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Ölschock trifft Bankbilanzen: Der Beweis für Warshs Zinswette steht an

Geopolitische Spannungen treiben Ölpreis, während US-Großbanken ihre Quartalszahlen vorlegen. Der CPI-Bericht wird zum Gradmesser für die Fed-Politik.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Trump droht mit 20-Prozent-Maut in Hormus
  • Brent-Rohöl steigt auf Vier-Wochen-Hoch
  • JPMorgan & Co. legen Q2-Bilanzen vor
  • CPI-Daten entscheiden über Fed-Zinswende

Ölschock trifft Bankbilanzen: Der Beweis für Warshs Zinswette steht an

Liebe Leserinnen und Leser,

30 Millionen Dollar. So viel würde ein Supertanker künftig zahlen müssen, um ungehindert durch die Straße von Hormus zu fahren – wenn es nach Donald Trump geht, der am Montag eine 20-Prozent-Maut auf alle Frachten durch die Meerenge forderte. Zum Vergleich: Iran selbst hatte zuvor bis zu zwei Millionen Dollar pro Durchfahrt verlangt. Die Drohung markiert die nächste Eskalationsstufe in einem Konflikt, der die Ölmärkte längst im Griff hat – und sie trifft auf einen Dienstag, der ohnehin schon vollgepackt ist: JPMorgan, Bank of America, Citigroup, Wells Fargo und Goldman Sachs legen ihre Q2-Zahlen vor, während um 14:30 Uhr MESZ der Juni-CPI-Bericht zeigt, ob Fed-Chef Kevin Warsh mit seinem restriktiven Kurs richtigliegt. Vier Handelstage, in denen aus der abstrakten Fed-EZB-Divergenz plötzlich handfeste Bilanzrealität wurde.

Hormus: Blockade-Drohung und Rekord-Ölpreis

Über das Wochenende flog das US-Militär eine dritte Angriffswelle gegen iranische Ziele, Iran revanchierte sich mit Angriffen auf zwei Tanker vor den Vereinigten Arabischen Emiraten – ein Toter, acht Verletzte – sowie auf Ziele in Bahrain, Kuwait, Katar und Oman. Am Montag kündigte Trump dann die Wiedereinsetzung einer Seeblockade gegen iranische Schiffe an, verbunden mit der erwähnten Maut-Forderung. Die Reaktion an den Rohstoffmärkten fiel entsprechend heftig aus: Brent-Rohöl sprang am Montag um bis zu 9,6 Prozent auf knapp 83 Dollar, WTI zog um 9,4 Prozent auf rund 78 bis 80 Dollar an. Am Dienstagmorgen notierte Brent bei knapp 85 Dollar – ein Vier-Wochen-Hoch –, WTI bei rund 79,78 Dollar.

Der Schiffsverkehr durch die Meerenge liefert das eigentliche Warnsignal: Nur 14 Handelsschiffe passierten am Sonntag, verglichen mit rund 130 täglich vor Kriegsbeginn. Für Anleger mit Öl-ETCs oder Brent-Futures-Positionen bleibt die Lage entsprechend volatil, zumal die US-Strategic-Petroleum-Reserve mit 319,5 Millionen Barrel auf dem niedrigsten Stand seit 1983 liegt – der Puffer für eine weitere Eskalation ist denkbar knapp. Genau dieser Ölpreisschock ist der Transmissionsriemen, über den die Geopolitik direkt in die Inflationsdaten und damit in die Fed-Entscheidung am 29. Juli durchschlägt.

JPMorgan & Co.: Der Ernstfall für die Zinsdivergenz

JPMorgan Chase eröffnet am Dienstagnachmittag deutscher Zeit die US-Bankenberichtssaison, gefolgt am selben Tag von Bank of America, Citigroup, Wells Fargo und Goldman Sachs; Morgan Stanley folgt am Mittwoch. Der Vergleichsmaßstab ist hoch: Im ersten Quartal hatte JPMorgan mit einem EPS von 5,94 Dollar den Konsens von 5,50 Dollar klar geschlagen, der Umsatz stieg um rund zehn Prozent auf 50,54 Milliarden Dollar. Für Q2 liegt der LSEG-Konsens nun bei 5,78 Dollar EPS und 50,2 Milliarden Dollar Umsatz, mit Schätzungen zwischen 5,23 und 5,84 Dollar. Das Unternehmen selbst hat vorgelegt: Rückkaufprogramm auf 50 Milliarden Dollar aufgestockt, Quartalsdividende von 1,50 auf 1,65 Dollar erhöht. Optionsmärkte preisen für den Berichtstag eine Kursschwankung von 3,77 Prozent ein – umgerechnet rund 34,9 Milliarden Dollar Marktwert.

