Die OHB-Aktie notiert am Mittwoch bei 254,00 Euro und damit rund 12 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 287,76 Euro. Seit dem 52-Wochen-Hoch von 688,00 Euro im Mai hat sich der Kurs mehr als halbiert.
Zum 200-Tage-Durchschnitt von 252,70 Euro liegt das Papier dagegen fast unverändert – ein Hinweis darauf, dass sich die jüngste Schwäche eher als Konsolidierung nach der Kapitalerhöhung liest denn als fundamentaler Bruch.
Der Rücksetzer der vergangenen Woche steht im Kontrast zu einer Nachrichtenlage, die operativ weiterhin auf Wachstum ausgerichtet ist. Anleger richten den Blick daher zunehmend auf die Frage, ob die im ersten Halbjahr gemeldete Auftragsdynamik in der zweiten Jahreshälfte tatsächlich in Verträge münden kann.
Rekordbacklog trifft auf offene Großaufträge
OHB hatte Anfang August berichtet, der Auftragsbestand sei auf ein Rekordniveau von 3.304 Millionen Euro gestiegen. Das Unternehmen bezifferte die Projektpipeline auf rund 20 Milliarden Euro und erwartet, dass der Auftragseingang im zweiten Halbjahr höher ausfällt als im ersten.
Konkret befinden sich nach Unternehmensangaben mehrere große ESA- und EU-Verträge in finalen Verhandlungen, darunter die Sentinel-Konstellation, die ClearSpace-1-Mission und das Upstar-Projekt. Ein Abschluss wird für die zweite Jahreshälfte erwartet.
Im digitalen Segment wuchs der Auftragsbestand nach Unternehmensangaben um 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr, die Mitarbeiterzahl in diesem Bereich stieg um die Hälfte auf rund 4.100. Das Verteidigungssegment bleibt dagegen vorerst außen vor: Große Chancen aus geplanten Bundeswehr-Vergabeverfahren sind nicht Teil der laufenden Jahresplanung, da die entsprechenden Verfahren erst 2027 starten und bis 2029 laufen sollen.
Bilanz gestärkt, operative Margen noch unter Druck
Die im August abgeschlossene Kapitalerhöhung über 484 Millionen Euro hat die Bilanz spürbar verändert. Die Netto-Verschuldungsquote verbesserte sich auf minus 1,1, die Eigenkapitalquote liegt nach Unternehmensangaben über 40 Prozent. Der Streubesitz stieg auf rund 18 Prozent, die Familie Fuchs bleibt mit mehr als 60 Prozent Mehrheitsaktionärin.
Operativ zeigte sich im ersten Halbjahr ein gemischtes Bild: Während das bereinigte EBITDA um 31 Prozent auf 60,4 Millionen Euro zulegte, blieben die Margen im Segment Access to Space wegen Ramp-up-Kosten und Neueinstellungen hinter den Erwartungen zurück.
Das Management rechnet hier mit einer Verbesserung im zweiten Halbjahr. Zusätzlich fielen einmalige Transaktionskosten von 21 Millionen Euro im Zusammenhang mit der Kapitalerhöhung an, während laufende Transformationskosten laut Unternehmen erst 2027 auslaufen sollen.
Mittelfristig hält OHB an ambitionierten Zielen fest: Bis 2028 soll die Gesamtleistung auf mehr als 4,0 Milliarden Euro steigen, die bereinigte EBITDA-Marge auf rund 13 Prozent. Die Guidance für das laufende Jahr – rund 1.400 Millionen Euro Gesamtleistung bei einer bereinigten EBITDA-Marge von 10,5 bis 11,0 Prozent – wurde bestätigt.
Raumfahrt-Rückschlag bei Tochter Rocket Factory Augsburg
Nicht alle Nachrichten fielen positiv aus: Der erste Testflug der Tochter Rocket Factory Augsburg verzögert sich erneut wegen Problemen an einem Tank. Die Rakete wurde von der Startrampe genommen und zur Inspektion gebracht. Ein neuer Termin wurde bislang nicht genannt.
Auf der Zulieferseite konnte OHB Italia im Juli einen Auftrag für die nächste Generation des PRISMA-Satelliten verbuchen. Zudem setzt das Argonaut-Mondlandeprojekt nach Unternehmensangaben auf Technologie von MDA Space für autonome Landungen. Beim europäischen Satellitenkommunikationsprogramm IRIS² ist OHB im mittleren Erdorbit-Segment mit 18 Satelliten engagiert; die Europäische Kommission strebt einen Verhandlungsabschluss in diesem Sommer an.
Für Anleger bleibt damit eine Aktie mit hoher Schwankungsbreite – die 30-Tage-Volatilität liegt bei 56 Prozent – deren kurzfristige Kursbewegungen zunehmend von der Frage getrieben werden, wie schnell sich die milliardenschwere Projektpipeline in feste Aufträge verwandelt.
OHB SE-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue OHB SE-Analyse vom 19. August liefert die Antwort:
Die neusten OHB SE-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für OHB SE-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 19. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
OHB SE: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
