Nvidia hat die Rekordwoche vom Mai hinter sich gelassen — und kämpft sich zurück. Nach einem Rücksetzer von rund 16 Prozent vom Allzeithoch notiert die Aktie aktuell bei 170,64 Euro, ein Tagesplus von gut einem Prozent. Der Blick richtet sich jetzt auf zwei Faktoren: ein wichtiges US-Inflationsdatum und die Frage, ob die technische Unterstützung hält.
Technische Lage: RSI nähert sich dem Überverkauft-Bereich
Der RSI liegt bei 40,7 — noch nicht im überverkauften Bereich, aber nah dran. Analysten sehen zwischen 165 und 170 Euro eine historische Unterstützungszone. Genau dort bewegt sich die Aktie gerade. Der 200-Tage-Durchschnitt bei 163,79 Euro bildet eine weitere Auffanglinie darunter.
Am Dienstag veröffentlicht die US-Statistikbehörde den Core-PCE-Index für Mai. Das ist die bevorzugte Inflationskennzahl der Federal Reserve. Fällt der Wert niedriger aus als erwartet, könnte das KI-Aktien wie Nvidia beflügeln. Zuletzt hatten Anleger Kapital aus dem Technologiesektor in defensivere Bereiche wie Gesundheit und Konsumgüter umgeschichtet.
Roche setzt 3.500 Blackwell-GPUs ein
Abseits der Makrodaten liefert Nvidia handfeste Argumente für seine Wachstumsstory. Der Pharmariese Roche hat den Einsatz von mehr als 3.500 Blackwell-GPUs in einer Hybrid-Cloud-Umgebung bestätigt. Davon sind 2.176 Einheiten neu installiert, der Rest ergänzt eine bestehende Infrastruktur.
Die Ergebnisse sind konkret. Roches Tochter Genentech identifizierte mithilfe von Nvidias BioNeMo- und Omniverse-Plattformen ein Ersatzmolekül in sieben Monaten — ein Prozess, der traditionell mehr als zwei Jahre dauert. Solche Anwendungsfälle zeigen, wohin die Nachfrage wandert: weg von generischer Cloud-Rechenleistung, hin zu spezialisierter KI-Infrastruktur.
Starke Zahlen, aber ein Risiko bleibt
Nvidias Fundamentaldaten stützen den Kurs. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 81,6 Milliarden Dollar — ein Plus von 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Rechenzentrumsgeschäft wuchs sogar um 92 Prozent auf 75,25 Milliarden Dollar. Für das zweite Quartal peilt Nvidia rund 91 Milliarden Dollar an, was einem Wachstum von etwa 95 Prozent entspräche.
Das Aktionärsprogramm ist ebenfalls substanziell: ein milliardenschweres Rückkaufprogramm über 80 Milliarden Dollar, dazu eine erhöhte Quartalsdividende von 0,25 Dollar je Aktie. Das klare Risiko: Im chinesischen Markt ist Nvidias Anteil durch Exportbeschränkungen von ehemals 95 Prozent auf rund 8 Prozent gefallen.
Insider haben in den vergangenen 90 Tagen knapp 1,9 Millionen Aktien verkauft — ein Detail, das Marktbeobachter registrieren. Analysten sehen das durchschnittliche Kursziel dennoch bei über 300 Dollar, umgerechnet rund 268 Euro. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von mehr als 55 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Ob die Aktie diesen Weg einschlägt, hängt kurzfristig vor allem vom PCE-Datum und dem Plattformwechsel zur neuen „Rubin“-Architektur ab.
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