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Symbolbild, KI-generiert

Nvidia Aktie: Prognose ohne China-Umsatz

Für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2027 kalkuliert Nvidia mit 108 Milliarden Dollar Umsatz, obwohl keine Rechenzentrums-Erlöse aus China eingeplant sind.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • China-Umsatz im Quartalsausblick nicht berücksichtigt
  • Weltweite KI-Nachfrage übersteigt das Angebot
  • Analyst sieht 1,5 Millionen China-Chips
  • Vera Rubin erzielt bis zu 3,7-fachen Durchsatz

Wenn US-Präsident Donald Trump am heutigen Donnerstag Chinas Staatschef Xi Jinping im Weißen Haus empfängt, blickt die Tech-Branche gespannt nach Washington. Dass Nvidia-Chef Jensen Huang persönlich auf der Gästeliste des Staatsdinners steht, unterstreicht die politische Dimension des Halbleiterkonzerns. Für mich markiert dieser Tag jedoch vor allem einen bemerkenswerten Wandel in der Machtbalance zwischen Geopolitik und Unternehmensrealität.

Wachstum auch ohne das Reich der Mitte

Lange Zeit galt das China-Geschäft als Achillesferse der US-Chiphersteller. Fällt der zweitgrößte Markt der Welt weg, so die frühere Logik der Bären, geraten die astronomischen Wachstumsraten ins Wanken. Nvidia beweist derzeit das genaue Gegenteil.

Für das laufende dritte Quartal des Geschäftsjahres 2027 prognostiziert der Konzern einen Gesamtumsatz von 108,0 Milliarden Dollar. Die bemerkenswerte Prämisse hinter dieser Rekordmarke: Das Management rechnet in dieser Schätzung schlicht mit null Rechenzentrums-Umsätzen aus China.

Wer ein derartiges Volumen ohne einen der traditionell wichtigsten Absatzmärkte plant, agiert aus einer Position enormer Stärke. Die weltweite Nachfrage von Cloud-Konzernen und KI-Entwicklern übersteigt das Angebot weiterhin drastisch, sodass der Konzern nach eigenen Angaben bis ins Geschäftsjahr 2028 nur rund 70 Prozent des Bedarfs bedienen kann.

Sollte bei den bilateralen Gesprächen zwischen Washington und Peking mittelfristig eine Lockerung der Restriktionen für moderne Beschleunigerchips herausspringen, wäre das ein massiver Katalysator.

KeyBanc-Analyst John Vinh beziffert die potenzielle Nachfrage aus China auf etwa 1,5 Millionen Einheiten pro Jahr, was einem Marktwert von annähernd 30 Milliarden Dollar entspräche. Für Nvidia ist China damit kein überlebenswichtiges Fundament mehr, sondern eine reine Aufwärtsoption.

Insiderverkäufe und Sicherungsgeschäfte

Dennoch zeigen sich manche Marktteilnehmer vorsichtiger. Die Aktie beendete den Mittwochshandel bei 198,10 Euro, was einem leichten Tagesverlust von 0,9 Prozent entsprach. Seit Jahresanfang summiert sich das Kursplus derweil auf 24 Prozent.

Dass Spitzenmanager wie Finanzchefin Colette Kress oder Chefjurist Timothy Teter kürzlich Aktien im einstelligen Millionenwert veräußerten, sorgt bisweilen für Unruhe. Aus meiner Sicht werden diese Transaktionen jedoch überinterpretiert.

Zum einen erfolgten die Verkäufe über vorab festgelegte Handelspläne nach Rule 10b5-1, zum anderen machen sie gemessen an den verbleibenden Anteilen nur minimale Bruchteile des jeweiligen Gesamtbestands aus. Gewinnmitnahmen nach einer historischen Rally sind ein normaler Vorgang und kein Indiz für operative Schwäche.

Gleichzeitig verzeichnet der Markt für Kreditausfallversicherungen eine spürbare Zunahme an Absicherungen auf Nvidias Verbindlichkeiten. Doch auch dieser Trend spiegelt primär die schiere Größe des Konzerns und dessen zentrale Rolle im globalen Technologiesektor wider. Wenn Portfolios das Klumpenrisiko des gesamten Sektors absichern wollen, nutzen institutionelle Adressen nun einmal das liquideste Instrument.

Technologischer Vorsprung bleibt die Bastion

Unterm Strich spricht wenig für ein baldiges Ende des operativen Höhenflugs. Zwar wächst der Druck durch Eigenentwicklungen großer Cloud-Anbieter, doch Nvidias Entwicklungstempo setzt unverändert Maßstäbe. Die jüngsten Benchmarks der Branchenorganisation MLPerf für die kommende Vera-Rubin-Generation demonstrierten auf Modellen wie Qwen3-VL erneut bis zu 3,7-fach höhere Durchsätze gegenüber der aktuellen Architektur.

Dieser technologische Vorsprung, kombiniert mit einer tief verankerten Software-Infrastruktur, errichtet Markteintrittsbarrieren, die Konkurrenten auf absehbare Zeit kaum überwinden dürften.

Ob Washington und Peking am Ende des Tages Zugeständnisse beschließen oder die Exportregeln unverändert beibehalten, bleibt zweitrangig. Nvidia hat sein Schicksal längst von diplomatischen Launen entkoppelt. Für Anleger überwiegen die Chancen, solange das globale Fundament für KI-Infrastruktur derart intakt bleibt.

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