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Ölschock schürt Fed-Zinsangst

US-Angriffe auf Iran treiben Brent über 90 Dollar, während Kevin Warsh höhere Leitzinsen signalisiert und neue Konjunkturdaten anstehen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Brent klettert über 90 Dollar
  • FedWatch sieht höhere September-Chance
  • Katar meldet sieben Prozent Wirtschaftsrückgang
  • Japans Reispreise sinken deutlich

Kaum ist der Sommer vorbei, meldet sich die Geopolitik mit voller Wucht zurück an den Finanzmärkten zurück. Neue US-Angriffe auf Iran haben die Ölpreise am Montag hochschnellen lassen – ausgerechnet in dem Moment, in dem Fed-Chef Kevin Warsh mit einer überraschend hawkishen Rede die Zinserwartungen komplett neu sortiert hat. Die Kombination aus geopolitischer Eskalation und einer restriktiveren Notenbank sorgt für Nervosität an den Aktienmärkten – und trifft Volkswirtschaften von Doha bis Tokio mit unterschiedlicher Wucht.

Nahost-Eskalation treibt Ölpreise

Die USA haben erstmals seit Ende Juli wieder Ziele in Iran angegriffen, dieses Mal Raketenwerfer auf der Insel Larak nahe der Straße von Hormuz. Diese Wasserstraße zählt zu den wichtigsten Öltransportrouten der Welt. Iran reagierte mit einem Gegenschlag auf zwei US-Stützpunkte in Jordanien – die Eskalationsspirale dreht sich weiter.

Die Reaktion an den Rohstoffmärkten fiel entsprechend heftig aus. Brent-Öl legte um rund 2,5 Prozent auf über 90 Dollar je Barrel zu, US-WTI stieg um 2,2 Prozent. Für Anleger ist Öl seit jeher das Bindeglied zwischen Geopolitik und Finanzmärkten: Steigende Rohstoffpreise verteuern Energie und Transport, was die Inflation anheizt und der Fed die Arbeit erschwert.

Washington erhöht zusätzlich den wirtschaftlichen Druck. US-Finanzminister Scott Bessent kündigte an, künftig wöchentlich neue Sekundärsanktionen gegen Iran verhängen zu wollen – zunächst gegen Banken, die mit Teheran Geschäfte machen. Erste Maßnahmen trafen bereits Filialen der ägyptischen Banque Misr in den Emiraten. Sollte sich der Konflikt weiter zuspitzen, drohen zusätzliche Exportausfälle, die die Ölpreise dauerhaft hochhalten könnten – auch ohne eine offene Kriegseskalation.

Warsh macht Fed-Kurs hawkisher

Parallel zur Nahost-Krise sorgt eine Rede in den Rocky Mountains für Wirbel. Fed-Chef Kevin Warsh hat bei seinem ersten Auftritt beim Jackson-Hole-Symposium unmissverständlich klargemacht: Solange die Inflation nicht „klar und schnell genug“ Richtung Zwei-Prozent-Ziel bewegt, „haben wir Arbeit zu tun“. Er beschrieb eine Wirtschaft, die auf vollen Touren läuft – robuster Arbeitsmarkt, kräftiger Konsum, lockere Finanzierungsbedingungen. Von restriktiven Zinsen könne keine Rede sein.

Barclays-Ökonomen um Jonathan Millar werten die Rede als „deutlich hawkish“ und rechnen nun mit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte im September – gefolgt von einer weiteren im Dezember. Auffällig sei, dass Warsh sich bei seiner Einschätzung stärker auf die Sechs- und Zwölf-Monats-Inflationsdaten stützte als auf die zuletzt freundlicheren Drei-Monats-Werte. Die Kern-PCE-Preise zogen im Juli um 0,25 Prozent an und lagen damit über den Erwartungen, was Barclays veranlasste, die Prognose für das vierte Quartal auf 3,3 Prozent anzuheben.

