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Ölschock trifft Asiens Börsen

Die Eskalation im Nahen Osten löst massive Verluste an Asiens Aktienmärkten aus. Südkorea erlebt den schwersten Einbruch seit 2008, während die Energiekrise globale Inflationsängste schürt.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Südkoreas Leitindex KOSPI verliert über zwölf Prozent
  • Ölpreisexplosion bedroht energieabhängige Volkswirtschaften
  • Panik erfasst auch Japans Nikkei und andere asiatische Märkte
  • Europas Banken mit hohem Risiko durch Staatsanleihenbestände

Der Nahe Osten brennt – und die Finanzmärkte zittern. Was am Dienstag als Korrektur begann, entwickelte sich am Mittwoch zur Panik: Südkoreas KOSPI stürzte zwischenzeitlich um mehr als 12 Prozent ab, der schwerste Einbruch seit der Finanzkrise 2008. In weniger als 48 Stunden verbrannten Anleger umgerechnet 554 Milliarden US-Dollar. Der einstige Liebling der internationalen Investoren – noch vor Wochen mit über 100 Prozent Jahresperformance gefeiert – wird nun gnadenlos abgestraft.

Im High-Tech-Viertel Pangyo südlich von Seoul herrschte am Mittwochmittag gespenstische Stille. Normalerweise strömen zur Mittagszeit Tausende Angestellte durch die Straßen. Doch heute starrten die meisten gebannt auf ihre Smartphones, verfolgten den Absturz ihrer Portfolios in Echtzeit. „Ich hörte Kollegen ‚Was zum Teufel?‘ rufen, als die Verluste über acht Prozent kletterten“, berichtet Jessica Chung, Büroangestellte in der koreanischen Antwort auf das Silicon Valley. „Selbst in der Toilette bildeten sich Warteschlangen – alle suchten eine ruhige Ecke zum Handeln.“

Wenn das Öl zur Waffe wird

Der Auslöser für das Beben: Die Eskalation im Nahen Osten bedroht eine der kritischsten Lebensadern der Weltwirtschaft. Die Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des globalen Öls und verflüssigten Erdgases fließt, steht im Zentrum der Krise. US- und israelische Streitkräfte bombardieren seit Samstag Ziele im Iran, während iranische Drohnen und Raketen Ölraffinerien am Golf treffen und US-Botschaften in Saudi-Arabien und Kuwait attackieren.

Für Südkorea könnte die Situation kaum bedrohlicher sein. Das Land importiert praktisch seine gesamte Energie – 70 Prozent davon aus dem Nahen Osten. Als die Ölpreise innerhalb weniger Tage um 13 Prozent hochschossen und der Won über Nacht erstmals seit 17 Jahren die psychologisch wichtige Marke von 1.500 pro Dollar durchbrach, war das Schicksal der AI-getriebenen Börsenrally besiegelt.

Samsung Electronics und SK Hynix, die Posterboys des Halbleiter-Booms, verloren allein in dieser Woche jeweils rund 20 Prozent. Von 925 gehandelten Werten an der Börse schlossen am Mittwoch nur 14 im Plus. „Wir sehen definitiv ausländische Kapitalabflüsse als Haupttreiber, besonders bei den Large-Cap-Tech-Namen, die die Rally angeführt hatten“, analysiert Tareck Horchani von Maybank Securities in Singapur. „Korea war einer der stärksten Märkte weltweit – entsprechend überfüllt war das Positionierung.“

Globales Beben erfasst die Märkte

Die Panik beschränkte sich nicht auf Seoul. Japans Nikkei sackte um 3,7 Prozent ab, Taiwan verlor 3,6 Prozent, Thailand brach gar um 7,7 Prozent ein. An den Wall-Street-Terminbörsen rutschten die Futures in die Verlustzone, während Anleger in sichere Häfen flüchteten: Gold legte um ein Prozent zu, der Dollar kletterte auf ein Dreimonatshoch, US-Staatsanleihen verzeichneten den dritten Gewinntag in Folge.

Die zentrale Frage für Investoren: Was bedeutet der fünfte Kriegstag für die Inflation? Die Ölpreis-Explosion könnte die ohnehin angespannte Lage der US-Notenbank weiter verkomplizieren. Fed-Chef Powell steht unter Druck, während erhöhte Inflationsdaten die Erwartungen festigen, dass die Zinsen vorerst unverändert bleiben.

Präsident Donald Trump versuchte am späten Dienstag, die Märkte zu beruhigen. Er ordnete an, dass die U.S. International Development Finance Corporation politische Risikoversicherungen für Tanker am Golf bereitstellen solle – notfalls könnte die Navy Schiffe eskortieren. Doch die Ankündigung verpuffte weitgehend. Analysten wiesen auf gravierende Probleme hin: Die DFC verfügt weder über ausreichende Mittel noch über die Expertise, um Risiken in dieser Größenordnung zu versichern. Zudem sind die meisten Tanker weder US-Eigentum noch unter amerikanischer Flagge registriert.

Europas verstecktes Risiko

Während Asien brennt, braut sich in Europa eine andere Krise zusammen. Europäische Banken haben ihre Bestände an Staatsanleihen binnen Jahresfrist um 14 Prozent aufgestockt – ein „großer Wandel“, wie Kamil Liberadzki von der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde warnt. Zwischen Juni 2022 und Juni 2025 häuften Geldhäuser in Frankreich, Deutschland und Spanien Staatsanleihen im Wert von fast 700 Milliarden Euro an, der höchste Stand seit Pandemiebeginn.

