Fast 46 Prozent unter dem Allzeithoch und eine umstrittene Hauptversammlung — OHB SE steuert auf eine der dichtesten Wochen seiner Börsengeschichte zu. Im Hintergrund kursieren Spekulationen über eine mögliche Platzierung von Anteilen durch den Großaktionär KKR.
Hauptversammlung: Verwässerung im Blickpunkt
Am 8. Juni trifft sich die Hauptversammlung — rein virtuell. Auf der Tagesordnung steht ein brisanter Punkt: OHB will die Ermächtigung erhalten, bis 2031 Wandel- oder Optionsschuldverschreibungen sowie Genussrechte im Gesamtnennbetrag von bis zu 1,2 Milliarden Euro zu begeben. Flankierend soll ein Bedingtes Kapital entstehen, das 20 Prozent des aktuellen Grundkapitals entspricht.
Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) ruft bei vier Tagesordnungspunkten zur Gegenstimme auf. Bei den Vergütungsregeln fehle ein individueller Maximalbetrag je Vorstandsmitglied. Bei den Kapitalmaßnahmen kritisiert die DSW das Verwässerungsrisiko von bis zu 20 Prozent sowie den pauschalen Ausschluss des Bezugsrechts.
Mit einem Streubesitz von nur sechs Prozent wiegt diese Kritik schwer. Zur Abstimmung steht außerdem eine Dividende von 0,60 Euro je Aktie.
Was bestätigt ist – und was nicht
KKR ist Großaktionär der OHB SE und hält rund 29 Prozent. Ob, in welchem Umfang und bis wann der Investor Anteile abgeben könnte, ist offen und von keiner der beteiligten Parteien bestätigt. OHB hat öffentlich mitgeteilt, Finanzierungsoptionen zu prüfen, dabei nicht unter Zeitdruck zu stehen und noch keine Entscheidung getroffen zu haben. KKR hat sich zu einem etwaigen Verkauf nicht geäußert. Angaben zu einem Volumen, zu mandatierten Banken oder zu einer regulatorischen Frist am 30. Juni sind nicht belegt und werden hier nicht als Tatsache wiedergegeben.
ILA und operative Stärke
Vom 10. bis 14. Juni findet die ILA Berlin statt. OHB will dort neue Missionsverträge präsentieren — und hat operativen Rückenwind im Gepäck. Im ersten Quartal 2026 stieg die Gesamtleistung um 15 Prozent auf 279,3 Millionen Euro, das bereinigte EBIT legte um 63 Prozent auf 16,8 Millionen Euro zu. Der Auftragsbestand erreichte zum 31. März mit 3,35 Milliarden Euro ein Allzeithoch, getragen vom Segment Space Systems mit 2,68 Milliarden Euro.
Für das Gesamtjahr plant OHB eine Gesamtleistung von 1,4 Milliarden Euro, 2027 sollen 1,7 Milliarden folgen, 2028 mehr als 2,0 Milliarden — bei einer angestrebten EBITDA-Marge von 11 Prozent.
Raketentochter als Joker
Anfang Juli könnte ein weiterer Impulsgeber hinzukommen. Die Raketentochter Rocket Factory Augsburg hat für den 1. Juli ein Startfenster für den Jungfernflug der RFA ONE beantragt. Das Fahrzeug befindet sich bereits in der Integrationshalle des schottischen Weltraumbahnhofs SaxaVord. OHB selbst dämpft die Erwartungen: Erste Flüge neuer Startsysteme gelingen historisch in weniger als 30 Prozent der Fälle.
Die Aktie notiert mit 372,50 Euro knapp fünf Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt bei 354,71 Euro. Auf Jahressicht steht trotz des jüngsten Rücksetzers noch immer ein Plus von rund 207 Prozent zu Buche.
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