Die Ölpreise stehen den dritten Handelstag in Folge unter Druck, weil sich die akuten Sorgen um das globale Angebot vorübergehend legen. Ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im November kostete zuletzt 103,73 Dollar, was einem Tagesverlust von gut einem Prozent entspricht. Den Ausschlag gibt vor allem die Aussicht auf eine baldige Entlastung wichtiger Transportrouten im Nahen Osten.
Hoffnung auf die Pipeline
Saudi-Arabien hatte angekündigt, die strategisch wichtige Ost-West-Pipeline binnen weniger Tage wieder auf mindestens 50 Prozent ihrer Kapazität hochzufahren. Marktbeobachter der Commerzbank führen das aktuelle Nachgeben der Notierungen fast vollständig auf diese Ankündigung zurück. Sollte der Betrieb tatsächlich wie geplant anlaufen, halten die Analysten einen noch deutlicheren Preisrückgang für möglich. Bis die Pipeline tatsächlich wieder verlässlich pumpt, bleibt das Preisniveau am Markt allerdings hoch.
Diplomatie dämpft die Risikoprämie
Parallel dazu zeichnen sich diplomatische Bemühungen ab. Aus Peking erging die Aufforderung an den Iran, auf eine Eindämmung der Angriffe durch jemenitische Huthi-Rebellen hinzuwirken. Deren Attacken auf Öltanker hatten das Rohölangebot zuletzt merklich verknappt. Nach Einschätzung des Analysehauses Phillip Nova spiegelt das jüngste Nachgeben der Kurse vor allem einen schrumpfenden geopolitischen Risikoaufschlag wider, stellt aber noch keine fundamentale Trendwende dar.
Verlässliche Belege für eine reale Erholung des Angebots stehen derweil noch aus. Erschwerend kommt hinzu, dass Saudi-Arabien im Oktober kein Rohöl nach Europa liefern will.
US-Präsident Donald Trump plant für den kommenden Dienstag am Rande der UN-Generalversammlung in New York ein Treffen mit Vertretern mehrerer Golfstaaten, um das weitere Vorgehen im Konflikt mit dem Iran zu besprechen. Dabei stellte Trump eine weitreichende Entscheidung in Aussicht, ließ den genauen Zeitpunkt jedoch offen. Ob der Abwärtstrend an den Ölmärkten anhält, entscheidet sich daran, ob den angekündigten Fördermengen und Verhandlungsrunden in den kommenden Tagen überprüfbare Schritte folgen.
