Als SpaceX vergangene Woche in seiner ersten Telefonkonferenz mit Investoren ankündigte, seine künftige KI-Infrastruktur ausschließlich auf Nvidias neuer „Vera Rubin“-Architektur aufzubauen, reagierte die Börse binnen Tagen mit einem der größten wöchentlichen Wertzuwächse in der Firmengeschichte von Nvidia.
Der Börsenwert legte laut Berichten von Bloomberg und Forbes zwischen der Ankündigung am Dienstag und dem Wochenschluss am Freitag um mehrere hundert Milliarden Dollar zu. Das ist mehr als eine Randnotiz für Anleger – es ist ein Signal dafür, wie eng das Schicksal ganzer Zukunftsbranchen inzwischen an einen einzigen Chiphersteller gekoppelt ist.
Ein Rack, das zeigt, wie teuer KI wirklich ist
Genau hier beginnt die eigentliche Geschichte hinter der Rally. Nach einer Einschätzung der Bank UBS entfällt inzwischen rund ein Viertel der Materialkosten eines neuen Vera-Rubin-NVL72-Racks mit dem Namen „Oberon“ allein auf Speicherbausteine.
Die Preise für HBM4-Speicher haben sich gegenüber der vorherigen Blackwell-Generation verdoppelt. Wer also glaubt, der KI-Boom sei allein eine Geschichte von Rechenchips, unterschätzt, wie sehr Speicher, Kühlung und Energieversorgung inzwischen zum Flaschenhals der Branche geworden sind.
Passend dazu prüft Nvidia Berichten zufolge eine Investition von bis zu drei Milliarden Dollar in ein von Blackstone unterstütztes Energieunternehmen, um sich Zugriff auf Stromkapazitäten für künftige Rechenzentren zu sichern – ein Vorhaben, das bislang nicht bestätigt ist. Wie lange lässt sich ein Wachstumsversprechen finanzieren, das mittlerweile so viel Strom verschlingt wie manche mittelgroße Volkswirtschaft?
Kapital strömt weiter, Zweifel bleiben leise
Trotz solcher Kostenfragen zieht Nvidia weiter Kapital an. Die Deutsche Bank wies in ihrem jüngsten Portfoliobericht einen Bestand von 91,95 Millionen Nvidia-Aktien aus, Wert rund 18,4 Milliarden Dollar und 5,34 Prozent des gesamten Anlageportfolios der Bank.
Auch kleinere institutionelle Investoren wie Silicon Valley Capital Partners und Hamilton Wealth LLC haben ihre Positionen zuletzt kräftig aufgestockt. Auf der anderen Seite steht die Meldung, dass Nvidia-Direktor Tench Coxe 500.000 Aktien aus einem Treuhandvermögen als Schenkung übertragen hat – ein Hinweis darauf, dass auch bei Insidern längst nicht nur gekauft, sondern auch umverteilt wird.
An der Wall Street bleibt die Stimmung dennoch überwiegend konstruktiv. Die Analysten von Bank of America bekräftigten am Sonntag ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 350 Dollar und nannten Nvidia ihren „Top-Pick“ unter den Halbleiterwerten. Das für 2027 erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16 liege demnach auf einem Zehnjahrestief.
Melius Research bezifferte am Donnerstag das zusätzliche Umsatzpotenzial aus dem SpaceX-Deal auf bis zu 100 Milliarden Dollar, sollte das Raumfahrtunternehmen bis Ende 2027 tatsächlich auf zehn Gigawatt Rechenleistung skalieren.
Andere Häuser hatten die jüngste Volatilität bei Chipwerten Ende Juli eher als vorübergehende Verengung des Anlegerkreises gedeutet, nicht als Bruch mit dem fundamentalen Aufwärtstrend.
Der nächste Test: 26. August
An der Börse notiert die Aktie derzeit bei 193,10 Euro und hat allein in den vergangenen sieben Handelstagen um 7,54 Prozent zugelegt. Vom 52-Wochen-Hoch trennen sie noch 4,64 Prozent. Der Markt hat die Vera-Rubin-Story also längst eingepreist, ohne bereits neue Höchststände zu erreichen.
Ob sich der Optimismus fortsetzt, dürfte sich am 26. August zeigen, wenn Nvidia seine Quartalszahlen für das zweite Geschäftsquartal 2027 vorlegt. Analysten erwarten im Konsens einen Umsatz von rund 91,9 Milliarden Dollar und einen Gewinn pro Aktie von 2,07 Dollar.
Bis dahin bleibt die eigentliche Frage bestehen: Wer trägt am Ende die Kosten einer Infrastruktur, die immer mehr Speicher, immer mehr Strom und immer mehr Kapital verschlingt – und wie lange lässt sich dieses Tempo halten, bevor die Rechnung fällig wird?
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