Sektorweit rechnet KBW mit einem Plus von 26 Prozent im Investmentbanking- und 14 Prozent im Handelsgeschäft; die fünf größten US-Investmentbanken sollen zusammen 11,1 Milliarden Dollar an Q2-Gebühren einnehmen, ein Plus von 27 Prozent, auch begünstigt durch den SpaceX-Börsengang als größten IPO aller Zeiten. Für Anleger zählt dabei weniger der Blick auf die Handelserträge, die teils Einmaleffekte enthalten, sondern die Net-Interest-Income-Guidance: JPMorgan hatte diese im ersten Quartal bereits auf rund 103 Milliarden Dollar für das Gesamtjahr gesenkt. Die Aktie notiert nahe ihrem Allzeithoch von 343,45 Dollar vom 25. Juni, Unterstützung liegt bei 330 und darunter bei 325 Dollar – ein enttäuschender NII-Ausblick angesichts der Zinsunsicherheit könnte diese Marken schnell testen. Damit wird JPMorgan zum ersten echten Beweisstück, ob sich die höher-für-länger-Wette der Fed tatsächlich in operativen Zahlen niederschlägt.

CPI-Dienstag: Fed zögert, EZB hat schon gehandelt

Der Juni-CPI-Bericht erscheint um 14:30 Uhr MESZ, im Anschluss sagt Warsh ab 16:00 Uhr vor dem Kongress aus – ein zweites Mal folgt am Mittwoch. Konsens: Die Gesamtinflation soll erstmals seit Jahren monatlich leicht fallen, um 0,1 bis 0,2 Prozent, und auf 3,9 Prozent im Jahresvergleich sinken, getragen von rund zehn Prozent niedrigeren Benzinpreisen im Juni. Die Kernrate dagegen dürfte bei 2,8 bis 2,85 Prozent kaum nachgeben – weiterhin deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel. Fed-Gouverneur Christopher Waller hatte bereits erklärt, die Fed solle „in naher Zukunft“ die Zinsen anheben, sollten CPI und der PPI-Bericht am Mittwoch „heiß“ ausfallen. Die Juni-FOMC-Protokolle vom 16./17. Juni zeigten derweil ein gespaltenes Committee, das den Leitzins vorerst einstimmig bei 3,50 bis 3,75 Prozent beließ.

Am Anleihemarkt ist die Reaktion längst sichtbar: Die 1-jährige Treasury-Rendite kletterte auf 4,12 Prozent, den höchsten Stand seit Juni 2025, die 10-jährige auf 4,62 Prozent, die 2-jährige liegt über 4,25 Prozent. Fed-Funds-Futures preisen mittlerweile rund 50 Prozent Wahrscheinlichkeit für eine Juli-Erhöhung ein – vor wenigen Wochen waren es unter zehn Prozent. Die EZB dagegen hat ihre Zinserhöhung bereits im Juni abgeschlossen: 25 Basispunkte auf 2,25 Prozent Einlagensatz, die erste Anhebung seit 2023, als Reaktion auf eine Eurozone-Inflation von 3,2 Prozent im Mai. Gleichzeitig senkte sie ihre Wachstumsprognose für 2026 auf 0,8 Prozent, und die deutsche 10-jährige Bundrendite fiel im Juni um 6,6 Basispunkte auf 2,86 Prozent. Für Anleger heißt das: Der Bund-Future preist eher Wachstumssorgen als Inflationsrisiko, während US-Treasuries sich auf eine mögliche zweite Zinserhöhungsrunde einstellen – eine Divergenz, die sich in den Bankbilanzen diesseits und jenseits des Atlantiks unterschiedlich niederschlagen dürfte.

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Gold verliert an Schutzfunktion, Bitcoin fällt unter 63.000 Dollar

Bemerkenswert ist, was in dieser Gemengelage nicht passierte: Gold fiel am Montag um 2,9 Prozent auf 4.001,13 Dollar je Feinunze, obwohl die Hormus-Eskalation eigentlich für Zulauf hätte sorgen müssen. Der Grund liegt im starken Dollar (Dollarindex +0,36 Prozent auf 101,31) und den steigenden Zinserhöhungswetten, die das Edelmetall belasten. Am Dienstag testete Gold die Unterstützung bei 3.991,9 Dollar in einer möglichen Doppelboden-Formation und rutschte zwischenzeitlich unter die 4.000-Dollar-Marke. Für Gold-ETC-Anleger ist die Botschaft eindeutig: Derzeit schlägt die Zinserwartung die geopolitische Risikoprämie – ein Bruch unter 3.991,9 Dollar würde weiteres Abwärtspotenzial eröffnen.

