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Nvidia Aktie: Nachfrage übertrifft Angebot 12 zu 1

Nvidia legt dank KI-Boom kräftig zu, doch Warnungen vor zirkulärer Finanzierung und hohen Bewertungen trüben die Stimmung.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Kursplus von 2,28 Prozent
  • Nachfrage übersteigt Angebot deutlich
  • Umsatzwachstum von 85 Prozent
  • Kritiker warnen vor KI-Blase

Nvidia hat am Dienstag einen kräftigen Kursschub verbucht – befeuert von neuer Zuversicht rund um den KI-Infrastruktur-Ausbau. Im deutschen Handel schloss die Aktie bei 183,66 Euro, ein Plus von 2,28 Prozent gegenüber dem Vortag. Damit bleibt das Papier zwar rund 9,30 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro aus dem Mai, hat sich von den Tiefs des vergangenen Jahres aber deutlich gelöst. Parallel zogen auch die Konkurrenten AMD und Intel kräftig an, während der marktbreite S&P 500 auf ein Rekordhoch kletterte.

Nachfrage übersteigt Angebot deutlich

Den Rückenwind lieferte unter anderem eine Einschätzung des Analysten Dan Ives von Yorkville & Ives, der von einem Nachfrage-zu-Angebot-Verhältnis von 12 zu 1 für Nvidias Chips spricht. Nach seiner Lesart könnte der aktuelle Rücksetzer der Aktie damit eine Kaufgelegenheit darstellen. Gestützt wird diese These durch einen mehrjährigen Vertrag, den der Anbieter Corvex mit einem führenden KI-Unternehmen über flüssigkeitsgekühlte Blackwell-GPU-Systeme des Typs HGX B200 samt Quantum-2-InfiniBand-Vernetzung geschlossen hat. Finanziert wird der Deal über Schulden, Kundenanzahlungen und Barmittel – ohne die Ausgabe neuer Aktien.

Auch aus einer anderen Ecke der Tech-Welt kam Rückenwind: Elon Musk lobte auf dem Earnings-Call von SpaceX die Vera-Rubin-Plattform und kündigte an, das Unternehmen werde seine Rechenkapazität künftig ausschließlich auf Nvidia-Technik stützen. SpaceX peilt bis Ende 2026 mehr als zwei Gigawatt Rechenleistung an, bis Ende 2027 soll diese Kapazität nochmals um ein Vielfaches steigen.

Starke Zahlen, klare Guidance

Fundamental steht Nvidia derzeit robust da. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 81,6 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allein das Rechenzentrumsgeschäft trug 75,2 Milliarden US-Dollar bei und wuchs um 92 Prozent, bei einer bereinigten Bruttomarge von 75 Prozent. Für das laufende Quartal stellte Nvidia einen Umsatz von 91 Milliarden US-Dollar mit einer Schwankungsbreite von plus/minus 2 Prozent in Aussicht. Die nächsten Quartalszahlen sind für den 26. August terminiert.

Von den 37 Analysten, die die Aktie beobachten, empfehlen 36 den Kauf. Die Kursziele reichen von 250 bis 500 US-Dollar, wobei Tigress Financial mit 425 US-Dollar und Evercore mit 413 US-Dollar zu den optimistischsten Häusern zählen. Der Konsens liegt je nach Erhebung zwischen rund 297 und 309 US-Dollar – deutlich über dem zuletzt gehandelten Kursniveau in den USA. Auch die Bewertung selbst liefert Diskussionsstoff: Das Forward-KGV von Nvidia liegt mit rund 18,9 bis 22,8 je nach Berechnung unter dem des breiten S&P 500 und des Halbleiterindex PHLX, was Bullen als Argument für weiteres Aufwärtspotenzial anführen.

Zirkuläre Finanzierung und Blasen-Warnungen

Nicht alle Marktteilnehmer teilen den Optimismus. Investor Michael Burry hat seine Put-Positionen gegen Nvidia zuletzt ausgebaut. Im Zentrum der Kritik steht die sogenannte zirkuläre Finanzierung: Nvidia soll Schulden in Höhe von rund 250 Milliarden US-Dollar für ein OpenAI-Rechenzentrum in Ohio absichern, während parallel Deals zwischen der SK Group und OpenAI mit einem Volumen von bis zu 750 Milliarden US-Dollar kursieren. Kritiker fürchten, dass sich Chiphersteller, Cloud-Anbieter und KI-Start-ups gegenseitig mit Kapital versorgen und so künstliche Nachfrage erzeugen, ohne dass am Ende tragfähige Endkundenerträge stehen.

Aswath Damodaran, an der New York University als „Dean of Valuation“ bekannt, hat seine Nvidia-Position bereits Ende 2025 vollständig aufgelöst. Er warnt vor einer „Big Market Delusion“ und argumentiert, KI-Unternehmen müssten branchenweit Umsätze von zwei bis vier Billionen US-Dollar erzielen, um die aktuellen Bewertungen zu rechtfertigen – aus seiner Sicht ist die Aktie „für Perfektion bepreist“, ohne Sicherheitspuffer nach unten. Auch Bridgewater-Gründer Ray Dalio warnte vor Mustern, die an die Jahre 1929 und 2000 erinnern, getrieben von steigenden Aktienemissionen und Zinsen im KI-Sektor.

Für Anleger bleibt die Gemengelage damit zweigeteilt: Auf der einen Seite stehen belastbare Wachstumszahlen, eine straffe Angebotslage und prominente Großkunden wie SpaceX. Auf der anderen Seite verdichten sich Warnungen vor überhitzten Finanzierungsstrukturen im gesamten KI-Ökosystem, von denen Nvidia als zentraler Zulieferer nicht unberührt bliebe.

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Diskussion zu Nvidia

Dr. Robert Sasse

Dr. Robert Sasse ist promovierter Ökonom und Unternehmer mit umfassender Expertise in Finanzmärkten und Wirtschaftstheorie. Seine akademische Ausbildung verbindet er mit praktischer Unternehmenserfahrung, um fundierte Analysen zu langfristigen Anlagestrategien zu liefern.

Als Verfechter einer marktwirtschaftlichen Ordnung fokussiert sich Dr. Sasse auf die Vermittlung von Strategien für nachhaltigen Vermögensaufbau durch Aktieninvestments. Seine wissenschaftlich fundierten Beiträge auf stock-world.de richten sich an Anleger, die eigenverantwortliche, informierte Entscheidungen für ihre finanzielle Zukunft treffen möchten.

Dr. Sasse spezialisiert sich auf die verständliche Aufbereitung komplexer ökonomischer Zusammenhänge und die praktische Anwendung von Investmentstrategien für die Altersvorsorge. Sein Ansatz kombiniert theoretisches Wissen mit klarem Praxisbezug, um Lesern Orientierung in einem dynamischen Marktumfeld zu bieten.

Mit seiner Expertise unterstützt er Anleger dabei, die Chancen des Kapitalmarkts systematisch und langfristig zu nutzen – unabhängig von kurzfristigen Marktschwankungen.