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Nvidia vor der Nagelprobe – Intel kontert mit neuem Server-Chip

Chip-Sektor zeigt gespaltenes Bild: Nvidia vor Quartalsbericht unter Druck, Intel kontert mit neuem Server-Chip, Infineon expandiert in Indien.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Nvidia-Quartalszahlen mit Spannung erwartet
  • Intel präsentiert 256-Kern-Serverprozessor Diamond Rapids
  • Infineon übernimmt indisches Startup C2i Semiconductors
  • AMD gewinnt Marktanteile bei Server-CPUs

Ausgerechnet in der Woche, in der Nvidia seine Quartalszahlen präsentiert, zieht Intel mit einer technischen Kampfansage nach. Während der KI-Platzhirsch um seine Bewertung kämpft, positioniert sich die Konkurrenz neu: Infineon kauft sich in Indien ein, AMD gewinnt still und leise Marktanteile, und ams-OSRAM zieht vor Gericht. Der Halbleitersektor zeigt gerade, wie unterschiedlich sich ein und derselbe Boom auf fünf Unternehmen auswirken kann.

Sektorüberblick: Ein Zahlenwerk, fünf Geschichten

Der Blick der gesamten Branche richtet sich heute auf eine einzige Kennzahl: Nvidias Quartalsergebnis. Es soll zeigen, ob der KI-Investitionsboom, der die US-Wirtschaft derzeit trägt, wirklich breiter wird – oder ob er von einer Handvoll Firmen und cleveren Finanzierungskonstrukten abhängig bleibt.

Abseits davon hat sich die Erzählung im Sektor deutlich verzweigt. Infineon vertieft seine Wette auf KI-Stromversorgung mit einer Übernahme in Indien. Intel stellt einen neuen Server-Chip vor, der die Lücke zu AMD schließen soll. AMD selbst gewinnt weiter Marktanteile bei Rechenzentrums-Prozessoren, während die Nachfrage nach Desktop-Chips abkühlt. Und ams-OSRAM verteidigt seine Patente im Automotive-Lichtgeschäft vor deutschen Gerichten. Gemeinsam ist allen fünf Werten: Sie reagieren extrem sensibel auf jede Nachricht rund um KI-Investitionen, Finanzierungsstrukturen der Hyperscaler und die Frage, wer vom nächsten Ausbauschub der KI-Infrastruktur am meisten profitiert.

Nvidia: Der Finanzierungsstreit erreicht seinen Höhepunkt

Nvidia ist längst zur Chiffre für die gesamte Debatte um KI-Investitionen geworden. Die Aktie steht unter Druck, seit Milliardensummen in Form von Beteiligungen und Partnerschaften zurück in das eigene Ökosystem fließen – Kritiker sprechen von zirkulären Geschäften. Der Kurs notiert aktuell bei 181,24 Euro, ein Minus von 0,7 Prozent zum Vortag und 2,7 Prozent unter dem Niveau von vor einer Woche. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 13 Prozent zu Buche, wenngleich Nvidia damit hinter der Kursentwicklung mancher Konkurrenten zurückbleibt.

Befeuert wurde die Skepsis durch die jüngste Finanzierungsoffensive: Erst vor wenigen Tagen tat sich Nvidia mit sechs großen Finanzinstituten zusammen, um Compute-Finanzierungsplattformen mit einem Zielvolumen von über 500 Milliarden Dollar an Drittmitteln für KI-Infrastruktur aufzusetzen. Beobachter verweisen zudem darauf, dass Nvidia bereits 66 Beteiligungen im Gesamtwert von rund 40 Milliarden Dollar eingegangen ist – ein Umstand, den Firmenchef Jensen Huang als systemisches Risiko entschieden zurückweist.

An den Erwartungen ändert das wenig. Die im Mai ausgegebene Umsatzprognose von 91 Milliarden Dollar würde einem Wachstum von rund 95 Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprechen, der Analystenkonsens liegt mit 92,07 Milliarden Dollar sogar leicht darüber. Beim Gewinn je Aktie wird ein Sprung auf 2,09 Dollar erwartet, nach 1,05 Dollar im Vorjahresquartal. Wer genauer hinschaut, findet allerdings ein Risiko: Laut jüngster Quartalsmitteilung entfallen 21, 17 und 16 Prozent des Umsatzes auf nur drei Kunden, die zusammen 64 Prozent der offenen Forderungen ausmachen. Diese Konzentration dürfte auch in den kommenden Monaten ein Diskussionspunkt bleiben.

