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Ölpreis auf Sechs-Monats-Hoch – Dollar wackelt

Geopolitische Spannungen treiben Rohölnotierungen, während ein Gerichtsurteil gegen US-Zölle den Greenback unter Druck setzt. Die Märkte navigieren durch Unsicherheit.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Brent-Rohöl notiert nahe 72-Dollar-Marke
  • Dollar verliert nach Urteil gegen Trump-Zölle
  • Fed signalisiert mögliche Zinspause
  • Private-Credit-Sektor zeigt Verschlechterung

Die Finanzmärkte navigieren durch ein dichtes Geflecht aus geopolitischen Spannungen, juristischen Überraschungen und wachsenden Konjunktursorgen. Während Ölpreise auf dem höchsten Stand seit einem halben Jahr notieren, zeigt sich der Dollar nach einem wegweisenden Gerichtsurteil deutlich geschwächt. Im Zentrum: Die chaotische Handelspolitik der Trump-Administration und eskalierende Spannungen mit Iran.

Energiemärkte unter Spannung

Brent-Rohöl bewegt sich weiterhin nahe der 72-Dollar-Marke, nachdem die Notierungen in der Vorwoche um über fünf Prozent zulegten – angetrieben von wachsenden Kriegsängsten im Nahen Osten. Am Montag gaben die Preise leicht nach: Brent schloss bei 71,49 Dollar je Barrel, WTI bei 66,31 Dollar. Doch die Nervosität bleibt.

Der Hintergrund: Iranische Vertreter signalisieren überraschende Konzessionsbereitschaft bei Atomgesprächen. US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner treffen am Donnerstag in Genf auf eine iranische Delegation – die dritte Verhandlungsrunde in kurzer Zeit. Teheran soll bereit sein, Zugeständnisse bei seinem Atomprogramm zu machen, fordert im Gegenzug aber die Aufhebung von Sanktionen und die Anerkennung seines Rechts auf Urananreicherung.

„Das deutet auf größere Gesprächsbereitschaft hin“, analysiert Phil Flynn von der Price Futures Group. Gleichzeitig warnt er: Das Risiko eines militärischen Angriffs auf Iran bleibe hoch. Das US-Außenministerium zog bereits nicht-essentielles Personal aus der Botschaft in Beirut ab – ein deutliches Zeichen wachsender Sorge vor einer militärischen Eskalation.

Zusätzlichen Auftrieb erhielten die Ölpreise durch einen Wintersturm im Nordosten der USA, der die Diesel-Crack-Spreads am Montag um rund fünf Prozent nach oben trieb.

Dollar unter Druck nach Gerichtsurteil

Der Greenback geriet am Montag spürbar unter Verkaufsdruck, nachdem der Oberste Gerichtshof am Freitag wesentliche Teile von Trumps Zollplänen für verfassungswidrig erklärt hatte. Euro und Yen legten zu – der Euro kletterte auf 1,1791 Dollar, der Yen stärkte sich auf 154,63 je Dollar.

Die Richter urteilten, dass Trump mit seiner Nutzung eines Notstandsgesetzes aus dem Jahr 1977 seine Befugnisse überschritten habe. Die Antwort des Präsidenten ließ nicht lange auf sich warten: Er kündigte für Dienstag neue Zölle von 15 Prozent auf alle US-Importe an – das gesetzliche Maximum unter dem alternativen Rechtsinstrument „Section 122″. Diese Regelung erlaubt Zölle bis zu diesem Niveau, erfordert aber nach 150 Tagen die Zustimmung des Kongresses.

„Das größte Problem ist die Unsicherheit“, konstatiert Sarah Ying von CIBC Capital Markets. Die Märkte seien gespalten, ob mehr Zölle den Dollar stärken oder schwächen. Einerseits könnten aggressive Zölle die Inflation anheizen und Fed-Zinssenkungen unwahrscheinlicher machen – bullish für den Dollar. Andererseits erhöhe die Unsicherheit das Risiko einer De-Dollarisierung – bearish für die Währung.

Das Europaparlament reagierte prompt und verschob die Abstimmung über das EU-Handelsabkommen mit den USA. Tausende Unternehmen weltweit haben bereits Klagen gegen die Zölle eingereicht. Ob Rückerstattungen gezahlter Zölle möglich sind, bleibt unklar – ein Prozess, der laut Analysten von Raymond James „langwierig und herausfordernd“ werden dürfte.

Fed in der Warteschleife

Die geldpolitische Linie der Federal Reserve bleibt vorerst unverändert, auch wenn einzelne Stimmen Bewegung signalisieren. Fed-Gouverneur Christopher Waller, der noch im Januar für eine Zinssenkung votiert hatte, zeigte sich nun offener für eine Pause. Die überraschend starken Januar-Arbeitsmarktdaten mit 130.000 neuen Stellen könnten auf eine Stabilisierung hindeuten, sagte Waller.

„Wenn sich die guten Arbeitsmarktnachrichten im Februar fortsetzen, könnte meine Einschätzung zu einer angemessenen Geldpolitik in Richtung Pause kippen“, erklärte er bei einer Konferenz. Die Februar-Daten werden am 6. März veröffentlicht – eine Woche vor dem nächsten Fed-Treffen am 17./18. März.

