Die italienische Raumfahrtagentur ASI hat OHB Italia als Hauptauftragnehmer für die nächste Generation des Erdbeobachtungssatelliten PRISMA bestellt. Der Auftrag reiht sich in eine Serie von Weltraumgeschäften ein, die dem Bremer Raumfahrt- und Rüstungskonzern zuletzt Rückenwind gaben. Der Start des neuen Satelliten ist bis Ende 2031 geplant.
Hyperspektrale Erdbeobachtung mit dreifacher Auflösung
Für die technische Umsetzung holt sich OHB Italia die Thales Alenia Space ins Boot, ein Gemeinschaftsunternehmen von Thales mit 67 Prozent und Leonardo mit 33 Prozent. Thales Alenia Space entwickelt den Satelliten und liefert die Plattform PRIMA-S, während das Hyperspektralinstrument von Leonardo stammt. Der entscheidende technische Fortschritt gegenüber dem Vorgängersystem liegt in der Auflösung: Die neue Mission soll mindestens 10 Meter erreichen, bislang lag der Wert bei 30 Metern. Die hyperspektrale Bildgebung mit hunderten Spektralbändern soll künftig in der Umweltüberwachung, im Katastrophenmanagement und bei der Ressourcenerkundung einschließlich Mineralexploration zum Einsatz kommen.
Der neue Auftrag fügt sich in ein größeres Bild italienischer Erdbeobachtungsprogramme, an denen OHB Italia beteiligt ist. Parallel zur PRISMA-Ausschreibung ist die Satellitenkonstellation IRIDE in die operative Phase gestartet. Die durch das italienische Wiederaufbauprogramm PNRR finanzierte Konstellation liefert seit Anfang Juli erste Satellitendaten und Geodienste für Anwendungen von Klimawandel-Monitoring bis Katastrophenschutz. Neben OHB Italia zählen Argotec, e-GEOS, Exprivia, Planetek und S&T zu den beteiligten Hauptauftragnehmern der italienischen Weltraumbehörde.
Aktie bleibt trotz Auftragsflut unter Druck
An der Börse reagierten Anleger auf die Nachrichtenlage verhalten. Die OHB-Aktie schloss am Donnerstag bei 234,00 Euro, ein Plus von 1,30 Prozent gegenüber dem Vortag. Der Kurs notiert damit weiterhin fast 66 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 688,00 Euro, das im Mai erreicht wurde. Zugleich steht auf Jahressicht ein Plus von 100 Prozent zu Buche – ein Beleg dafür, wie stark der Titel zuvor gelaufen war, bevor die jüngste Korrektur einsetzte.
Diese Gegenläufigkeit spiegelt die Dynamik im europäischen Raumfahrtsektor wider: Operative Auftragserfolge wie PRISMA Second Generation und die IRIDE-Inbetriebnahme untermauern das langfristige Wachstumsnarrativ von OHB, ändern aber kurzfristig wenig an der technischen Verfassung der Aktie nach der vorangegangenen Kursrally. Anleger dürften den Blick nun darauf richten, ob sich die Serie an Aufträgen aus Italien und weiteren europäischen Raumfahrtprogrammen in den kommenden Quartalszahlen des Konzerns niederschlägt.
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