Infineon: Wette auf Stromversorgung für KI-Rechenzentren

Infineon baut seine Position in einer besonders gefragten Nische aus. Der Konzern kündigte die Übernahme von C2i Semiconductors an, einem indischen Fabless-Start-up mit Fokus auf Power-Management-Technologie für KI-Rechenzentren. Der Abschluss der Transaktion wird für das dritte Quartal erwartet. Der strategische Hintergrund ist klar umrissen: Stromversorgung entwickelt sich zum kritischen Flaschenhals der KI-Infrastruktur, weil immer leistungsstärkere GPUs Stromsysteme benötigen, die schnell wechselnde Lasten bewältigen und dabei effizient sowie thermisch stabil bleiben. Infineon will die C2i-Technologie in sein bestehendes Portfolio aus Silizium-, Siliziumkarbid- und Galliumnitrid-Lösungen integrieren und so komplette Lösungen „vom Netz bis zur GPU“ anbieten.

Operativ läuft es beim Konzern derzeit rund. Im dritten Quartal kletterte der Umsatz auf einen Rekordwert von 4,17 Milliarden Euro, ein Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr, getragen von allen Sparten. Die Prognose für das vierte Quartal und das Gesamtjahr wurde infolge der starken Nachfrage aus KI-, Automobil- und Industriegeschäft angehoben. An der Börse zeigt sich das im Kurs allerdings gemischt: Nach einem Plus von 46 Prozent seit Jahresbeginn ist die Aktie in den vergangenen 30 Tagen um 12 Prozent zurückgekommen und notiert aktuell bei 54,90 Euro. Von den 24 Analysten, die den Titel beobachten, empfehlen 19 den Kauf, keiner rät zum Verkauf – das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 86 Euro.

AMD: Marktanteilsgewinne überzeugen Analysten

Während viele Chipwerte um ihre Bewertung ringen, gilt AMD an der Wall Street als eine der stärkeren strukturellen Wachstumsstorys im Sektor. Raymond James stufte die Aktie jüngst auf „Strong Buy“ hoch und hob das Kursziel von 565 auf 641 Dollar an. Begründet wurde der Schritt mit der „stärksten Kombination aus direktem Ergebnishebel, Rechenzentrums-Positionierung und Marktanteilsgewinnen“ – das Serverprozessor-Geschäft soll bis 2030 mit einer jährlichen Wachstumsrate von 44 Prozent expandieren. Auch BMO Capital äußerte sich positiv und sieht AMD auf dem Weg zu einem vollwertigen Anbieter kompletter KI-Infrastruktur, mit dem Helios-KI-Rack als zentralem Wachstumstreiber.

Die Zahlen stützen diese Einschätzung. Laut Mercury Research kletterte AMDs Anteil am PC-Client-CPU-Markt im zweiten Quartal auf 15,3 Prozent – ein Rekordwert und ein Plus von 0,9 Prozentpunkten. Bezeichnend ist dabei: Der Kursanstieg der Aktie hat weniger mit klassischen x86-Chips zu tun als mit KI-Computing und Rechenzentren, während die Desktop-Nachfrage spürbar nachgelassen hat. Der Kurs steht aktuell bei 417,20 Euro, nach einem Tagesplus von 1,6 Prozent und einem Zugewinn von 4,4 Prozent binnen einer Woche. Seit Jahresbeginn hat sich die Aktie um 127 Prozent verteuert. Von 54 Analysten empfehlen 44 die Aktie zum Kauf, zehn raten zum Halten.

ams-OSRAM: Patentstreit erreicht das Auto-Geschäft

ams-OSRAM verschärft seine Strategie der Patentdurchsetzung und weitet sie nun auf den Automobilbereich aus. Der Konzern reichte in Deutschland zwei Klagen wegen Patentverletzung gegen einen Elektronik-Distributor ein, der Automotive-LED-Produkte des Herstellers Refond Optoelectronics verkauft haben soll. Gefordert werden eine dauerhafte Unterlassung, Schadensersatz sowie Rückruf und Vernichtung der betroffenen Ware. Nach Ansicht des Unternehmens verletzen die Produkte gleich sechs Patente, die Technologien für effiziente, robuste und kompakte Fahrzeug-Lichtquellen abdecken.

Das Management ordnet die Klagen als Teil einer größeren Integritätskampagne ein – nach früheren Verfahren im Bereich Gartenbau-LEDs ist der Automobilsektor nun das nächste Feld konsequenter Rechtsdurchsetzung. An der Börse bleibt das Bild derweil gemischt: Der Analystenkonsens sieht die Aktie aktuell bei „Halten“, trotz einer beeindruckenden Kursentwicklung von 128 Prozent seit Jahresbeginn. Aktuell notiert der Titel bei 19,20 Euro, ein Plus von 1,1 Prozent zum Vortag.

