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OHB: KKR muss 29-Prozent-Paket bis 30. Juni platzieren

OHB SE steht vor einer Schlüsselwoche: Hauptversammlung, KKR-Aktienplatzierung und ILA-Messeauftritt prägen die Kursentwicklung.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Hauptversammlung am 8. Juni virtuell
  • KKR muss Aktien bis 30. Juni platzieren
  • Auftragsbestand erreicht Rekordhoch
  • Raketentochter RFA vor Jungfernflug

Fast 46 Prozent unter dem Allzeithoch, eine aufgeschobene Milliardenplatzierung und eine umstrittene Hauptversammlung — OHB SE steuert auf eine der dichtesten Wochen seiner Börsengeschichte zu. Innerhalb von vier Wochen entscheidet sich, ob der Raumfahrtkonzern die jüngste Kursschwäche hinter sich lässt oder weiter unter Druck bleibt.

Hauptversammlung: Verwässerung im Blickpunkt

Am 8. Juni trifft sich die Hauptversammlung — rein virtuell. Auf der Tagesordnung steht ein brisanter Punkt: OHB will die Ermächtigung erhalten, bis 2031 Wandel- oder Optionsschuldverschreibungen sowie Genussrechte im Gesamtnennbetrag von bis zu 1,2 Milliarden Euro zu begeben. Flankierend soll ein Bedingtes Kapital entstehen, das 20 Prozent des aktuellen Grundkapitals entspricht.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) ruft bei vier Tagesordnungspunkten zur Gegenstimme auf. Bei den Vergütungsregeln fehle ein individueller Maximalbetrag je Vorstandsmitglied — ein Verstoß gegen den Corporate Governance Kodex. Bei den Kapitalmaßnahmen kritisiert die DSW das Verwässerungsrisiko von bis zu 20 Prozent sowie den pauschalen Ausschluss des Bezugsrechts, der Altaktionäre strukturell benachteilige.

Mit einem Streubesitz von nur sechs Prozent wiegt diese Kritik schwer. Freie Aktionäre haben kaum Hebel, um Entscheidungen zu kippen. Zur Abstimmung steht außerdem eine Dividende von 0,60 Euro je Aktie.

KKR unter Zeitdruck

Parallel läuft eine Uhr. KKR hält rund 29 Prozent an OHB und muss etwa 20 Prozentpunkte davon bis spätestens 30. Juni platzieren — andernfalls verfallen regulatorische Fristen. Eigentlich sollte der Verkauf am 12. Juni starten. Dann kam der angekündigte SpaceX-Börsengang. Ein IPO dieser Größenordnung bindet Kapital und Bankenkapazitäten; KKR legte die Platzierung daraufhin auf Eis.

Sieben Banken begleiten die Transaktion, darunter Deutsche Bank, Goldman Sachs, JPMorgan, Berenberg und UniCredit. Gelingt die Platzierung noch im Juni, könnte der Streubesitz auf rund 26 Prozent steigen — was die extreme Volatilität von derzeit annualisiert über 140 Prozent strukturell dämpfen würde.

ILA und operative Stärke

Vom 10. bis 14. Juni findet die ILA Berlin statt. OHB will dort neue Missionsverträge präsentieren — und hat operative Rückenwind im Gepäck. Im ersten Quartal 2026 stieg die Gesamtleistung um 15 Prozent auf 279,3 Millionen Euro, das bereinigte EBIT legte um 63 Prozent auf 16,8 Millionen Euro zu. Der Auftragsbestand erreichte zum 31. März mit 3,35 Milliarden Euro ein Allzeithoch, getragen vom Segment Space Systems mit 2,68 Milliarden Euro.

Für das Gesamtjahr plant OHB eine Gesamtleistung von 1,4 Milliarden Euro, 2027 sollen 1,7 Milliarden folgen, 2028 mehr als 2,0 Milliarden — bei einer angestrebten EBITDA-Marge von 11 Prozent.

Raketentochter als Joker

Anfang Juli könnte ein weiterer Impulsgeber hinzukommen. Die Raketentochter Rocket Factory Augsburg hat für den 1. Juli ein Startfenster für den Jungfernflug der RFA ONE beantragt. Das Fahrzeug befindet sich bereits in der Integrationshalle des schottischen Weltraumbahnhofs SaxaVord. Ein erfolgreicher Start würde OHB im Bereich „Access to Space“ neu positionieren und die Abhängigkeit von Fremdraketen beim Kleinsatelliten-Geschäft reduzieren. OHB selbst dämpft die Erwartungen: Erste Flüge neuer Startsysteme gelingen historisch in weniger als 30 Prozent der Fälle.

Die Aktie notiert mit 372,50 Euro noch knapp fünf Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt bei 354,71 Euro — ein Niveau, das in den kommenden Wochen zum entscheidenden Haltepunkt werden könnte. Auf Jahressicht steht trotz des jüngsten Rücksetzers noch immer ein Plus von rund 207 Prozent zu Buche.

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