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Ölschock treibt Märkte und Notenbanken

Japan interveniert am Devisenmarkt, Australien hebt Zinsen an. Wall Street trotzt dem Gegenwind mit starken Quartalszahlen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Japan kauft Yen gegen Dollar
  • Australien plant dritte Zinserhöhung
  • S&P 500 mit stärkstem Monat seit 2020
  • Ölpreis fällt von Vierjahreshoch zurück

Der Iran-Krieg hat die Weltwirtschaft in einen Ausnahmezustand versetzt. Steigende Ölpreise, Interventionen am Devisenmarkt und eine gespaltene Notenbankpolitik – die Ereignisse der vergangenen Tage zeigen, wie tief der Konflikt am Golf bereits in die globalen Finanzmärkte eingegraben ist.

Yen unter Druck, Japan greift ein

Japan befindet sich in der Zange. Der Yen hat seit Kriegsbeginn im Februar massiv an Wert verloren, angetrieben von hohen Ölpreisen und dem Status des Dollars als sicherer Hafen. Am Donnerstag griff das japanische Finanzministerium erstmals seit fast zwei Jahren direkt in den Devisenmarkt ein – und kaufte Yen, um den freien Fall zu stoppen.

Der Effekt war unmittelbar spürbar. Der Dollar fiel um bis zu 3 Prozent gegenüber dem Yen auf 155,50 – der größte Tagesrückgang seit Ende Dezember 2024. Zuvor hatte Finanzminister Satsuki Katayama unmissverständlich gewarnt, „entschlossenes“ Handeln stehe bevor. Japans Währungsdiplomat Atsushi Mimura sprach sogar von einer „letzten Evakuierungswarnung an die Märkte“.

Doch die strukturellen Probleme bleiben. „Die Schwäche des Yen hat fundamentale Gründe, und wie erfolgreich das Finanzministerium nachhaltig dagegen ankämpfen kann, ist schwer zu sagen“, kommentierte Ken Crompton von der National Australia Bank. Japan ist für rund 95 Prozent seiner Ölimporte auf den Nahen Osten angewiesen – jeder Preisanstieg trifft die Volkswirtschaft damit doppelt: als Kostentreiber und als Währungsbelastung.

Erschwerend kommt hinzu, dass Japans Fertigungssektor trotz eines PMI-Anstiegs auf 55,1 – dem höchsten Wert seit über vier Jahren – unter massivem Druck steht. Unternehmen horten Vorräte aus Angst vor weiteren Lieferkettenstörungen. Die Lieferzeiten haben sich auf den schlechtesten Wert seit dem Tōhoku-Erdbeben 2011 verlängert. Wachstum aus der Not heraus, nicht aus der Stärke.

Inflation im Fokus: Von Tokio bis Sydney

Ausgerechnet jetzt, wo die Intervention den Yen stabilisieren soll, liefert Japans Inflationsdynamik ein widersprüchliches Bild. Die Kerninflation in Tokio verlangsamte sich im April auf 1,5 Prozent – den niedrigsten Stand seit März 2022 und deutlich unter der Markterwartung von 1,8 Prozent. Ursache sind staatliche Subventionen für Energierechnungen und Schulgeld.

Doch das ist eine trügerische Ruhe. Ökonomen erwarten, dass die Inflation in den kommenden Monaten deutlich anzieht. „Die Kerninflation dürfte aufgrund von Kostendruck aus dem Nahost-Konflikt steigen – nicht nur bei Energie, sondern bei vielen Gütern“, sagte Masato Koike vom Sompo Institute Plus. Die Bank of Japan hielt ihren Leitzins zuletzt stabil, ließ aber Signale fallen, dass eine Erhöhung bereits im Juni möglich sei.

Australien steht vor einer ähnlichen Lage, reagiert aber entschlossener. Die Reserve Bank of Australia wird laut einer Reuters-Umfrage unter Ökonomen am 5. Mai die Zinsen zum dritten Mal in Folge um 25 Basispunkte auf 4,35 Prozent anheben. Die Verbraucherpreise lagen zuletzt bei 4,1 Prozent – weit außerhalb der Zielspanne von 2 bis 3 Prozent. Westpac rechnet sogar mit einem Anstieg auf 4,85 Prozent bis Ende des Jahres. „Das größte Problem sind gerade die Inflationserwartungen“, warnt AMP-Ökonomin My Bui. Wenn die Zentralbank jetzt nicht konsequent handelt, drohen sie sich zu verfestigen.

