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Öl und Kaffee ziehen an, Edelmetalle bleiben schwach

Winterchaos in Chile und Iran-Konflikt treiben Öl- und Kupferpreise, während Gold und Silber unter Zinserwartungen leiden. Kaffee bleibt wetterabhängig.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Gold und Silber unter Druck
  • Ölpreis steigt durch Iran-Eskalation
  • Kupfer leidet unter Chile-Stürmen
  • Kaffee durch Regenfälle belastet

Ein Wintersturm über den chilenischen Anden, neue Spannungen zwischen den USA und dem Iran und tagelanger Regen in Brasiliens wichtigster Kaffeeregion – der Rohstoffmarkt zeigt sich zerrissen wie selten zuvor. Während Gold und Silber ihren Glanz verlieren, treibt eine Mischung aus Wetterchaos und geopolitischer Eskalation die Preise für Öl, Kupfer und Kaffee in unterschiedliche Richtungen.

Grund genug, den Sektor Asset für Asset durchzugehen – von sicheren Häfen unter Druck bis zu Industrierohstoffen im Ausnahmezustand.

Gold: Korrektur setzt sich fort

Der Goldpreis schloss am Freitag bei 4.098,60 US-Dollar je Feinunze, ein Tagesverlust von 1,54 Prozent. Seit Jahresbeginn steht damit ein Minus von 5,41 Prozent zu Buche – die Korrekturphase seit dem Rekordhoch im Januar setzt sich fort.

Auf Wochen- und Monatssicht zeigt sich das Bild etwas freundlicher, mit leichten Zugewinnen. Der Kurs notiert derzeit unter dem 50-Tage- wie auch dem 200-Tage-Durchschnitt, was die anhaltende Schwächephase unterstreicht.

Fundamental bleibt das Bild gespalten. Höhere Zinsen für längere Zeit haben die ETF-Nachfrage austrocknen lassen, während Notenbanken als Gegengewicht wirken und weiter kaufen. Charttechnisch gilt die Marke um 3.900 bis 4.000 Dollar als entscheidende Unterstützung – ein Bruch dieser Zone dürfte weiteres Abwärtspotenzial eröffnen.

Silber: Erholung am Freitag, aber tiefer Fall seit Januar

Silber zeigte sich zuletzt widerstandsfähiger als sein großer Bruder. Am Freitag legte der Preis um 2,36 Prozent auf 59,27 Dollar zu. Seit Jahresbeginn bleibt die Bilanz mit einem Rückgang von 16,48 Prozent dennoch deutlich negativ.

Vom Januar-Hoch aus ist der Kurs mehr als halbiert – ein drastischer Absturz, der die hohe Schwankungsbreite des Edelmetalls verdeutlicht. Vom Jahrestief im Herbst aus hat sich der Preis dagegen bereits wieder spürbar erholt.

Strukturell bleibt die Nachfrageseite intakt. Rund die Hälfte des weltweiten Silberverbrauchs entfällt auf industrielle Anwendungen wie Solarmodule, Elektronik und Medizintechnik – Material, das in den meisten Fällen nicht recycelt werden kann. Diese Konstellation dürfte mittelfristig für Unterstützung sorgen, auch wenn kurzfristig die Zinserwartungen dominieren.

Rohöl WTI: Iran-Eskalation treibt Preise nach oben

Ganz anders die Lage beim Rohöl. Nach einer erneuten militärischen Zuspitzung zwischen den USA und dem Iran kletterte der WTI-Preis auf 85,47 Dollar je Barrel, ein Tagesplus von 2,3 Prozent. Verstärkt wurde die Bewegung durch einen historisch großen Rückgang der US-Rohölbestände.

Der Tankerverkehr durch die Straße von Hormus hat sich zwar teilweise erholt. Die Rallye zeigt dennoch, dass der Markt eine anhaltende Versorgungsverwundbarkeit einpreist – jede neue Zuspitzung am Persischen Golf trifft auf einen Markt, der ohnehin schon nervös reagiert.

Auf Monatssicht summiert sich der Anstieg auf rund 21 Prozent, auf Jahressicht sogar auf annähernd 47 Prozent. Damit gehört WTI aktuell zu den volatilsten, aber auch stärksten Rohstoffen im gesamten Sektor.

Kaffeepreis: Regen in Brasilien sorgt für Nervosität

Der Kaffeepreis schloss am Freitag bei 314,50 US-Dollar, ein Tagesverlust von 3,08 Prozent nach vorangegangenen kräftigen Anstiegen. Seit Jahresbeginn liegt der Rückgang bei 9,82 Prozent, während auf Zwölfmonatssicht noch ein Plus von 6,32 Prozent zu Buche steht.

