Die ILA Berlin 2026 war für OHB mehr als eine Messe. Der Bremer Raumfahrtkonzern verließ die Schau mit zwei neuen Verteidigungsverträgen, einem eingetragenen Joint Venture und einem Raketenstartfenster für Juli — alles innerhalb weniger Tage.
Rheinmetall-JV eingetragen, Milliardenauftrag im Visier
Am 11. Juni wurde die OHB Rheinmetall Space Networks GmbH ins Bremer Handelsregister eingetragen. Das 50-50-Joint-Venture ist das Herzstück des SATCOMBw-4-Programms — einer geschützten Kommunikationsarchitektur für die Bundeswehr mit Satelliten, Bodenstationen und einem Cyber Operations Center.
Das Programm gilt als größtes Weltraumprojekt in der Geschichte der Bundesrepublik. Das Weltraumkommando nennt einen Kostenrahmen von 8 bis 10 Milliarden Euro. OHB baut das Weltraumsegment, Rheinmetall liefert das Bodensegment. Die Geschäftsführung teilen sich Dennis Winkelmann, ein Raumfahrtveteran mit 25 Jahren Erfahrung, und Alexander Beyer, ein früherer Bundeswehroffizier.
Hinzu kommt eine Führungsrolle beim Aufklärungssatellitensystem SPOCK 2. OHB entwickelt das System gleichberechtigt mit Airbus und Rheinmetall — zwei der größten Rüstungskonzerne Europas.
RFA ONE: Startfenster beantragt, Risiken benannt
Parallel rückt der Erstflug der OHB-Tochter Rocket Factory Augsburg näher. Für den 1. Juli hat RFA ein Startfenster für die Trägerrakete RFA ONE beantragt. Sieben Satelliten sollen an Bord sein. Die Rakete steht bereits in der Integrationshalle des schottischen Weltraumbahnhofs SaxaVord.
OHB selbst dämpft die Erwartungen: Weniger als 30 Prozent aller Erstflüge neuer Startsysteme sind erfolgreich. Ein Fehlschlag wäre statistisch wahrscheinlicher als ein Erfolg. Ferner konsolidiert OHB die RFA-Beteiligung nur at equity — Raketenstarts schlagen deshalb nicht direkt auf den Konzernumsatz durch. Ein gelungener Erstflug hätte dennoch Signalwirkung für die Kapitalmarktstory.
Solide Zahlen als Fundament
Das operative Fundament stimmt. Im ersten Quartal 2026 erzielte OHB eine Gesamtleistung von 279,3 Millionen Euro — ein Plus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das bereinigte EBIT stieg von 10,3 auf 16,8 Millionen Euro.
Der Auftragsbestand kletterte auf 3,354 Milliarden Euro, nach 2,314 Milliarden Euro im Vorjahr. Das Segment Space Systems trägt davon 2,683 Milliarden Euro.
Die Aktie legte in der abgelaufenen Woche um knapp 10 Prozent zu und schloss bei 409,00 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 237 Prozent zu Buche — einer der stärksten Kursläufe im deutschen Rüstungs- und Raumfahrtsegment.
Drei offene Punkte für die kommende Woche
Für die Woche ab dem 15. Juni stehen drei Themen an. Erstens: Ein KKR-Platzierungsversuch am 12. Juni scheiterte. Die Frist läuft bis Ende Juni. Berenberg und die Commerzbank stoßen neu zum Bankenkonsortium hinzu, insgesamt begleiten sieben Institute den Verkauf.
Zweitens steht auf den Shetlandinseln noch ein finaler Heißbrandtest der RFA ONE aus. Drittens beginnt die operative Integration des SATCOMBw-JV. OHB-Vorstandsmitglied Sabine von der Recke formulierte auf der ILA den Zeitdruck klar: In drei Jahren sollen die ersten Satelliten im Orbit sein.
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