Wachsende militärische Spannungen im Nahen Osten und neue Ausfuhrbeschränkungen aus China halten die Ölpreise auf hohem Niveau. Am Freitagmorgen kostete ein Barrel der Nordseesorte Brent zwischenzeitlich 102,06 Dollar, nachdem die Notierungen am Vortag um mehr als vier Dollar nach oben gesprungen waren. Der Markt wägt geopolitische Risiken gegen Gegenmaßnahmen der westlichen Staaten ab.
Militärische Eskalation am Persischen Golf
Hinter dem Preisschub steht eine deutliche Ausweitung der US-Präsenz in der Region. Die Vereinigten Staaten entsenden eine dritte Flugzeugträgerkampfgruppe sowie bis zu 10.000 zusätzliche Soldaten in den Nahen Osten. US-Präsident Donald Trump brachte dabei neue Militärschläge gegen Teheran nach den US-Kongresswahlen Anfang November ins Spiel.
Parallel dazu mehren sich die Zwischenfälle entlang der zentralen Schifffahrtsrouten. In der Straße von Hormus geriet ein Tanker unter Beschuss, an Bord brach ein Feuer aus. In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa ereigneten sich schwere Explosionen, während Angriffe auf mehrere Provinzen des Landes gemeldet wurden. Die niedrigen weltweiten Lagerbestände nach sechs Monaten mit Rückgängen verstärken die Nervosität an den Rohstoffmärkten zusätzlich.
Peking bremst Exporte, Washington drängt Europa
Die Angebotsseite gerät unterdessen von einer weiteren Seite unter Druck. China hat die Ausfuhr von Flüssigtreibstoffen vorerst gestoppt. Die Raffinerien des Landes erhielten vor den einwöchigen Feiertagen keine Genehmigung für Lieferungen im Oktober außerhalb von Hongkong und Macau. Ob die Ausfuhren nach dem 7. Oktober wieder aufgenommen werden, ließen die Behörden offen.
Um den Preisanstieg zu dämpfen, erhöht die US-Regierung den Druck auf ihre europäischen Verbündeten. Washington forderte von der Europäischen Union die Freigabe von 120 Millionen Barrel Diesel aus den Notreserven über die kommenden sechs Monate. Sollten Länder wie Deutschland und Frankreich ihre Bestände nicht antasten, droht die US-Administration ihrerseits mit einem Stopp eigener Dieselausfuhren. Die EU-Staaten verfügen über knapp 109 Millionen Tonnen an Rohöl- und Treibstoffreserven, zögern bislang jedoch mit einer solchen Marktfreigabe.
