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Ölschock zwingt Märkte in die Knie

Steigende Ölpreise durch den Iran-Krieg treiben Inflation und bremsen das Wirtschaftswachstum weltweit. Zentralbanken reagieren unterschiedlich.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • RBI belässt Leitzins bei 5,25 Prozent
  • EZB bereitet Zinserhöhung vor
  • Yen fällt auf 160 pro Dollar
  • Broadcom verfehlt Umsatzerwartungen knapp

Der Iran-Krieg hat die Weltwirtschaft fest im Griff. Steigende Ölpreise, nervöse Zentralbanken und ein Technologiesektor im Stimmungstief — das globale Finanzgefüge steht unter Druck, und die Risse werden täglich sichtbarer.

Zentralbanken zwischen Inflation und Wachstumsangst

Die Reserve Bank of India lieferte am Freitag ein Lehrstück in geldpolitischer Vorsicht: Der Leitzins bleibt unverändert bei 5,25 Prozent, obwohl der Inflationsdruck wächst und die Rupie auf Rekordtiefs gefallen ist. RBI-Gouverneur Sanjay Malhotra begründete die Entscheidung mit dem Bedarf an „größerer Klarheit“ über die Kriegsfolgen. Alle sechs Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses stimmten für ein Halten.

Die Folgen des Ölschocks sind in den neuen Prognosen abzulesen: Die Inflationserwartung für das laufende Fiskaljahr stieg von 4,6 auf 5,1 Prozent, das Wachstumsziel wurde von 6,9 auf 6,6 Prozent gesenkt. Indien importiert über 80 Prozent seines Öls — ein Großteil davon aus dem Nahen Osten. Das macht die Volkswirtschaft besonders anfällig für die Verwerfungen rund um die Straße von Hormus.

Auf der anderen Seite des eurasischen Kontinents bereitet sich die Europäische Zentralbank auf den gegenteiligen Schritt vor. Sie dürfte nächste Woche als erste der großen Zentralbanken die Leitzinsen anheben. Die Inflation in der Eurozone stieg im Mai auf 3,2 Prozent — und erstmals seit Kriegsbeginn zogen auch Dienstleistungs- und Kerninflation an. Für Analysten ist das ein Warnsignal: Preisdruck könnte sich in der Breite der Wirtschaft festsetzen.

„Zwei Zinserhöhungen dürften ausreichen, um die Glaubwürdigkeit der EZB zu stärken, ohne die Wirtschaft über das durch die höheren Energiepreise ohnehin belastete Maß hinaus abzubremsen“, sagte UBS-Chefökonom Reinhard Cluse. Märkte preisen nach derzeitigem Stand einen weiteren Schritt im September ein — doch das hängt entscheidend davon ab, wie lange der Konflikt andauert.

Der Yen am Abgrund, der Dollar obenauf

Währungen offenbaren in Krisenzeiten besonders deutlich, wer die Verlierer sind. Der japanische Yen testete am Freitag bereits zum dritten Mal in Folge die psychologisch bedeutsame Marke von 160 Yen je Dollar. Trotz verbaler Warnungen von Finanzminister Satsuki Katayama, der „entschlossenes Handeln“ gegen übermäßige Volatilität ankündigte, hält der Abwärtsdruck an.

Japan hat im vergangenen Monat rund 73 Milliarden Dollar für Deviseninterventionen eingesetzt — ohne nachhaltigen Effekt. Der Yen steuert auf die vierte Verlustwoche in Folge zu. Erhöhte Energiepreise, robuste US-Konjunkturdaten und steigende Anleiherenditen bilden ein Gegenwind-Trio, das selbst milliardenschwere Interventionen aufzureiben droht.