Ungewöhnlich starke Regenfälle in Minas Gerais, Brasiliens größtem Anbaugebiet, verzögern die Ernte und schüren Sorgen um die Bohnenqualität. Verschärft wird die Lage durch schrumpfende Lagerbestände – die zertifizierten Arabica-Vorräte an der Warenterminbörse ICE fielen auf den niedrigsten Stand seit rund zweieinhalb Jahren.

Mittelfristig könnte sich die Versorgungslage dennoch entspannen. Für die kommende Saison rechnet das US-Landwirtschaftsministerium mit einer Rekordproduktion, getragen von einer deutlich größeren brasilianischen Arabica-Ernte und robusten Exporten aus Vietnam. Die aktuelle Preisspitze könnte sich damit als vorübergehendes Phänomen erweisen.

Kupfermarkt: Chile-Stürme verschärfen die Angebotskrise

Kein Rohstoff im Sektor steht derzeit so im Zeichen akuter Lieferausfälle wie Kupfer. Der Preis schloss am Freitag nahezu unverändert bei 6,49 Dollar je Pfund. Seit Jahresbeginn steht dagegen ein deutliches Plus von 15,31 Prozent zu Buche – Kupfer zählt damit zu den stärksten Rohstoffen des Jahres.

Heftiger Schneefall, Regen und starke Winde haben in der vergangenen Woche den Bergbau in Chile empfindlich gestört. Antofagasta stoppte Abbau und Verarbeitung in der Anlage Los Pelambres. Lundin Mining meldete, der Betrieb an der Caserones-Mine in der nördlichen Atacama-Region benötige zwei bis drei Wochen bis zum Neustart, nachdem Stromleitungen durch den Schneefall beschädigt wurden.

Der Kurs notiert bereits im leicht überkauften Bereich und liegt nur noch wenige Prozent unter dem Jahreshoch von 6,72 Dollar. Citi hält an einem Jahresend-Kursziel von 15.000 US-Dollar pro Tonne fest und verweist dabei auf Chile und die Schwefelversorgung als Schlüsselvariablen für die weitere Preisentwicklung.

Sektordynamik: Fünf Rohstoffe, drei Richtungen

Der Blick über alle fünf Rohstoff-Preise zeigt eine klare Trennlinie zwischen Edelmetallen und Industrierohstoffen:

  • Gold und Silber: unter Druck durch hohe Zinserwartungen und schwache ETF-Nachfrage, gestützt nur durch strukturelle Faktoren wie Zentralbankkäufe und industrielle Silbernachfrage
  • Kupfer und Rohöl: profitieren von akuten Angebotsschocks – Wetterkatastrophen in Chile auf der einen, geopolitische Eskalation am Persischen Golf auf der anderen Seite
  • Kaffee: Zwischenposition – kurzfristig getrieben von Ernteproblemen in Brasilien, mittelfristig gedeckelt durch Aussicht auf Rekordproduktion

Auffällig ist die Parallele zwischen Kupfer und Rohöl. In beiden Fällen verstärken strukturelle Angebotsengpässe eine Nachfrage, die durch technologische Trends wie den KI-Infrastrukturausbau beziehungsweise anhaltende geopolitische Risiken nicht nachlässt. Bei Gold und Silber dominiert dagegen die Zinserwartung als preisbestimmender Faktor, während beim Kaffee einzig das Wetter in einer Anbauregion über kurzfristige Kursausschläge entscheidet.

Rohstoffmarkt zwischen Wetterrisiko und Zinswende

Für die kommenden Wochen dürfte die Wetterentwicklung in Chile richtungsweisend bleiben. Hält die Störung bei Minen wie Caserones und Los Pelambres länger an als erwartet, dürfte der Kupferpreis weiter Richtung neuer Rekordmarken tendieren. Beim Rohöl entscheidet der Verlauf des US-Iran-Konflikts über die nächste Richtung – eine erneute Blockade der Straße von Hormus könnte die Preise weiter beflügeln, während eine diplomatische Entspannung rasch Gegenbewegungen auslösen dürfte.

Gold und Silber bleiben von der Zinspolitik der US-Notenbank sowie der Entwicklung der ETF-Abflüsse abhängig. Die Marke um 3.900 bis 4.000 Dollar gilt beim Gold als wichtiger Signalgeber für die nächste Bewegung. Beim Kaffeepreis wird sich zeigen, ob sich die Erntequalität in Brasilien nach den jüngsten Regenfällen stabilisiert oder ob die knappen zertifizierten Bestände für weitere Preisspitzen sorgen. Fünf Rohstoffe, fünf unterschiedliche Geschichten – und bislang keine Anzeichen, dass sich diese Richtungen in absehbarer Zeit angleichen.

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Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.