Das Problem: Sollten hochverschuldete Länder in fiskalische Turbulenzen geraten, könnte ein Ausverkauf bei Staatsanleihen die Bankbilanzen erheblich belasten. „Die Finanzierungskosten steigen. Wir haben höhere Risiken – größere Volatilität – im Liquiditätspuffer in Form von Wertpapieren. Auch die Hedging-Kosten klettern“, erklärt Liberadzki. Die gefürchtete „Sovereign-Bank Doom Loop“ aus der Eurokrise 2010-2013 droht zurückzukehren.

Michael Theurer vom Bundesbank-Vorstand sieht das Hauptrisiko in der „engen Verflechtung zwischen Staaten und heimischen Banken durch Staatsschuldenbestände“. Eine Erosion des Vertrauens in öffentliche Finanzen könnte Banken zwingen, die Kreditvergabe zu reduzieren – mit gravierenden Folgen für die Marktliquidität.

Wachstum gegen den Trend

Nicht alle Nachrichten waren düster. Singapurs Privatsektor expandierte im Februar mit nahezu Rekordtempo: Der PMI sprang auf 59,2 Punkte, den zweithöchsten Wert seit Erhebungsbeginn. Neuaufträge wuchsen so stark wie seit eineinhalb Jahren nicht, die Beschäftigung legte im schnellsten Tempo seit zwei Jahren zu. Das Geschäftsklima erreichte den höchsten Stand seit über fünf Jahren.

Auch Chinas Fertigungssektor zeigte Lichtblicke – zumindest in privaten Umfragen. Der RatingDog China General Manufacturing PMI kletterte auf 52,1, den stärksten Wert seit Dezember 2020. Exportaufträge stiegen so kräftig wie seit September 2020 nicht mehr. Allerdings kontrastiert dies mit offiziellen Daten: Pekings PMI fiel auf 49,0 und signalisiert damit die zweite Kontraktionsphase in Folge.

Die Diskrepanz spiegelt die Unsicherheit wider, mit der Chinas Wirtschaft ins Jahr 2026 startet. Ökonomen erwarten eine Verlangsamung auf 4,5 Prozent Wachstum, während Premier Li Qiang diese Woche das offizielle Ziel verkünden wird. Analysten bezweifeln, dass gezielte Zinssenkungen oder Reservekürzungen ausreichen, um den Schwung wiederherzustellen.

Energie-Poker mit geopolitischen Folgen

Inmitten der Marktturbulenzen bahnt sich ein milliardenschweres Energieprojekt an. Japan und die USA arbeiten daran, ein Atomkraftprojekt in ihr 550-Milliarden-Dollar-Investitionspaket aufzunehmen, wie Reuters aus Regierungskreisen erfuhr. Das Vorhaben unter Beteiligung von Westinghouse soll die Energieversorgungsketten beider Länder stärken – gerade jetzt, wo der Nahost-Krieg die Energiesicherheit bedroht.

Das Timing ist kein Zufall. Die Deals sollen möglicherweise beim Treffen zwischen Premierministerin Sanae Takaichi und Präsident Trump am 19. März in Washington verkündet werden. Tokio steht unter Druck, rasch Projekte im Rahmen der Investitionszusagen zu realisieren, die Teil eines Zollabkommens mit den USA sind. Bisher wurden erst drei Projekte im Wert von 36 Milliarden Dollar angekündigt, darunter ein Gaskraftwerk in Ohio.

Die Ironie: Während fossile Energieträger die Märkte in Panik versetzen, plant Washington ein Atomkraft-Revival. Die US-Regierung hatte bereits letztes Jahr eine Partnerschaft über mindestens 80 Milliarden Dollar mit Westinghouse geschlossen – getrieben von Trumps Agenda, die heimische Energieproduktion zu steigern, während KI-Rechenzentren den Strombedarf explodieren lassen.

Ausblick: Fragile Stabilität

Ob die Märkte zur Ruhe kommen, hängt von zwei Faktoren ab: Kann die Eskalation am Golf eingedämmt werden? Und gelingt es der Fed, trotz steigender Ölpreise Vertrauen zu vermitteln? Die Veröffentlichung des Fed Beige Book und der ADP-Beschäftigungszahlen dürfte weitere Hinweise liefern. Doch solange iranische Raketen fliegen und die Straße von Hormus unter Beschuss steht, dürfte die Nervosität anhalten. Für Südkoreas 14 Millionen Privatanleger – im Volksmund „Ameisen“ genannt – war es jedenfalls ein Tag, den sie so schnell nicht vergessen werden.

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

Die Ergebnisse sprechen für sich: Leser meines Börsendienstes erzielten über zwei Jahrzehnte einen durchschnittlichen Depotzuwachs von +576%. Meine rechtzeitigen Warnungen vor dem Crash 2008 halfen vielen Anlegern, Verluste zu minimieren.

Heute teile ich meine Expertise durch den Newsletter "Chartanalyse-Trends", den Börsendienst "Momentum Trader", Vorträge auf Messen wie der Invest Stuttgart sowie YouTube-Videos. Mein "Timing is Money"-Ansatz identifiziert optimale Ein- und Ausstiegszeitpunkte für Aktien, Gold, Kryptowährungen und weitere Anlageklassen.