Wall Street trotzt dem Gegenwind

An den Aktienmärkten überwiegt – zumindest vorerst – der Optimismus. Der S&P 500 schloss den April mit dem stärksten Monatsgewinn seit November 2020, der Nasdaq mit dem besten Ergebnis seit April 2020. Der Dow Jones legte allein am Donnerstag 790 Punkte zu.

Der wichtigste Treiber: starke Quartalsergebnisse der Tech-Schwergewichte. Alphabet sprang nach einem Rekordumsatz seiner Cloud-Sparte um 10 Prozent. Caterpillar erreichte ein Allzeithoch nach überraschend starken Gewinnen im Bereich Energieerzeugung und Baumaschinen – beides Sektoren, die vom globalen Investitionsboom in Energieinfrastruktur profitieren. Eli Lilly kletterte fast 10 Prozent nach einer erneuten Anhebung der Jahresprognose dank anhaltend hoher Nachfrage nach Abnehmmedikamenten.

Meta und Microsoft gaben nach – Anleger sind zunehmend besorgt über die hohen KI-Investitionen, die sich noch nicht vollständig in Gewinne ummünzen. Doch das Gesamtbild bleibt bullish. „Wir befinden uns in einem extrem widerstandsfähigen Markt“, sagte Adam Sarhan von 50 Park Investments. Der einzige ernsthafte Risikofaktor: ein erneuter Ölpreisschock.

US-China-Gipfel: Spannungen trotz Diplomatie

Während die Märkte mit Energiepreisen und Zentralbankentscheidungen ringen, bahnt sich im Hintergrund eine weitere Weichenstellung an. US-Finanzminister Scott Bessent und der chinesische Vizepremier He Lifeng führten am Donnerstag ein Videogespräch als Vorbereitung für das für Mitte Mai geplante Treffen zwischen Donald Trump und Xi Jinping.

Das Gespräch war nach eigenen Angaben „offen und umfassend“ – diplomatisch für: beide Seiten haben Beschwerden. Bessent kritisierte Chinas neue Lieferketten-Regulierungen, die ausländischen Unternehmen Strafen androhen, wenn sie Einkäufe kritischer Rohstoffe aus China verlagern. China seinerseits monierte die neuen US-Handelsrestriktionen. US-Industrie und Parlamentarier warnen unterdessen, China dürfe beim Gipfel kein Zugang zum amerikanischen Automobilmarkt gewährt werden.

Ob der Iran-Krieg den diplomatischen Zeitplan weiter durcheinanderwirbelt, bleibt offen. Trumps Reise nach Peking wurde bereits einmal wegen des Konflikts verschoben. Jetzt läuft die Uhr: Ein 60-Tage-Limit für die US-Militäroperation rückt näher, während der Iran mit weiteren Vergeltungsschlägen droht.

Ausblick: Wenn Ölpreise die Agenda bestimmen

Das eigentliche Verbindungsglied all dieser Entwicklungen ist der Ölpreis. Brent-Rohöl stieg kurzzeitig auf 126 Dollar je Barrel – ein Vierjahreshoch – bevor er am Donnerstag auf rund 114 Dollar zurückfiel. Solange die Straße von Hormus gesperrt bleibt, durch die ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gashandels fließt, bleibt der Preisdruck bestehen.

Das zwingt Notenbanken weltweit in eine unbequeme Position: Erhöhen sie die Zinsen zu stark, riskieren sie ein Abwürgen des Wachstums. Handeln sie zu zögerlich, drohen sich Inflationserwartungen zu verankern. Japan, Australien und die Eurozone stehen dabei vor ähnlichen Dilemmata – und suchen allesamt nach einem Gleichgewicht, das der Markt ihnen gerade nicht leicht macht.

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

Die Ergebnisse sprechen für sich: Leser meines Börsendienstes erzielten über zwei Jahrzehnte einen durchschnittlichen Depotzuwachs von +576%. Meine rechtzeitigen Warnungen vor dem Crash 2008 halfen vielen Anlegern, Verluste zu minimieren.

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