OHB SE hat binnen weniger Wochen zwei große Baustellen parallel bearbeitet: die Aktie hinter sich eine milliardenschwere Kapitalerhöhung, und gleichzeitig vertieft der Bremer Raumfahrtkonzern seine technologische und politische Vernetzung. Jüngster Baustein ist eine strategische Partnerschaft mit Schwarz Digits, der IT-Sparte der Schwarz Gruppe, die Künstliche Intelligenz in die Satellitenfertigung bringen soll. Ziel ist laut Unternehmensangaben, die Produktionseffizienz zu steigern und Entwicklungszyklen im sogenannten New-Space-Markt zu verkürzen.
Kapitalerhöhung belastet den Kurs
Die eigentliche Zäsur der vergangenen Wochen war finanzieller Natur. Der Vorstand hatte Ende Juni unter teilweiser Ausnutzung des Genehmigten Kapitals 2025 eine Kapitalerhöhung beschlossen. Bemerkenswert dabei: Die Großaktionäre, die Familie Fuchs sowie Orchid Lux HoldCo S.à r.l., eine Gesellschaft aus dem Umfeld von KKR, verzichteten bewusst auf ihre Bezugsrechte, um den Streubesitz der Aktie zu vergrößern. Bei der Bekanntgabe der Bezugsangebot-Ergebnisse Anfang Juli zeigte sich, dass Aktionäre Bezugsrechte lediglich für 7.635 neue Aktien ausübten, wie die Nachrichtenagentur dpa-AFX berichtete. Der Löwenanteil, 1.605.388 Aktien aus der ersten Tranche, war bereits vorab per Privatplatzierung an internationale Investoren gegangen.
Mit der Eintragung der zweiten Tranche ins Handelsregister am 10. Juli war die Transaktion abgeschlossen: Insgesamt 1.702.480 neue Aktien zum Preis von 300 Euro je Stück brachten OHB brutto rund 484 Millionen Euro ein. Um die Kursschwankungen im Anschluss an die Platzierung zu dämpfen, begann J.P. Morgan SE Anfang Juli mit aktiven Stabilisierungstransaktionen an der Börse Xetra, Medienberichten zufolge im Preisband zwischen 261,50 und 300,00 Euro. Diese Stützungsphase soll voraussichtlich am 24. Juli enden.
Am Kursverlauf lässt sich das Ausmaß der Verwässerung und der Marktreaktion ablesen: Die Aktie schloss am Montag bei 243,00 Euro und notiert damit klar unter dem Bezugspreis von 300 Euro. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 8,82 Prozent zu Buche, nachdem der Titel zuvor binnen eines Monats deutlich stärker verloren hatte. Zum 200-Tage-Durchschnitt hält sich das Papier mit einem Abstand von 2,03 Prozent dagegen noch knapp darüber – ein Hinweis darauf, dass der langfristige Trend trotz der jüngsten Turbulenzen nicht gebrochen ist.
Politischer und institutioneller Rückenwind
Während die Kapitalmarktseite für Bewegung sorgte, verdichteten sich zugleich die strategischen Partnerschaften. Am 18. Juli besuchte ESA-Direktor Laurent Jaffart das OHB-Hauptquartier in Bremen und bekräftigte die Zusammenarbeit bei den Programmen Galileo und IRIS² sowie im Bereich Quantenkommunikation. Wenige Tage zuvor, am 14. Juli, war Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius am selben Standort zu Gast, um sich über laufende Satellitenprogramme zu informieren. OHB-Vorstandsvorsitzender Marco Fuchs nutzte den Termin, um auf einen Investitionsbedarf von 35 Milliarden Euro für militärische Weltraumfähigkeiten hinzuweisen.
Auch im Rüstungsumfeld baut OHB Brücken: Gemeinsam mit Rheinmetall richtete das Unternehmen Ende Juni einen „SME and Start-up Day“ aus, um das deutsche Raumfahrt-Ökosystem für das geplante Satellitenkommunikationssystem SATCOMBw 4 der Bundeswehr zu vernetzen. Parallel dazu treibt OHB seine Pläne für flexible Startmöglichkeiten voran: Zu den bereits geprüften mobilen Startplattformen in der Nordsee sollen künftig auch Optionen im Atlantik und in Äquatornähe für schwere Nutzlasten hinzukommen.
Blick nach vorn
Anleger richten den Blick nun auf den 6. August, wenn OHB den Bericht zum zweiten Quartal 2026 samt Earnings Presentation veröffentlicht. Dort dürfte sich zeigen, wie sich die frischen Mittel aus der Kapitalerhöhung in der operativen Entwicklung niederschlagen. Im September folgt mit der Teilnahme an der Berenberg & Goldman Sachs German Corporate Conference am 21. September ein weiterer Termin, bei dem sich das Management institutionellen Investoren präsentieren wird.
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