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Öl- und Gas-Aktien: Iran-Prämie beflügelt BP, T1 Energy wartet weiter auf Geld

BP profitiert von der Iran-Kriegsprämie, während T1 Energy auf eine ausstehende Finanzierung wartet. Equinor und Petrobras zeigen unterschiedliche Stärken.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • BP erhält Milliarden-Rückenwind durch Ölpreis
  • T1 Energy: Finanzierungsversprechen noch offen
  • Battalion Oil mit wilden Kursschwankungen
  • Equinor trotz Skepsis mit Kursplus

Ein Krieg im Nahen Osten treibt die Ölpreise nach oben und beschert BP das beste Quartals-Update seit Langem. Während der britische Konzern von der Rally profitiert, kämpft T1 Energy weiter mit einem Finanzierungsversprechen, das längst hätte stehen sollen. Dazwischen liefert Battalion Oil eines der wildesten Chartbilder des gesamten Sektors.

Fünf Aktien, fünf unterschiedliche Geschichten: Equinor baut sein Nordsee-Portfolio aus, Petrobras lockt Anleger mit einer üppigen Dividende, und die beiden Nebenwerte T1 Energy und Battalion Oil bewegen sich fast völlig losgelöst von den Rohstoffpreisen.

T1 Energy: Die 225-Millionen-Dollar-Finanzierung lässt weiter auf sich warten

T1 Energy, hervorgegangen aus dem früheren Batteriehersteller FREYR und inzwischen auf US-Solarfertigung fokussiert, bleibt eine Geschichte zweier Realitäten. Operativ läuft die Fabrik in Wilmer, Texas, planmäßig, und der Bau der neuen Zellfabrik G2_Austin schreitet voran. Das zentrale Finanzierungsversprechen des Managements ist dagegen bislang nicht eingelöst.

Für das zweite Quartal war ein umfassendes Finanzierungspaket für die verbleibenden Phase-1-Investitionen von rund 225 Millionen US-Dollar angekündigt worden. Bislang erfolgte die Finanzierung über Bilanzbarmittel und institutionelle eigenkapitalähnliche Investitionen, mit geplanter Verlagerung hin zu Fremdkapital. CFO Evan Calio hatte im Mai betont, die erwartete Finanzierungssumme werde „mehr als ausreichend sein, um die verbleibenden Investitionsausgaben von rund 225 Millionen US-Dollar für Phase 1 von G2_Austin zu decken.“ Bereits Ende Juni war jedoch unklar, ob dieses Versprechen fristgerecht eingehalten würde. Bis heute fehlt die Bestätigung, dass das Paket tatsächlich geschlossen wurde.

Die Aktie hat auf diese Unsicherheit mit erheblicher Schwäche reagiert. Aktuell notiert T1 Energy bei 6,10 Euro, nach einem gestrigen Schlusskurs von 5,95 Euro. Auf Wochensicht steht ein Minus von 5,43 Prozent zu Buche, über 30 Tage sind es sogar knapp 21 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 11,00 Euro klafft damit eine Lücke von mehr als 44 Prozent. Bereits am 7. Juli war der Titel um über 11 Prozent eingebrochen, nachdem Berichte über behördliche Untersuchungen wegen möglicher Umweltverstöße die Runde machten.

Zusätzlichen Druck erzeugt die Kurzverkäufer-Seite. Fuzzy Panda Research hatte im Mai behauptet, das Unternehmen habe Investoren über seine Lieferkette getäuscht — gestützt auf Whistleblower-Rechnungen, die auf rund 65 Millionen US-Dollar an Solarzellenkäufen vom gesperrten Lieferanten Trina Solar hindeuten. Die Bilanz zeigt zudem angespannte Liquidität: Bei Gesamtvermögenswerten von rund 1,34 Milliarden US-Dollar steht ein Eigenkapital von nur etwa 236,7 Millionen US-Dollar, der operative Cashflow lag zuletzt bei rund minus 73 Millionen US-Dollar je Quartal. Trotzdem bleiben Analysten mehrheitlich konstruktiv: Sechs Kaufempfehlungen stehen keiner einzigen Verkaufsempfehlung gegenüber, das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 10 US-Dollar. Bis das Finanzierungspaket unterschrieben ist, bleibt die Aktie dennoch anfällig für Schlagzeilen-getriebene Ausschläge.

Battalion Oil: Refinanzierung gelungen, Kurs bleibt Achterbahn

Kaum ein Titel im Sektor hat zuletzt ein derart dramatisches Chartbild geliefert wie Battalion Oil. Der Delaware-Basin-Betreiber refinanzierte seine besicherte Kreditfazilität zu deutlich günstigeren Konditionen. Bestehende Kreditgeber führten die vollen 162,5 Millionen US-Dollar an Terminkrediten fort, ohne dass neues Bargeld aufgenommen werden musste. Die neue Vereinbarung senkt die Finanzierungskosten um mindestens 125 Basispunkte, verlängert die Laufzeit bis Ende 2029 und verschafft dem Unternehmen zusätzliche Delayed-Draw-Kapazität von bis zu 175 Millionen US-Dollar.

