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Nvidia: Qualcomm springt 16 Prozent nach Custom-Chip-Deal

Große Cloud-Anbieter reduzieren ihre Abhängigkeit von Nvidia-Chips, was den Aktienkurs belastet. Trotz starker Quartalszahlen und neuem KI-Modell wächst die Konkurrenz.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Eigenentwicklung großer Cloud-Anbieter belastet
  • Qualcomm und AMD profitieren von Rotation
  • Nvidia startet neues KI-Modell Nemotron 3
  • Quartalszahlen am 20. Mai mit Spannung erwartet

Ausgerechnet am Tag eines US-Feiertags hallen die Nachwirkungen des Mittwochs-Handels nach. Nvidia-Aktien schlossen zuletzt bei 171,10 Euro — rund sechs Prozent unter dem Anfang der Woche markierten 52-Wochen-Hoch von 182,26 Euro. Der Auslöser: Großkunden entwickeln zunehmend eigene Chips, und der Markt rotiert.

Hyperscaler auf Eigenständigkeitskurs

Der Kern der Bewegung liegt bei den großen Cloud-Anbietern. Alphabet vermarktet seine Tensor Processing Units (TPUs) inzwischen auch extern. Amazon baut seine internen Chip-Kapazitäten weiter aus. Microsoft folgt einem ähnlichen Pfad. Alle drei reduzieren damit schrittweise ihre Abhängigkeit von externen Hardware-Lieferanten — und Nvidia ist der prominenteste davon.

Paradoxerweise signalisieren dieselben Konzerne gleichzeitig enormen Investitionshunger. Meta, Alphabet, Microsoft und Amazon planen für 2026 gemeinsam rund 725 Milliarden Dollar an Infrastrukturausgaben. Meta hob seine Investitionsprognose auf 125 bis 145 Milliarden Dollar an, Alphabet auf 180 bis 190 Milliarden Dollar. Hohe KI-Nachfrage und sinkende Nvidia-Abhängigkeit schließen sich offenbar nicht aus.

Rotation in Wettbewerber, erhöhtes Handelsvolumen

Während Nvidia nachgab, sprangen Qualcomm-Aktien um 16 Prozent auf 180,97 Dollar — angetrieben von einem Chip-Deal mit einem nicht namentlich genannten Hyperscaler, dessen Auslieferungen Ende 2026 beginnen sollen. AMD legte intraday ebenfalls zu, als Anleger breiter streuten.

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Das Handelsvolumen bei Nvidia war mit 223 Millionen gehandelten Aktien rund 29 Prozent über dem Durchschnitt — ein klares Zeichen, dass die Bewegung nicht auf dünnem Parkett stattfand. Trotz des Rücksetzers bleiben die fundamentalen Kennzahlen bemerkenswert: Bruttomarge von 71 Prozent, operative Marge von 60 Prozent. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis von Forward-Schätzungen liegt inzwischen bei rund 38 bis 40 — nach zuvor 46.

Neues KI-Modell und starke Quartalszahlen im Rücken

Am 30. April lancierte Nvidia sein multimodales KI-Modell Nemotron 3 Nano Omni. Das Open-Weights-Modell mit 30 Milliarden Parametern verarbeitet Audio, Video, Bilder und Text in einem einzigen System — auf Basis einer sogenannten Mixture-of-Experts-Architektur mit 256.000-Token-Kontextfenster. Foxconn und Palantir gehören zu den ersten Nutzern. Das Ziel dahinter ist strategisch: ein stärkeres Software-Ökosystem, das indirekt die Nachfrage nach Nvidia-Hardware antreibt.

Fundamental steht das Unternehmen solide da. Im zuletzt berichteten Quartal erzielte Nvidia einen Rekordumsatz von 68,13 Milliarden Dollar, ein Plus von 73 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Netzwerksegment wuchs sogar um 263 Prozent. Am 20. Mai legt Nvidia seine Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 vor — das Management hat zuvor rund 77 Prozent Umsatzwachstum in Aussicht gestellt. Analysten halten mehrheitlich an ihrer Kaufempfehlung fest, mit einem durchschnittlichen Kursziel von rund 270 Dollar. Ob die Quartalszahlen die Bedenken rund um Hyperscaler-Eigenentwicklungen zerstreuen können, wird sich am 20. Mai zeigen.

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Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.