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Ölschock zwingt RBA zur Zinswende

Die australische Notenbank stemmt sich mit der dritten Zinserhöhung gegen die durch den Nahostkonflikt befeuerte Teuerung.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Leitzins steigt auf 4,35 Prozent
  • Brent-Öl über 110 Dollar je Barrel
  • Westpac erhöht Risikovorsorge deutlich
  • Wirtschaftswachstum sinkt auf 1,3 Prozent

Der Nahostkonflikt hat die globalen Finanzmärkte fest im Griff. Während US-Präsident Trump mit „Project Freedom“ versucht, Schiffe durch die blockierte Straße von Hormuz zu schleusen, kämpfen Zentralbanken auf der anderen Seite der Welt mit den wirtschaftlichen Folgen — allen voran die Reserve Bank of Australia.

Dritte Zinserhöhung in Folge

Die australische Zentralbank (RBA) hat am Dienstag ihren Leitzins zum dritten Mal in diesem Jahr angehoben — um 25 Basispunkte auf 4,35 Prozent. Damit hat sie alle drei Zinssenkungen aus dem Jahr 2025 rückgängig gemacht. Das Votum fiel mit 8:1 deutlich aus, eine klare Verschiebung gegenüber dem knappen 5:4-Ergebnis vom März.

Der Hintergrund ist eindeutig: Die Schließung der Straße von Hormuz, die rund 20 Prozent der weltweiten Ölströme passieren, hat Brent-Rohöl auf über 110 Dollar je Barrel getrieben — mehr als 50 Prozent über dem Niveau vor Kriegsbeginn Ende Februar. Australische Inflationsdaten für März zeigten einen Anstieg auf 4,6 Prozent, weit oberhalb des RBA-Zielbands von 2 bis 3 Prozent.

„Höhere Treibstoffpreise befeuern die Inflation, und es gibt Hinweise, dass dies Zweitrundeneffekte auf die Preise für Güter und Dienstleistungen haben dürfte“, erklärte die Notenbank in ihrer Erklärung.

Wachstum unter Druck, Inflation hartnäckig

Die RBA hat ihre Prognosen drastisch angepasst. Die Inflation soll bis zum zweiten Quartal auf knapp 5 Prozent klettern. Gleichzeitig erwartet die Notenbank, dass das Wirtschaftswachstum bis Jahresende auf magere 1,3 Prozent sinkt — deutlich unter dem Trendwachstum. Die Arbeitslosigkeit könnte bis auf 4,7 Prozent steigen.

Besonders beunruhigend ist das Szenario, das die RBA für den Fall einer anhaltenden Hormuz-Blockade bis ins erste Quartal 2027 durchgespielt hat. Bei Brent-Preisen von 145 Dollar je Barrel könnte das BIP um weitere 0,5 bis 0,8 Prozent schrumpfen, die Arbeitslosigkeit auf 5,1 Prozent steigen.

Gouverneurin Michele Bullock betonte dennoch, die Geldpolitik sei nun „leicht restriktiv“ — was als Signal gedeutet wird, dass eine Pause folgen könnte. Sally Auld, Chefvolkswirtin der National Australia Bank, sieht das pragmatisch: „Für jetzt erwarten wir die RBA auf Halten bei 4,35 Prozent.“ Die Märkte preisen allerdings bereits eine über 80-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine weitere Erhöhung bis August ein.

Westpac spürt den Gegenwind

Die Konsequenzen des Energieschocks zeigen sich auch in australischen Unternehmensbilanzen. Westpac, Australiens zweitgrößter Hypothekenfinanzierer, verfehlte mit einem Nettogewinn von 3,41 Milliarden australischen Dollar im ersten Halbjahr die Konsenserwartung von 3,47 Milliarden. Besonders ins Gewicht fiel eine Risikovorsorge von 443 Millionen Dollar — fast doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum.

„Der Krieg im Nahen Osten stellt einige Kunden vor Herausforderungen, und die wirtschaftlichen Auswirkungen werden sich durch das gesamte Jahr ziehen“, erklärte Westpac-Chef Anthony Miller. Die Bank habe bewusst einen „umsichtigen Ansatz“ bei der Risikovorsorge gewählt, auch wenn die Gesamtkreditqualität stabil geblieben sei.

Hormuz-Krise und globale Marktreaktionen

Trumps „Project Freedom“ sollte Schiffe durch die Straße von Hormuz begleiten — mit ernüchterndem Ergebnis. Zwar verließ Maersks US-geflaggter Fahrzeugtransporter Alliance Fairfax den Golf unter militärischer Eskorte, doch mehrere Handelsschiffe meldeten Explosionen oder Brände. Die USA vernichteten nach eigenen Angaben sechs kleine iranische Militärboote, während iranische Raketen einen Ölhafen in den Vereinigten Arabischen Emiraten in Brand setzten.

„Wir starteten mit der Hoffnung, dass Operation ‚Project Freedom‘ ein Erfolg wäre“, sagte Tony Sycamore, Marktanalyst bei IG. „Aber die Iraner bissen nicht an. Das zeigt deutlich, dass der Stillstand anhält.“

Brent-Rohöl gab zwar bis zu 1,3 Prozent nach auf rund 113 Dollar, bleibt aber auf einem historisch erhöhten Niveau. „Märkte könnten heute etwas Erleichterung finden, aber angesichts der wiederholten Verlängerungen der prognostizierten Zeitlinien für ein Kriegsende dürften sie Trumps Aussagen mit erheblicher Skepsis betrachten“, warnte Warren Patterson, Rohstoffstratege bei ING.

Yen, Gold und das globale Bild

Im Devisenmarkt bleibt der Yen ein Nervenzentrum. Bei 157,26 pro Dollar ist die japanische Währung weit von ihren Hochs entfernt, nachdem Tokyo vergangene Woche mit geschätzten 35 Milliarden Dollar interveniert haben soll. RBC-Stratege Abbas Keshvani sieht die Marke von 160 als kritische Schwelle: Werde sie getestet, könnte Japan erneut eingreifen. Nachhaltige Yen-Stärke sei davon aber nicht zu erwarten — „die Intervention wirkt eher als Deckel als als Katalysator“.

Gold profitiert vom Sicherheitsbedürfnis der Anleger und notierte bei rund 4.553 Dollar je Unze. Etwas Stabilität bietet die laufende US-Berichtssaison: 83 Prozent der bisher berichtenden S&P-500-Unternehmen übertrafen die Gewinnschätzungen, das Gewinnwachstum für den Index wird inzwischen auf über 18 Prozent im ersten Quartal taxiert — deutlich mehr als die ursprünglich erwarteten 12,8 Prozent.

Ob die starken Unternehmensgewinne ausreichen, um die geopolitischen Risiken langfristig zu überwiegen, bleibt die entscheidende Frage. Der Schlüssel liegt in der Straße von Hormuz — solange sie blockiert bleibt, sind Zinserhöhungen, Wachstumssorgen und Marktturbulenzen wohl erst der Anfang.

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

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