Jensen Huang betritt am 1. Juni die Bühne der Computex in Taipeh — und Nvidia könnte dabei mehr ankündigen als nur neue KI-Chips. Berichte vom Wochenende deuten auf einen Vorstoß in einen Markt hin, den das Unternehmen bislang weitgehend gemieden hat: den Windows-PC-Prozessor.
Angriff auf Apple und Qualcomm
Nvidia soll erstmals eigene Chips als Hauptprozessoren für Windows-Computer vorstellen. Das Projekt läuft in Kooperation mit Microsoft und Arm — und zielt direkt auf Apples M-Serie sowie Qualcomms Windows-on-Arm-Lösungen. Konkret sollen die neuen Chips in künftigen Microsoft-Surface-Modellen und Geräten von Dell verbaut werden.
Der strategische Schwenk ist bemerkenswert. Nvidia wandelt sich damit vom reinen Grafikkarten-Lieferanten zum Anbieter vollständiger System-on-Chip-Lösungen, die CPU, GPU und KI-Recheneinheiten vereinen. Das ist ein anderes Geschäftsmodell — mit anderen Margen, anderen Partnerschaften und einem anderen Wettbewerbsumfeld.
Rekordquartal im Rücken
Huang tritt in Taipeh aus einer Position der Stärke auf. Im jüngsten Quartal erzielte Nvidia einen Umsatz von 81,6 Milliarden Dollar — ein Plus von 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Rechenzentrumsgeschäft steuerte allein 75,2 Milliarden Dollar bei, der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 1,87 Dollar.
Parallel dazu vertieft Nvidia seine Wetten auf KI-Infrastruktur. Die Beteiligung am Rechenzentrumsbetreiber CoreWeave wurde auf rund neun Prozent aufgestockt, der Einsatz beläuft sich auf zwei Milliarden Dollar. Das gesamte Beteiligungsportfolio erreichte zum Ende des ersten Fiskalquartals einen Wert von 18,4 Milliarden Dollar.
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Bewertung und Kurslage
Die Aktie notiert rund zehn Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 201,05 Euro, das Mitte Mai markiert wurde. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von gut 32 auf Basis der vergangenen zwölf Monate liegt die Bewertung deutlich unter dem Fünf-Jahres-Median von knapp 61 — ein Argument, das Bullen gerne ins Feld führen. Tigress Financial hob das Kursziel nach den Quartalszahlen auf 425 Dollar an.
Der RSI von 36 signalisiert eine überverkaufte technische Lage, während die Aktie auf Jahressicht rund 49 Prozent zugelegt hat. Kurzfristig lastet leichter Verkaufsdruck: Seit dem Earnings-Release am 20. Mai hat der Kurs etwa drei Prozent nachgegeben.
Was Huang in Taipeh zeigen wird
Neben dem PC-Chip-Debüt steht die „Vera Rubin“-Plattform im Mittelpunkt — Nvidias nächste Architekturgeneration für agentische KI-Workloads, inklusive der sogenannten Vera-CPUs. Am 4. Juni folgt ein Auftritt auf der BofA Global Technology Conference. Makroökonomisch liefert die Woche mit den US-Arbeitsmarktdaten für Mai einen weiteren Taktgeber für die Gesamtstimmung an den Märkten.
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