Intel: Diamond Rapids soll die Lücke zu AMD schließen

Auf der Hot-Chips-Konferenz präsentierte Intel diese Woche die Architektur seines nächsten Flaggschiff-Serverprozessors – eine direkte Antwort auf AMDs Vorsprung bei der Kernzahl. Der Chip mit dem Codenamen „Diamond Rapids“ soll bis zu 256 Kerne und 1,28 Gigabyte Cache-Speicher bieten, dazu 16 Speicherkanäle mit Übertragungsraten von bis zu 12.800 Megatransfers pro Sekunde. Damit verdoppelt Intel die physische Kernzahl seiner aktuellen Top-Xeon-Generation und zieht mit AMDs geplantem Epyc-9996-Flaggschiff gleich. Ein Wermutstropfen bleibt: AMD fertigt seine sechste Zen-Generation bereits im 2-Nanometer-Verfahren in Serie, während Intels Xeon 7 erst 2027 auf dem neuen 18A-P-Prozess anlaufen soll.

Parallel dazu befindet sich Intel mitten in einem tiefgreifenden Kapital- und Eigentümerumbau. Eine Kapitalerhöhung über 20 Milliarden Dollar zu einem Ausgabepreis von 95 Dollar je Aktie stieß auf hohe Nachfrage und verschaffte dem Konzern frisches Geld für Fabriken, KI-Projekte und Betriebskapital. Hinzu kommt eine Beteiligung Nvidias von knapp 30 Milliarden Dollar, die das Vertrauen in Intels Rolle bei künftiger KI-Infrastruktur unterstreicht. Die Analystenreaktionen fallen uneinheitlich aus: Bank of America senkte ihr Kursziel von 160 auf 145 Dollar, hält aber an der Kaufempfehlung fest; UBS kappte ihr Ziel auf 112 Dollar bei neutraler Einstufung; JPMorgan sieht mit 85 Dollar sogar Abwärtspotenzial. Der Analystendurchschnitt von etwa 121 Dollar signalisiert dennoch, dass viele Beobachter an Intels Foundry- und KI-Strategie glauben. An der Börse notiert die Aktie aktuell bei 74,38 Euro, nach einem Rückgang von 7,7 Prozent in den vergangenen 30 Tagen – deutlich unter dem 50-Tage-Durchschnitt.

Sektordynamik im Vergleich

Die fünf Unternehmen zeigen, wie unterschiedlich sich derselbe KI-Infrastrukturboom auf einzelne Geschäftsmodelle auswirkt:

  • Nvidia steht im Zentrum der Finanzierungsdebatte – jede Erschütterung des Vertrauens in zirkuläre Geschäfte trifft wegen der schieren Größe den gesamten Sektor.
  • AMD gilt als Momentum-Story mit Zugewinnen sowohl bei KI-Beschleunigern als auch bei klassischen CPUs.
  • Intel bleibt eine Turnaround-Wette: Diamond Rapids zeigt technischen Ehrgeiz, doch der zeitliche Rückstand zu AMDs bereits ausgelieferten Zen-6-Chips lässt den Markt eher ein Versprechen als ein fertiges Ergebnis einpreisen.
  • Infineon reitet die Welle der KI-getriebenen Nachfrage nach Leistungshalbleitern in weitere Zukäufe.
  • ams-OSRAM setzt auf Patentdurchsetzung in einer kleineren Nische aus Beleuchtung und Sensorik, die vom großen KI-Kapitalausgaben-Boom bislang kaum profitiert hat.

Wendepunkt oder Bestätigung: Was als Nächstes zählt

Nvidias Zahlen und die begleitenden Aussagen zu Rechenzentrumsnachfrage, dem Hochlauf der Rubin-Chips und der eigenen Finanzierungsexposition dürften den Ton für den gesamten Sektor in den kommenden Tagen vorgeben. Bei AMD entscheidet die Umsetzung der Helios-Rack-Plattform und der MI450-GPU-Rampe darüber, ob aus der aktuellen Kaufeuphorie dauerhafte Marktanteilsgewinne gegenüber Nvidia werden. Intels Weg hängt davon ab, ob sich die Diamond-Rapids-Architektur bis 2027 tatsächlich in ein lieferfähiges Produkt verwandelt, während sich die Kapitalverwässerung und die neuen Beteiligungsverhältnisse im Kurs erst noch einpendeln müssen. Infineons C2i-Integration wird sich an der angehobenen Jahresprognose messen lassen müssen, und ams-OSRAMs Patentstreit in Deutschland könnte zum Präzedenzfall dafür werden, wie konsequent europäische Photonik-Anbieter ihre Automotive-Patente gegenüber asiatischer Konkurrenz verteidigen.

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Diskussion zu Nvidia

Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.