Der Kurs reagierte zunächst euphorisch, gab die Gewinne dann aber wieder ab. Von rund 1,20 US-Dollar Ende Juni ging es auf ein Hoch über 2,40 US-Dollar am 8. Juli, bevor der Großteil dieser Bewegung wieder verpuffte. Aktuell notiert die Aktie bei 1,42 Euro, nach einem gestrigen Schlusskurs von 1,48 Euro — ein Tagesminus von gut 4 Prozent. Auf Monatssicht steht dennoch ein Plus von fast 27 Prozent, ein Beleg für die enorme Schwankungsbreite dieses Titels.

Fundamental bleibt das Unternehmen eine Turnaround-Wette mit hohem Risiko. Bei einem Quartalsumsatz von rund 39,2 Millionen US-Dollar stand ein Nettoverlust von etwa 56,5 Millionen US-Dollar zu Buche, die Gewinnmarge lag bei rund minus 60 Prozent. Besonders auffällig ist der Leerverkaufsdruck: Das Short-Interesse ist innerhalb eines Jahres um mehr als 1.200 Prozent gestiegen und deckt inzwischen fast ein Viertel des Streubesitzes ab. Operativ treibt das Unternehmen sein Bohrprogramm in Monument Draw voran, nachdem die endgültige Dokumentation für eine gemeinsame Entwicklungsvereinbarung über bis zu acht Bohrungen unterzeichnet wurde.

Equinor: Schnellere Feldentwicklung trifft auf skeptische Analysten

Equinor setzt auf eine Strategie, kleinere Nordsee-Funde zügiger zu erschließen, statt auf einzelne Megaprojekte zu warten. Zusammen mit Partnern wurden Verträge im Wert von umgerechnet über 600 Millionen US-Dollar für vier Tieback-Projekte vor Norwegen unterzeichnet, die zusammen zwischen 130 und 220 Millionen Barrel Öläquivalent liefern sollen. Bislang ist jedoch erst eines der vier Projekte, TWIN, final von den Eigentümern sanktioniert.

Das Management sieht darin erst den Anfang eines viel größeren Programms. Senior Vice President Gunnar Nakken erklärte, man stelle sich bis 2035 rund 75 Subsea-Entwicklungen vor — dafür müssten kleinere Funde künftig schneller und günstiger als bisher realisiert werden.

Operativ läuft es also rund, an der Börse zeigt sich die Aktie ebenfalls robust: Aktuell notiert Equinor bei 31,80 Euro, ein Plus von 5,58 Prozent auf Wochensicht und von über 52 Prozent seit Jahresbeginn. Der RSI von 63 deutet auf spürbaren Kaufdruck hin. Die Analystenstimmung bleibt davon jedoch unbeeindruckt: Innerhalb weniger Julitage bekräftigte TD Cowen seine Hold-Einstufung, Morgan Stanley senkte das Kursziel, und sowohl Barclays als auch RBC Capital hielten an ihren Verkaufsempfehlungen fest. Das durchschnittliche Kursziel der vergangenen drei Monate liegt bei rund 33 US-Dollar — nur wenig über dem aktuellen Niveau. Am 22. Juli legt Equinor seine Zahlen zum zweiten Quartal vor.

Petrobras: Niedrige Bewertung und hohe Dividende bleiben Trumpf

Für einkommensorientierte Anleger bleibt Petrobras attraktiv, auch wenn Brasiliens regulatorisches Umfeld in Bewegung ist. Der Titel notiert weiterhin zu vergleichsweise niedrigen Multiplikatoren, bei einer Dividendenrendite von gut 6 Prozent. Zuletzt zeigte die Aktie zusätzliche Stärke: Aktuell steht der Kurs bei 7,35 Euro, nach einem gestrigen Schlusskurs von 7,30 Euro. Auf Wochensicht bedeutet das ein Plus von 7 Prozent, seit Jahresbeginn sind es sogar fast 48 Prozent.

Auf der operativen Seite meldete das Unternehmen zuletzt eine regulatorische Einigung: Eine Vereinbarung über 58 Millionen US-Dollar mit der brasilianischen Aufsichtsbehörde soll Bohrlöcher in Compliance bringen. Zum Ölpreis äußerte sich das Management zuversichtlich — laut Presseberichten geht der Petrobras-Chef von einer Preisspanne zwischen 72 und 75 US-Dollar je Barrel aus. Die Dividendenrendite bleibt damit das zentrale Argument für Value-orientierte Anleger, auch wenn die Ausschüttungen in den vergangenen Jahren schwankungsanfälliger geworden sind.