Die Marktreaktion fiel entsprechend eindeutig aus. Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September, gemessen am CME-FedWatch-Tool, sprang von rund 35 Prozent vor der Rede auf knapp 60 Prozent. Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen kletterte auf 4,34 Prozent, ihren höchsten Stand seit einem Monat. An der Wall Street rutschten die Futures ins Minus, während Ölwerte wie Halliburton und Valero von den steigenden Rohstoffpreisen profitierten. Nicht jeder Marktteilnehmer ist jedoch überzeugt, dass die Zinserhöhung bereits beschlossene Sache ist. „Ich habe noch nicht den Schluss gezogen, dass sie die Zinsen anheben werden“, sagt State-Street-Stratege Michael Arone – ein Hinweis darauf, wie stark die kommenden Konjunkturdaten das Bild noch verändern könnten.

Datenwoche wird zum Belastungstest

Genau diese Daten stehen nun im Zentrum der Aufmerksamkeit. Diese Woche liefert gleich mehrere Schlüsselindikatoren: der JOLTS-Bericht zu offenen Stellen am Dienstag, die ADP-Beschäftigtenzahlen am Mittwoch, der ISM-Einkaufsmanagerindex sowie schließlich am Freitag der mit Spannung erwartete US-Arbeitsmarktbericht. Ein robuster Arbeitsmarkt würde der Fed mehr Spielraum für weitere Zinsschritte geben, während Schwächesignale die Notenbank zur Vorsicht mahnen könnten.

Zusätzlich äußern sich diese Woche die Fed-Mitglieder Michael Barr und Christopher Waller – ihre Kommentare dürften zeigen, ob Warshs Linie tatsächlich vom gesamten Offenmarktausschuss getragen wird. Die Messlatte für die kommenden Berichte liegt entsprechend hoch: Sie müssen entweder Warshs hawkishe Rhetorik untermauern oder ihr widersprechen.

Globale Wellen: Von Doha bis Tokio

Der Nahost-Konflikt hinterlässt längst nicht nur an der Ölbörse Spuren. Katar, einer der größten LNG-Exporteure der Welt, meldete für das erste Quartal 2026 einen Wirtschaftseinbruch von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Verantwortlich ist vor allem der massive Rückgang der Energieproduktion – der Bergbau- und Förderbereich, der fast ein Drittel der katarischen Wirtschaftsleistung ausmacht, brach um 25,8 Prozent ein. Insgesamt hat das Land seit Beginn des Konflikts vor sechs Monaten Gasverkäufe im Wert von 24 Milliarden Dollar verloren – fast fünf Monatseinkommen der gesamten Volkswirtschaft. Immerhin zeigen andere Sektoren wie Gastronomie und Hotellerie mit einem Plus von 12 Prozent, dass die Wirtschaft nicht komplett am Boden liegt.

In Japan wiederum verkompliziert sich das Inflationsbild aus einem völlig anderen Grund. Ein massiver Preisrutsch bei Reis – minus 38 Prozent für die neue Koshihikari-Ernte – dürfte die Kerninflation ab Oktober um rund 0,3 Prozentpunkte drücken, so Barclays. Gleichzeitig bleibt die importierte Inflation hoch: Der schwache Yen und die höheren Rohölpreise infolge der Nahost-Spannungen lassen die japanischen Einfuhrkosten für Rohöl weiterhin um mehr als 50 Prozent über dem Vorjahresniveau liegen. Die Bank of Japan steht damit vor einem Balanceakt zwischen fallenden Lebensmittelpreisen und steigenden Energiekosten – Vize-Gouverneur Ryozo Himino signalisierte trotzdem, dass eine Zinserhöhung im September durchaus auf dem Tisch liegt.

Ausblick

Die kommenden Tage dürften zeigen, ob sich Warshs harte Linie durch die Konjunkturdaten bestätigt – oder ob der Arbeitsmarktbericht am Freitag die Zinserwartungen wieder dämpft. Sicher ist: Solange die Lage in der Straße von Hormuz angespannt bleibt, dürfte der Ölpreis ein Unsicherheitsfaktor bleiben, der sich über Katars Exporterlöse, Japans Importkosten und letztlich auch über die US-Inflationsdaten in die globale Zinsdebatte einschreibt.

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Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.

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