OCI hat in wenigen Monaten viel von seinem alten Geschäftsmodell verkauft. Zurück bleibt ein Konzern in der Schrumpfphase, aber mit prall gefüllter Kasse. Genau dieser Widerspruch prägt die Aktie gerade: weniger operative Substanz, dafür immer mehr Kapital für weitere Ausschüttungen und mögliche Deals.
Der niederländische Konzern meldete zum Ende Mai einen Nettobarmittelbestand von rund 1,08 Milliarden Dollar. Das ist die Folge mehrerer großer Transaktionen in diesem Jahr. OCI verkaufte das Ammoniak-Distributions- und Terminalgeschäft OCI Ammonia Holding an Agrofert für 290 Millionen Euro. Aus dem Deal flossen netto rund 319 Millionen Dollar zu.
Ein fast kompletter Ausstieg
Noch wichtiger war der vollständige Rückzug aus Methanex. OCI trennte sich von rund 9,9 Millionen Aktien, was einem Anteil von 12,9 Prozent entsprach. Der Verkauf erfolgte in mehreren Blocktransaktionen zu einem netto gewichteten Durchschnittspreis von 54,56 Dollar je Aktie. Unterm Strich brachte das etwa 543 Millionen Dollar ein.
Die Trennung verlief nicht zum Schleuderpreis. Der Erlös lag rund 21 Prozent über dem ursprünglichen Einstiegskurs aus dem OCI-Methanol-Deal Ende 2024. Parallel dazu übergab OCI im März auch das Beaumont-New-Ammonia-Projekt an Woodside. Das unterstreicht, wie weit der Umbau inzwischen fortgeschritten ist.
OCI Nitrogen bleibt der Kern
Operativ hängt inzwischen fast alles an OCI Nitrogen. Das verbliebene Geschäft erzielte im ersten Quartal auf Stand-alone-Basis ein bereinigtes EBITDA von 52 Millionen Dollar. Der europäische Stickstoffmarkt half mit freundlichen Preisen, aber die hohen Erdgaspreise fraßen einen Teil des Effekts wieder auf.
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Unter dem Strich stand ein negativer operativer Free Cashflow von 33 Millionen Dollar. Hauptgrund war ein Working-Capital-Abfluss von 76 Millionen Dollar. Dahinter stecken vor allem der Rückbau von Optimierungsmaßnahmen aus dem Spätjahr 2025 und höhere Lagerbestände wegen des aktuellen Energiepreisniveaus.
Aktie zwischen Kasse und Restgeschäft
An der Börse spiegelt sich diese Übergangsphase deutlich wider. Die Aktie schloss am Freitag bei 3,76 Euro und lag damit seit Jahresbeginn rund 22 Prozent im Plus. Auf Sicht von zwölf Monaten steht dennoch ein Minus von gut 51 Prozent zu Buche. Vom 52-Wochen-Hoch ist der Kurs weit entfernt, zum Tiefpunkt im Dezember hat er sich aber klar erholt.
Die nächsten Wochen dürften für OCI wichtig werden. Das Management prüft strategische Optionen für die OCI-Nitrogen-Assets in Geleen. Außerdem wollen die vom Enterprise Chamber eingesetzten Direktoren bis Ende Juni entscheiden, ob ein geplanter Orascom-Deal den Aktionären zur Abstimmung vorgelegt wird. Auf der Hauptversammlung im Juni dürfte es deshalb vor allem um den Zeitplan für weitere Kapitalrückflüsse und die künftige Struktur der Holding gehen.
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