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Ölschock lähmt Weltwirtschaft

Der Nahostkonflikt treibt den Ölpreis über 100 Dollar und löst Kapitalabflüsse sowie eine weltweite Konjunkturabschwächung aus. PMI-Daten zeigen sinkendes Wachstum und steigende Kosten.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Brent-Öl notiert wieder über 100 Dollar je Barrel
  • Kapitalabflüsse aus Asien auf Rekordniveau seit 2008
  • PMI-Daten signalisieren weltweite Konjunkturabschwächung
  • Zentralbanken im Stagflations-Dilemma gefangen

Der Nahe Osten brennt — und mit ihm die Hoffnung auf eine baldige wirtschaftliche Normalisierung. Während US-Präsident Donald Trump einen kurzen Aufschub seiner angedrohten Angriffe auf Irans Stromnetz verkündete, hat die Realität auf den Märkten bereits ein härteres Urteil gesprochen: Brent-Rohöl notiert wieder über 100 Dollar je Barrel, asiatische Aktienmärkte verzeichnen die größten Kapitalabflüsse seit mindestens 2008, und Unternehmen rund um den Globus spüren die Kostenlawine aus dem Konflikt.

Trügerische Waffenruhe, echte Schäden

Trumps Ankündigung, die Angriffe auf Irans Stromnetz vorübergehend auszusetzen, löste am Montag eine kurze Erleichterungsrally aus. Brent-Öl fiel erstmals seit Wochen kurz unter die Marke von 100 Dollar. Doch schon am Dienstag war die Erholung Geschichte.

Teheran dementierte jegliche Verhandlungen mit Washington. Gleichzeitig trafen neue Raketensalven Tel Aviv, Kuwait und Saudi-Arabien. Die Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öls fließt, bleibt nahezu gesperrt. Brent stieg wieder auf 101,58 Dollar, ein Plus von 1,6 Prozent allein am Dienstagvormittag. Seit Kriegsbeginn hat das Barrel zeitweise über 65 Prozent zugelegt — von rund 70 auf bis zu 119,50 Dollar.

Analysten von Vital Knowledge bremsen Optimismus: Der Konflikt werde so schnell nicht enden. Der S&P 500 habe zwar weiteres Aufwärtspotenzial, stoße aber auf eine „harte Decke“ zwischen 6.900 und 7.000 Punkten. Der Markt schloss am Montag bei 6.565 Punkten.

PMI-Daten zeigen weltweite Bremseffekte

Die wirtschaftlichen Bremsspuren sind inzwischen in den Konjunkturdaten sichtbar — von Europa über Japan bis Indien.

Die Eurozone hat im März mit einem Composite-PMI von 50,5 noch knapp die Wachstumsschwelle überschritten, aber nur marginal. Im Februar lag der Wert noch bei 51,9. Laut S&P Global ist das der tiefste Stand seit zehn Monaten, gleichbedeutend mit einem Quartalswachstum von kaum 0,1 Prozent. Besonders alarmierend: Die Inputkosten stiegen auf den höchsten Stand seit über drei Jahren. Neue Aufträge gingen erstmals seit acht Monaten zurück. Das Geschäftsklima brach so stark ein wie zuletzt nach dem Beginn des russischen Einmarsches in die Ukraine im Jahr 2022.

In Japan verlangsamte sich der Composite-PMI im März auf 52,5, nach 53,9 im Februar — der schwächste Wert seit Dezember 2025. Die Inputkosten stiegen so schnell wie zuletzt vor elf Monaten, Unternehmen machten ausdrücklich den Nahostkonflikt für die gestiegenen Energie- und Lieferkettenkosten verantwortlich. Das Geschäftsvertrauen sank auf ein Elfmonatstief.

Indien trifft der Schock besonders hart. Als drittgrößter Ölimporteur der Welt bezieht das Land rund 90 Prozent seines Rohöls aus dem Ausland. Der HSBC Flash India Composite PMI brach auf 56,5 ein — Analysten hatten 59,0 erwartet, nach 58,9 im Februar. Für den Fertigungssektor war es das schwächste Ergebnis seit viereinhalb Jahren. Inputkosten stiegen so schnell wie zuletzt im Juni 2022. Ein Lichtblick: Auslandsaufträge erreichten ein Rekordhoch.