Dabei liefert die japanische Wirtschaft durchaus positive Signale: Die Reallöhne stiegen im April um 1,9 Prozent — das vierte Monatswachstum in Folge. Nominallöhne wuchsen mit 3,5 Prozent so stark wie zuletzt Ende 2024, und erstmals seit über 34 Jahren lagen drei aufeinanderfolgende Monate über der Drei-Prozent-Marke. Das sind genau die Bedingungen, die die Bank of Japan für eine weitere Zinserhöhung voraussetzt — ein Schritt, den Insider für die Sitzung am 15. und 16. Juni für wahrscheinlich halten, sofern keine dramatische Eskalation im Nahen Osten dazwischenkommt.

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US-Arbeitsmarkt hält durch — vorerst

In den USA zeigt der Arbeitsmarkt bislang eine erstaunliche Widerstandsfähigkeit. Ökonomen erwarteten für Mai einen Zuwachs von rund 85.000 Stellen — nach 115.000 im April und 185.000 im März. Eine klare Verlangsamung, aber kein Einbruch. Niedrige Entlassungsraten halten den Markt in einer Art „Slow-hire, slow-fire“-Gleichgewicht, das der US-Notenbank Federal Reserve Spielraum lässt, die Zinsen vorerst unverändert im Bereich von 3,50 bis 3,75 Prozent zu belassen.

Rückerstattungen aus Strafzöllen und Steuererleichterungen haben die Unternehmensgewinne gestützt und großflächige Entlassungen bisher verhindert. „Die Stabilität wird anhalten, aber auf eine starke Erholung würde ich nicht wetten“, fasste Stephen Douglass, Chefökonom bei NISA Investment Advisors, die Lage zusammen. Das Risiko einer langsam steigenden Arbeitslosenquote bleibt real.

Technologiestimmung trübt sich ein

Während Zentralbanker Krisenmanagement betreiben, bekommt ein weiteres Narrativ Risse: der KI-getriebene Börsenboom. Der US-Chiphersteller Broadcom verfehlte die Umsatzerwartungen für das zweite Quartal nur knapp — 22,19 Milliarden statt erwarteter 22,27 Milliarden Dollar — und schickte damit südkoreanische Technikwerte auf Talfahrt. Samsung und SK Hynix brachen deutlich ein, der KOSPI steuert auf ein wöchentliches Minus von drei Prozent zu.

„Die KI-getriebene Aktienrally zeigt Ermüdungserscheinungen“, kommentierte Bob Savage von BNY. Passend dazu warnte Japans Digitalminister Hisashi Matsumoto am Freitag, sein Land könnte zur „KI-Kolonie“ werden, falls es technologisch den Anschluss verliere. Japan hat deswegen ein Gesetz auf den Weg gebracht, das KI-Entwicklern den Zugang zu sensiblen Daten — darunter Gesundheits- und Strafregisterdaten — ohne individuelle Einwilligung erlauben soll. Ein Schritt, der politisch umstritten ist, aber die Dringlichkeit hinter dem globalen KI-Wettrennen illustriert.

Partners Group: Wenn Vertrauen bricht

Besonders dramatisch spielte sich die Krise dieser Woche beim Schweizer Vermögensverwalter Partners Group ab. Das Unternehmen stoppte Auszahlungen bei einem 8,6 Milliarden Dollar schweren Private-Equity-Fonds — und sieht sich nun mit dem Vorwurf konfrontiert, Investments überbewertet zu haben. Die Aktie verlor zeitweise 18 Prozent, der schwerste Einbruch der Unternehmensgeschichte.

Vontobel-Analyst Andreas Venditti brachte es auf den Punkt: „Der Markt hat entschieden, dass das langfristige Wachstumspotenzial von Partners Group beschädigt ist.“ Leerverkäufer hatten die Schwachstellen bereits im April öffentlich benannt — die Reaktion des Unternehmens, rechtliche Schritte anzukündigen, konnte den Vertrauensverlust nicht stoppen.

Das Bild, das sich am 5. Juni 2026 ergibt, ist eines globaler Anspannung: ein Ölkonflikt, der Inflation befeuert und Wachstum bremst, Zentralbanken, die in verschiedene Richtungen reagieren, und Märkte, die spüren, dass der leichte Teil des Aufschwungs vorbei sein könnte.

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Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.