionsschuldverschreibungen sowie Genussrechte im Gesamtnennbetrag von bis zu 1,2 Milliarden Euro zu begeben.
Operative Zahlen liefern Rückhalt
Das Geschäft läuft gut. Im ersten Quartal 2026 stieg die Gesamtleistung um 15 Prozent auf 279,3 Millionen Euro. Das bereinigte EBITDA legte um 37 Prozent auf 27,3 Millionen Euro zu. Der Nettogewinn verdreifachte sich auf 9,9 Millionen Euro, nach 3,7 Millionen Euro im Vorjahr.
Der mittelfristige Plan ist ambitioniert. OHB stellt für 2026 eine Gesamtleistung von 1,4 Milliarden Euro in Aussicht, für 2027 sollen es 1,7 Milliarden Euro werden. Bis 2028 peilt der Konzern mehr als 2,0 Milliarden Euro an. Die EBITDA-Marge soll von elf Prozent auf mehr als zwölf Prozent am Ende des Planungszeitraums steigen.
RFA ONE: Erster Startversuch im Juli
Parallel läuft bei der OHB-Tochter Rocket Factory Augsburg die Uhr. Für den 1. Juli hat das Unternehmen ein Startfenster für den ersten Testflug der Trägerrakete RFA ONE beantragt. Erste und zweite Stufe wurden bereits an den SaxaVord Spaceport in Schottland geliefert.
Nach einem Vorfall beim Heißbrandtest arbeitete das Team 18 Monate an Überarbeitungen. Verbessert wurden das Helix-Triebwerk, die Tankdrucksysteme und Bodenabläufe. OHB dämpft allerdings zu hohe Erwartungen: Historisch sind erste Flüge neuer Trägersysteme in weniger als 30 Prozent der Fälle erfolgreich.
Ob die Platzierung noch im Juni gelingt, hängt wesentlich vom SpaceX-Debüt am 12. Juni ab. Eine starke Erstnotiz würde Kapital und Aufmerksamkeit im Raumfahrtsektor mobilisieren — ein enttäuschender Start könnte die OHB-Transaktion in den Juli drängen, wo die Frist ausläuft.
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