Die Ölpreise haben am Freitag nach turbulenten Handelstagen leicht nachgegeben. Hoffnung auf eine diplomatische Einigung zwischen den USA und dem Iran federt die Sorgen vor neuen Versorgungsengpässen ab, nachdem zuvor Raketenangriffe auf saudi-arabische Industrieziele die Notierungen nach oben getrieben hatten.
Am Freitagmorgen ermäßigte sich der Preis für die Nordseesorte Brent leicht auf rund 105,70 bis 105,85 Dollar je Barrel. Das US-Leichtöl WTI gab ebenfalls nach und handelte im Bereich von 92,90 bis 93,80 Dollar. Am Vortag hatten die Kontrakte zeitweise noch um bis zu fünf Prozent zugelegt, wobei Brent zeitweise rund 108 Dollar erreichte.
Stufenplan gegen die Blockade
Auslöser der jüngsten Entspannung sind Verhandlungen in New York. Unterhändler beider Seiten sondieren einen schrittweisen Ausweg aus dem Konflikt. Die angedachte Einigung sieht vor, dass Teheran die Schifffahrt durch die Straße von Hormus wieder freigibt. Im Gegenzug würde Washington seine Wirtschaftsblockade gegen den Iran lockern.
Der iranische Präsident Masoud Pezeshkian erklärte am Donnerstag in einem Fernsehinterview, es liege an den USA zu entscheiden, ob und wann der Krieg ende. Washington müsse wählen, ob es diesen Konflikt beenden wolle.
Bedrohung saudi-arabischer Förderanlagen
Dass die Märkte dennoch angespannt bleiben, zeigt das militärische Geschehen vor Ort. Saudi-Arabien fing nach offiziellen Angaben sechs ballistische Raketen ab. Die vom Iran unterstützten jemenitischen Huthi-Rebellen hatten diese auf die südliche Provinz Taif sowie auf das Gebiet Yanbu am Roten Meer abgefeuert.
In Yanbu betreibt das Königreich ein zentrales Exportterminal. Riad steigert gegenwärtig die Pumpleistung durch seine Ost-West-Pipeline, die zu diesem Hafen führt. Die Verladung von Rohöl auf Tanker wurde dort bisher allerdings noch nicht wieder aufgenommen.
Die Angriffe verdeutlichen, wie verwundbar die Energieinfrastruktur in der Golfregion bleibt. Seit Ausbruch des Kriegs Ende Februar ist etwa ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gaslieferungen beeinträchtigt. Im März stiegen die Notierungen vorübergehend um 50 Prozent, während Abnehmer von Flüssiggas weltweit nach neuen Bezugsquellen suchen mussten.
Sollten die diplomatischen Sondierungen in New York konkrete Zusagen für die Durchfahrt an der Meerenge von Hormus liefern, könnte sich der Risikoaufschlag an den Ölmärkten weiter verringern. Bleibt ein greifbares Abkommen aus, drohen erneute Preisausschläge.