BP: Iran-Kriegsprämie trifft auf Milliarden-Wertberichtigung

BP lieferte in dieser Woche das meistbeachtete Update im Sektor — und zeigt damit exemplarisch die Spannung zwischen kurzfristigem Rohstoffgewinn und langfristigen Portfoliofragen. Der Konzern rechnet mit stärkeren Öl- und Gaspreisen, einem robusten Handelsgeschäft und höheren Raffineriemargen, die das zweite Quartal spürbar stützen sollen. Der Auslöser: eine Energiepreisrally infolge des Iran-Kriegs. Brent-Rohöl notierte im Quartal im Schnitt bei rund 97 US-Dollar je Barrel, gegenüber etwa 78 US-Dollar im ersten Quartal und rund 67 US-Dollar vor einem Jahr, nachdem Störungen rund um die Straße von Hormus die Märkte verknappt hatten.

Konkret beziffert BP den Preiseffekt auf 1,8 bis 2,1 Milliarden US-Dollar zusätzlichen Rückenwind bei der Ölproduktion sowie weitere Zugewinne bei Gas und Raffineriemargen im Vergleich zum Vorquartal. Dieser Windfall kommt jedoch mit einem Haken: Das Unternehmen bucht rund 1 Milliarde US-Dollar an Wertberichtigungen im Bereich Gas und kohlenstoffarme Energien, dazu kommen Explorations-Abschreibungen im Zusammenhang mit dem Verkauf der Bay-du-Nord-Beteiligung in Kanada.

Gleichzeitig sinkt die Fördermenge leicht, unter anderem wegen Wartungsarbeiten und Störungen im Nahen Osten. Der Schuldenabbau bleibt dennoch zentraler Teil der Erzählung: Die Nettoverschuldung soll von 25,3 Milliarden US-Dollar auf 22 bis 23 Milliarden US-Dollar zum Ende Juni sinken, gestützt durch Hybridanleihen-Rückzahlungen und Vergleichszahlungen im Golf von Mexiko. An der Börse zeigt sich der Titel entsprechend gefestigt: Aktuell notiert BP bei 6,05 Euro, nach einem Wochenplus von gut 5 Prozent und einem Zwölfmonatsgewinn von über 32 Prozent.

Sektordynamik im Überblick

Die fünf Titel spalten sich eher entlang von Größe und Bilanzstruktur als entlang eines einheitlichen Trends:

  • Ölmajors im Rückenwind: BP profitiert direkt von der Iran-getriebenen Rohölrally, Equinor und Petrobras ziehen mit, wenn auch mit unterschiedlichen Wertversprechen.
  • Petrobras als Dividendenspieler: Niedrige Bewertungsmultiplikatoren treffen auf eine Rendite von über 6 Prozent — ein klassisches Value-Argument.
  • Equinor mit Wachstumsambitionen, aber skeptischer Analystenbasis: Mehrere Sell-Ratings stehen einem robusten Kursverlauf gegenüber.
  • T1 Energy und Battalion Oil abgekoppelt vom Ölpreis: Beide bewegen sich primär entlang von Finanzierungsstrukturen, Short-Interesse und Mikrocap-Liquidität, mit Tagesausschlägen, die die Bewegungen der Majors deutlich übertreffen.

Auffällig ist der Widerspruch bei T1 Energy: Trotz ungelöster Finanzierungsfrage bleibt die Mehrheit der Analysten bei Kaufempfehlungen — ein Zeichen dafür, wie unterschiedlich Fundamentaldaten und Marktsentiment aktuell auseinanderlaufen können.

Was Anleger jetzt im Blick behalten sollten

Für T1 Energy bleibt der Abschluss des 225-Millionen-Dollar-Finanzierungspakets für G2_Austin der entscheidende Auslöser — solange dieser aussteht, bleibt die Aktie anfällig für schnelle Kursschwankungen und Short-Attacken. BPs vollständige Zweitquartalszahlen werden zeigen, wie viel vom Hormuz-getriebenen Windfall tatsächlich im freien Cashflow ankommt und ob die Wertberichtigungen im Transitionsgeschäft einen strategischen Wendepunkt markieren.

Equinors Zahlen am 22. Juli sowie weitere Fortschritte bei den neu vergebenen Subsea-Projekten werden zeigen, ob die beschleunigte Entwicklungsstrategie Kosten- und Zeitpläne einhält. Bei Petrobras lohnt ein Blick auf weitere Compliance-Schritte und die Entwicklung des Brent-Preises. Für Battalion Oil bleiben die Bohrergebnisse in Monument Draw sowie der Fortschritt bei der Erfüllung der NYSE-American-Notierungsanforderungen die zentralen Variablen — bei einer Aktie, deren Kursbewegungen innerhalb einzelner Handelssitzungen zweistellig ausfallen können.

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Diskussion zu T1 Energy

Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.