Kapitalflucht aus Asien auf Rekordkurs

Für die Finanzmärkte Asiens ist der Ölschock eine doppelte Last. Einerseits verteuern steigende Energiepreise direkt die Importe. Andererseits erzwingen sie eine Neubewertung der Zinsperspektiven.

Ausländische Investoren haben im bisherigen Monatsverlauf Aktien aus Asien im Wert von netto 50,45 Milliarden Dollar verkauft — das wäre der höchste monatliche Abfluss seit mindestens 2008, so Daten des Finanzdienstleisters LSEG. Taiwan verzeichnete allein rund 25,28 Milliarden Dollar an Abflüssen, Südkorea etwa 13,5 Milliarden und Indien 10,17 Milliarden. „Die Abflüsse wurden durch risikoaverse Stimmung angetrieben, da die meisten asiatischen Schwellenländer Nettoimporteure von Energie sind“, erklärte Jason Lui von BNP Paribas. Die Technologieaktien aus Taiwan und Südkorea, die besonders stark vom KI-Boom profitiert hatten, standen dabei im Zentrum der Verkäufe.

Inflation und Zentralbanken: das Dilemma verschärft sich

Die Lage zwingt Zentralbanken weltweit in eine unangenehme Position. Steigende Energiepreise treiben die Inflation, gleichzeitig bremst der Konflikt das Wachstum — ein klassisches Stagflationsmuster.

Fed-Chef Jerome Powell räumte jüngst ein, es sei „zu früh“, die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts einzuschätzen. Klar sei aber: Höhere Energiepreise werden die Gesamtinflation kurzfristig nach oben treiben. Die Märkte haben Zinssenkungserwartungen entsprechend zurückgeschraubt. Gold, das in unsicheren Zeiten normalerweise profitiert, steht paradoxerweise unter Druck — weil höhere Zinsen unverzinsliche Anlagen unattraktiver machen. Der Goldpreis notierte zuletzt bei 4.403,98 Dollar je Unze, kaum verändert.

Auch der US-Dollar stabilisiert sich als Sicherheitswährung. Der Dollarindex stieg am Dienstag um 0,3 Prozent auf 99,25. „Händler werden vor allem von der iranischen Seite hören wollen, ob realistische Chancen auf Waffenstillstandsverhandlungen bestehen“, schrieben Analysten der Niederländischen Bank ING. „Bis dahin bleibt jede weitere Rally bei Risikoaktiven und jeder Dollar-Rückgang begrenzt.“

China profitiert vom Chaos der anderen

Während der Rest der Welt mit den Folgen des Ölschocks ringt, versucht Peking, aus der Unsicherheit Kapital zu schlagen. Beim China Development Forum in dieser Woche präsentierte sich die Volksrepublik als Stabilitätsanker in einer unruhigen Welt — ohne die USA direkt beim Namen zu nennen. Mehrere CEOs großer amerikanischer Konzerne, darunter Apple, McDonald’s und Mastercard, reisten nach Peking. Ihre Anwesenheit zeigt, wie sehr US-Konzerne trotz allem auf den chinesischen Markt angewiesen sind.

Ob die Eskalation am Golf eine diplomatische Lösung findet oder sich weiter zuspitzt — die Konjunkturdaten des Tages dürften erste Hinweise liefern. Die US-Flash-PMIs für März stehen auf der Agenda. Sie könnten zeigen, wie tief der Ölschock bereits in der weltgrößten Volkswirtschaft angekommen ist.

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

Die Ergebnisse sprechen für sich: Leser meines Börsendienstes erzielten über zwei Jahrzehnte einen durchschnittlichen Depotzuwachs von +576%. Meine rechtzeitigen Warnungen vor dem Crash 2008 halfen vielen Anlegern, Verluste zu minimieren.

Heute teile ich meine Expertise durch den Newsletter "Chartanalyse-Trends", den Börsendienst "Momentum Trader", Vorträge auf Messen wie der Invest Stuttgart sowie YouTube-Videos. Mein "Timing is Money"-Ansatz identifiziert optimale Ein- und Ausstiegszeitpunkte für Aktien, Gold, Kryptowährungen und weitere Anlageklassen.