Gleichzeitig erhitzen sich die Inflationssorgen. Die Multivariate Core Trend-Messung der New York Fed stieg im Dezember auf 2,8 Prozent nach 2,4 Prozent im Vormonat – deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel. Verantwortlich waren vor allem steigende Dienstleistungspreise außerhalb des Wohnungsmarktes sowie Warenkosten.

Dallas-Fed-Präsidentin Lorie Logan zeigte sich „vorsichtig optimistisch“, dass die Zolleffekte – insbesondere bei Waren – allmählich nachlassen werden. Doch nach dem Gerichtsurteil und Trumps Ankündigung neuer Zölle ist diese Einschätzung wieder Makulatur. Waller hält die Supreme-Court-Entscheidung für „unwahrscheinlich, dass sie einen signifikanten Einfluss“ auf den geldpolitischen Kurs haben wird.

Die Märkte erwarten Zinssenkungen frühestens ab Juni, auch wenn die Fed selbst wenig Orientierung gibt.

Verbrauchervertrauen im Fokus

Am Dienstag richtet sich die Aufmerksamkeit auf das Verbrauchervertrauen der Conference Board – ein zentraler Indikator für künftige Konsumausgaben. Erwartet wird ein Anstieg auf 87,6 Punkte nach 84,5 im Vormonat. Angesichts der anhaltenden Zoll-Unsicherheit, steigender Inflationserwartungen und langer Stromausfälle könnten die Daten jedoch enttäuschen.

Weitere wichtige Veröffentlichungen umfassen mehrere Wohnungsmarkt-Indikatoren, darunter der Case-Shiller Home Price Index, sowie mehrere Reden von Fed-Vertretern, die zusätzliche Einblicke in die geldpolitische Denkweise liefern könnten.

Private Credit unter Druck

Abseits der Schlagzeilen verschlechtert sich die Qualität im Private-Credit-Sektor weiter. Morningstar DBRS berichtet, dass sich das Verhältnis von Herabstufungen zu Hochstufungen im Februar auf 3,3 zu 1 erhöht hat – von 2,4 zu 1 vor einem Jahr. Der Anteil sichererer Kredite mit B-Rating fiel von 41 auf 39 Prozent, während riskantere CCC- bis C-Ratings von 12 auf 16 Prozent kletterten.

„Der Ausblick für 2026 bleibt negativ“, warnt Michael Dimler, Senior Vice President für Private-Credit-Ratings. Margendruck in verschiedenen Sektoren und steigende Verschuldung belasten die etwa 450 bewerteten mittelständischen Kreditnehmer in Nordamerika und Europa.

Besonders im Fokus: Software-Unternehmen, die unter dem disruptiven Druck künstlicher Intelligenz leiden. Kreditkosten steigen, manche Firmen verschieben Refinanzierungen. Dimler vergleicht die Situation mit dem Übergang von physischer Software-Distribution zu Cloud-basierten Abonnements vor einem Jahrzehnt – eine schmerzhafte, aber letztlich erfolgreiche Transformation.

Wirtschaftliche Kollateralschäden

Die Ukraine liefert ein drastisches Beispiel für wirtschaftliche Verwundbarkeit in Krisenzeiten. Nachdem russische Luftangriffe das Stromnetz weitgehend zerstört haben, durchlebt das Land seine schwerste Wirtschaftskrise seit den ersten Kriegsmonaten. Stahlwerke, Minen, Zementfabriken und Lebensmittelproduzenten müssen die Produktion drosseln.

Sergii Pylypenko, CEO der Kovalska Group, Ukraines größtem Betonhersteller, berichtet von Produktionseinbußen bis zu 50 Prozent während Spitzenzeiten. „Seit über zwei Monaten arbeiten wir unter Notfall-Stromabschaltungen ohne vorhersehbaren Zeitplan.“

Die Energienachfrage übersteigt das Angebot im Januar und Februar um 30 Prozent. Selbst bei steigenden Temperaturen liegt die Spitzennachfrage bei 16,4 Gigawatt – weit über den produzierten 12,3 Gigawatt. Ukraine importiert fast zwei Gigawatt zu Spitzenzeiten, doch Ungarn und die Slowakei drohen mit einem Exportstopp, falls Kiew die Reparatur der beschädigten Druzhba-Ölpipeline nicht beschleunigt.

Die Zentralbank senkte ihre Wachstumsprognose für 2026 auf 1,8 Prozent, unabhängige Ökonomen gehen von maximal einem Prozent aus. Premierministerin Yulia Svyrydenko beziffert die Steuerausfälle allein im Januar auf 280 Millionen Dollar.

Das dürfte spannend werden: Ein neues 8,1-Milliarden-Dollar-Programm des IWF steht kurz vor dem Abschluss, nachdem der Fonds einige Bedingungen – darunter sensible Steuererhöhungen – gelockert hat. Dies könnte den Weg für EU-Hilfen in Höhe von 105 Milliarden Euro über zwei Jahre ebnen – eine Lebensader, nachdem die Trump-Administration direkte Budgethilfe stoppte. Einziges Hindernis: ungarischer Widerstand.

Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.