Die Stabilisierungsmaßnahmen sind vorbei, der Ausgabepreis der Kapitalerhöhung längst gerissen: OHB SE steckt nach der größten Finanzierungsrunde ihrer Geschichte in einer schwierigen Kursphase. Am Freitag schloss die Aktie bei 240,00 Euro, ein Minus von 0,41 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Kursrückgang von 34,60 Prozent zu Buche – eine direkte Folge des Bezugspreises von 300,00 Euro, zu dem im Juli neue Aktien ausgegeben wurden. Zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt der Abstand nur noch 0,31 Prozent, die Aktie notiert damit fast exakt auf dieser langfristigen Trendlinie.
Kapitalerhöhung bringt 484 Millionen Euro
Am 9. Juli meldete OHB den Abschluss der Kapitalerhöhung gegen Bareinlagen, mit der das Unternehmen brutto rund 484 Millionen Euro einnahm. Grundlage war die Ausgabe von 1.702.480 neuen Aktien zum Bezugspreis von 300,00 Euro, beschlossen hatte der Vorstand die Maßnahme bereits am 22. Juni unter teilweiser Ausnutzung des Genehmigten Kapitals 2025. Die finalen Platzierungsergebnisse folgten am 12. Juli: 94,30 Prozent der neuen Aktien fanden bei institutionellen Investoren Abnehmer. Parallel dazu platzierte der Großaktionär Orchid Lux HoldCo S.à r.l., eine Gesellschaft von KKR, zusätzlich 1.394.612 bestehende Aktien aus eigenem Bestand zum selben Preis von 300,00 Euro.
Durch den Teilverkauf reduziert KKR seine Beteiligung an OHB, während der Streubesitz der Aktie planmäßig auf über 20 Prozent steigt. Die Familie Fuchs bleibt mit weiterhin über 60 Prozent der Anteile klar dominierender Ankeraktionär. Am 24. Juli, also am vergangenen Freitag, endeten schließlich die begleitenden Stabilisierungsmaßnahmen von J.P. Morgan SE – ein Umstand, der Marktbeobachtern zufolge zur jüngsten Kursschwäche beigetragen haben dürfte, da der bislang stützende Käufer wegfällt.
Politische Rückendeckung für Raumfahrtambitionen
Während die Finanzseite belastet, liefert das operative Umfeld positive Signale. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius besuchte OHB am 14. Juli am Standort Bremen und sprach dort über strategische Souveränität im All sowie Investitionen in Satellitenaufklärung. Am Freitag folgte eine weitere Wortmeldung: Pistorius stellte Pläne für einen nationalen Startplatz für Trägerraketen in Aussicht. OHB begrüßte in diesem Zusammenhang die Erweiterung des Offshore-Spaceport-Konzepts über die Nordsee hinaus.
Auch die Tochtergesellschaft Rocket Factory Augsburg treibt ihre Trägerraketen-Programme voran. Für den Erstflug der RFA ONE vom Weltraumbahnhof SaxaVord auf den Shetland-Inseln nannte das Unternehmen ein mögliches Startfenster ab dem 10. August. Zuvor hatte OHB bei einem Capital Markets Update im Juni bereits Pläne für die schwere Trägerrakete „RFA TWO“ mit einer Nutzlastkapazität von bis zu 35 Tonnen vorgestellt.
Rekordauftragsbestand trifft auf hohe Volatilität
Operativ zeigte sich OHB zuletzt in guter Verfassung. Im ersten Quartal stieg die Gesamtleistung um 15 Prozent auf 279,3 Millionen Euro, das EBITDA lag bei 25,7 Millionen Euro. Der Auftragsbestand erreichte mit 3,35 Milliarden Euro einen Rekordwert – gestützt unter anderem durch einen Auftrag der schwedischen Tochter über 248 Millionen Euro zum Bau von 20 Kleinsatelliten für die europäische EPS-Sterna-Konstellation.
Auf der Hauptversammlung am 8. Juni beschlossen die Aktionäre eine Dividende von 0,60 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2025 und genehmigten einen neuen Finanzierungsrahmen für Wandel- und Optionsanleihen von bis zu 1,2 Milliarden Euro. Damit hat sich OHB finanziellen Spielraum für weiteres Wachstum verschafft, auch wenn die frische Kapitalerhöhung die Aktionärsstruktur spürbar verändert hat.
Trotz des herben Kursrückgangs der vergangenen Wochen steht die Aktie seit Jahresbeginn mit einem Plus von 105,13 Prozent da – ein Hinweis darauf, wie stark der vorherige Höhenflug ausfiel, bevor die Kapitalerhöhung für Ernüchterung sorgte. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von über 80 Prozent unterstreicht, wie nervös der Handel mit dem Papier derzeit verläuft. Der Relative-Stärke-Index von 33,4 signalisiert nach automatisierten Marktbewertungen eine überverkaufte Situation. Anleger richten den Blick nun auf den 6. August, wenn OHB die Ergebnisse zum zweiten Quartal und den Halbjahresbericht 2026 vorlegt.
OHB SE-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue OHB SE-Analyse vom 26. Juli liefert die Antwort:
Die neusten OHB SE-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für OHB SE-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 26. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
OHB SE: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