Ähnlich lesen sich die Kryptomärkte. Bitcoin rutschte über das Wochenende und am Montag mehrfach unter 63.000 Dollar, zeitweise bis knapp unter 62.000 Dollar, während Ethereum, XRP und Dogecoin im Gleichschritt nachgaben. Am Montag wurden über 360 Millionen Dollar an Long-Positionen liquidiert, der Fear-&-Greed-Index fiel auf 27 bis 29 Punkte. US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten Nettoabflüsse von 424,7 Millionen Dollar – BlackRocks IBIT verlor 185,5 Millionen, Fidelitys FBTC 245,6 Millionen, Grayscales GBTC 53,1 Millionen –, nur eine Woche, nachdem erstmals seit acht Wochen wieder Nettozuflüsse von 197,4 Millionen Dollar verzeichnet worden waren. Laut Bitwise Asset Management fiel Bitcoin im zweiten Quartal um 13,4 Prozent, seit Jahresbeginn um 32,9 Prozent – der tiefste und längste Abschwung seit dem letzten Bärenmarkt. Für Anleger zeigt sich damit deutlich: Krypto handelt zunehmend als Hochzins-Risikoproxy, nicht als unkorrelierter Hedge. Der CPI-Bericht und Warshs Kongressauftritt dürften die nächste Richtungsentscheidung liefern – für Gold ebenso wie für Bitcoin.

Evotec bricht ein, VW bestätigt Massenstellenabbau

Während Makro und Öl die Schlagzeilen dominieren, liefert die Einzelwerte-Ebene eigene Dramen. Evotec senkte am Montag seine Jahresprognose 2026 drastisch: Umsatz nun 570 bis 610 Millionen Euro statt zuvor 700 bis 780 Millionen, bereinigtes EBITDA -70 bis -105 Millionen Euro statt zuvor 0 bis +40 Millionen. Im ersten Halbjahr erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 300,1 Millionen Euro bei einem bereinigten EBITDA von -42,7 Millionen Euro, die Liquidität lag zum 30. Juni bei 465,6 Millionen Euro. Als Gründe nannte Evotec zeitliche Verschiebungen bei Partnerschafts-Meilensteinen, geringere Beiträge neuer strategischer Partnerschaften sowie eine niedrigere Umsatzrealisierung. Die Aktie brach am Dienstag im frühen Tradegate-Handel um bis zu 20 Prozent auf 3,952 Euro ein – das tiefste Niveau seit 2016. Analyst Charles Weston sprach von einer „weiteren erheblichen Gewinnwarnung“. Anleger sollten das laufende Restrukturierungsprogramm im Blick behalten – bis zu 800 Stellenstreichungen, Schließung von vier Standorten, 100 Millionen Euro Kosten bis 2028 –, denn der vollständige Halbjahresbericht folgt erst am 13. August, und die Vertrauenskrise ist damit keineswegs ausgestanden.

Bei Volkswagen bestätigte sich am Montag, was lange als Gerücht kursierte: Konzernchef Oliver Blume teilte der Belegschaft in einem internen Memo mit, dass rund 50.000 zusätzliche Stellen gestrichen werden könnten – womit der Konzern erstmals Pläne für einen Abbau von insgesamt bis zu 100.000 Arbeitsplätzen einräumt, belastet durch Zollkosten, chinesische Konkurrenz und Druck auf die deutschen Werke.

Gemischter fällt das Bild bei den übrigen deutschen Einzelwerten aus. Bei Bayer bekräftigte die UBS ihr Buy-Rating mit Kursziel 52 Euro, gestützt auf ein positives Urteil des Supreme Court im Glyphosat-Komplex; die Aktie legte am Montag um 0,2 Prozent auf 50,24 Euro zu und steht seit Jahresbeginn mit 36,1 Prozent im Plus. Bei Fraport trübte sich das Bild binnen 24 Stunden ein: Jefferies senkte sein Kursziel von 95 auf 90 Euro, weil Analyst Graham Hunt nun ein stagnierendes statt drei Prozent Passagierwachstum für 2026 erwartet – JPMorgan (Overweight, 85 Euro) und Exane BNP Paribas (Buy, 85 Euro) sehen den Finanzausblick dagegen weiter intakt, verweisen auf die Lufthansa-Kapazitätsumverteilung nach München als Hauptgrund für den Frankfurter Passagierrückgang. Die Aktie notiert am Dienstagvormittag bei rund 68 bis 70 Euro unter Druck. Gegenläufig IONOS: Die Aktie sprang am Montag um 6,11 Prozent auf 30,24 Euro, nachdem Bank of America auf Kaufen mit Kursziel 37 Euro hochgestuft hatte und das Wachstumspotenzial im Cloud-Geschäft hervorhob.

Was jetzt zählt

Die Woche ist mit dem Dienstag nicht vorbei: Am Mittwoch folgt der PPI-Bericht mit einem Kern-Konsens von 5,2 Prozent im Jahresvergleich, Warshs zweiter Kongresstag sowie Morgan Stanleys Q2-Zahlen, am Donnerstag die wöchentlichen Erstanträge, am Freitag BIP-Daten. Die eigentliche Zinsentscheidung der Fed fällt aber erst am 28./29. Juli. Bis dahin bleiben drei Größen die entscheidenden Frühindikatoren: der Ölpreis als Kanal für importierte Inflation, die CPI-Reaktion am Anleihemarkt und die NII-Guidance der Großbanken. Wer diese drei Fäden zusammen verfolgt, sieht früher als der Konsens, ob die Fed im Juli tatsächlich nachlegt – oder ob Warsh am Ende doch abwartet, während die EZB ihren Zinsschritt längst hinter sich hat.

Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.