Drei Termine in weniger als zwei Monaten — für OHB verdichtet sich der Kalender erheblich. Hauptversammlung, ILA-Auftritt und ein beantragtes Startfenster für den ersten Testflug der Trägerrakete RFA ONE machen den Juni und Juli zu einer Bewährungsphase für die Bremer Raumfahrtgruppe.
RFA ONE: Erstflug für 1. Juli beantragt
Die Raketentochter Rocket Factory Augsburg hat ein konkretes Datum genannt: Für den 1. Juli beantragte das Unternehmen ein Startfenster für den Jungfernflug der RFA ONE. Die Rakete soll sieben Satelliten verschiedener Organisationen ins All bringen, koordiniert durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Das Fahrzeug befindet sich bereits in der Integrationshalle des schottischen Weltraumbahnhofs SaxaVord, Triebwerkstests der Helix-Motoren liefen zuletzt in Kiruna.
RFA ONE ist für Klein- und Mikrosatelliten bis 1.300 Kilogramm ausgelegt und soll polare sowie sonnensynchrone Umlaufbahnen bedienen. Die Roadmap dahinter ist ehrgeizig: Ab 2028 soll die Serienproduktion anlaufen, mittelfristig peilt Rocket Factory bis zu 25 Starts pro Jahr an.
Eine wichtige Einschränkung bleibt: OHB selbst weist darauf hin, dass erste Flüge neuer Startsysteme historisch in weniger als 30 Prozent der Fälle erfolgreich sind. Ein Fehlschlag beim Erststart wäre damit statistisch die wahrscheinlichere Variante. Hinzu kommt, dass RFA at equity konsolidiert wird — Raketenstarts tauchen also nicht direkt in der Konzern-Guidance auf. RFA bleibt vorerst eine Zusatzoption, kein Kerntreiber.
Operatives Fundament liefert Rückenwind
Das Kerngeschäft steht auf solidem Grund. Im ersten Quartal 2026 stieg die Gesamtleistung um 15 Prozent auf 279,3 Millionen Euro. Das bereinigte EBITDA legte um 37 Prozent auf 27,3 Millionen Euro zu, der Gewinn je Aktie kletterte auf 0,52 Euro.
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Der Auftragsbestand erreichte zum 31. März ein neues Allzeithoch von 3,35 Milliarden Euro — ein Plus von 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Segment Space Systems trägt mit 2,68 Milliarden Euro den Löwenanteil, gespeist von ESA-Programmen und wachsenden Verteidigungsbudgets. Für das Gesamtjahr 2026 peilt das Management eine Gesamtleistung von 1,4 Milliarden Euro an, mit einer bereinigten EBITDA-Marge von 11 Prozent.
Aktie weit unter Allzeithoch
Indes notiert die Aktie rund 40 Prozent unter ihrem Allzeithoch von 642 Euro, das erst am 21. Mai markiert wurde. Allein im laufenden Monat verlor der Kurs mehr als zwölf Prozent.
Den nächsten Katalysator liefert die virtuelle Hauptversammlung am 8. Juni, unmittelbar gefolgt von der ILA Berlin vom 10. bis 14. Juni, wo OHB neben Airbus, ArianeGroup und DLR vertreten ist. Ob der RFA-ONE-Erstflug am 1. Juli gelingt oder scheitert — er wird die Kapitalmarktstory von OHB nachhaltig prägen. Die Q2-Zahlen folgen am 6. August.
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