Volle Auftragsbücher, aber ein massiver Kursrutsch auf dem Parkett: Bei OHB klaffen operative Realität und Börsenstimmung derzeit weit auseinander. Die OHB SE Aktie verliert am Dienstag knapp zehn Prozent an Wert. Der Kurs fällt auf 377,00 Euro. Ein Auslöser für den Abschlag ist der heutige Ex-Dividendentag. Gestern hat die Hauptversammlung eine Ausschüttung von 0,60 Euro je Aktie beschlossen.
Trotz des Tagesverlusts glänzt die Jahresbilanz. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von satten 210 Prozent auf der Anzeigetafel. Die extreme Volatilität der Papiere hat strukturelle Gründe. Aktuell befinden sich nur rund sechs Prozent der Aktien im Streubesitz.
Frisches Kapital und enger Markt
Das könnte sich bald ändern. Eine geplante Platzierung von KKR-Aktien soll den freien Handel bis Ende Juni deutlich ausweiten. Der Streubesitz könnte auf 26 Prozent steigen. Die Hauptversammlung genehmigte außerdem weitreichende Kapitalmaßnahmen. Der Vorstand darf neue Instrumente im Wert von bis zu 1,2 Milliarden Euro ausgeben.
Operativ blickt das Bremer Raumfahrtunternehmen auf volle Auftragsbücher. Zur ILA Berlin ab dem 10. Juni will OHB neue Missionsverträge präsentieren. Der Auftragsbestand erreichte im Frühjahr ein Rekordhoch von 3,35 Milliarden Euro. Das entspricht einem kräftigen Zuwachs gegenüber dem Vorjahr.
ESA-Millionen und Raketen-Premiere
Ein konkretes Projekt läuft bereits in Mailand. Dort montiert OHB Italia die RAMSES-Sonde für eine gemeinsame Mission von ESA und JAXA. Der Vertrag spült rund 81 Millionen Euro in die Kasse. Die Sonde soll im Frühjahr 2028 ins All starten.
Spannend wird es bei der Tochtergesellschaft Rocket Factory Augsburg. Die Raketenbauer haben für den 1. Juli das erste Startfenster der neuen Trägerrakete RFA ONE beantragt. Sieben Satelliten reisen beim Erstflug mit. OHB dämpft allerdings die Erwartungen.
Historisch gesehen scheitern die meisten Erstflüge neuer Startsysteme. Die Folge: Ein Fehlschlag ist statistisch wahrscheinlich. Die langfristigen finanziellen Ziele des Konzerns bleiben davon unberührt. Für das Jahr 2028 peilt das Management einen Umsatz von über 2,0 Milliarden Euro an. Die operative Marge soll dann bei elf Prozent liegen.
Die extremen Kursschwankungen dürften den Handel vorerst weiter prägen. Erst eine erfolgreiche KKR-Platzierung bringt mehr Ruhe in das enge Marktumfeld.
