Nvidias Aktie notiert bei 180,92 Euro – 10,7 Prozent unter ihrem Jahreshoch. Nicht weil das Geschäft lahmt, sondern weil Washington zum unberechenbarsten Kunden geworden ist.
Der jüngste Ausverkauf begann mit einem makroökonomischen Signal: Ein stärker als erwarteter US-Arbeitsmarktbericht dämpfte die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen. Doch das ist nur die Oberfläche. Die eigentliche Geschichte spielt sich im Schatten der Geopolitik ab – und sie wurde diese Woche öffentlich ausgetragen.
Der Senat klopft an
Nvidia-Chef Jensen Huang lehnte die Einladung von Senatorin Elizabeth Warren ab, vor dem Bankenausschuss des Senats über KI, China und die technologische Vorherrschaft der USA zu sprechen. Warren konterte scharf: „Die amerikanische Öffentlichkeit hat ein Recht auf Antworten – in einem öffentlichen Forum.“ Es geht um Nvidias China-Geschäft und die Haltung des Unternehmens zu US-Exportkontrollen.
Doch hinter der politischen Inszenierung verbirgt sich ein handfestes Problem. Ein Bericht des Short-Sellers Culper Research behauptet, dass über 20 Prozent von Nvidias Rechenleistungs-Umsätzen im Geschäftsjahr 2026 auf China entfallen – gestützt durch illegale Chip-Umleitungen über südostasiatische Zwischenhändler. Nvidia weist diese Vorwürfe zurück. Gleichzeitig häufen sich Justizermittlungen: Allein in den letzten Monaten wurden mutmaßliche Umgehungsschemata im Wert von über 670 Millionen Dollar aufgedeckt, darunter Lieferungen von H100- und H200-Chips über Malaysia und Thailand.
China: Der Markt, den niemand einplanen kann
Die geopolitische Unsicherheit schlägt sich direkt in Nvidias Prognosen nieder. Für das zweite Quartal 2027 rechnet das Unternehmen nicht mit einem einzigen Dollar Umsatz aus China – obwohl der Markt einst fast ein Viertel der Datenzentrums-Erlöse ausmachte. Ein politischer Abschlag, der sich tief in die Bewertungsmodelle frisst.
Die Gründe liegen auf der Hand. Im Januar 2026 verschärfte das US-Handelsministerium die Exportregeln für Nvidias H200-Chips: Statt pauschaler Ablehnungen gibt es nun Einzelfallprüfungen – vorausgesetzt, die USA erhalten Liefergarantien und unabhängige Sicherheitsprüfungen. Doch die Realität sieht anders aus. Die Genehmigungsverfahren stocken, während chinesische Behörden gleichzeitig Importe blockieren und Unternehmen vor dem Kauf US-amerikanischer KI-Technologie warnen.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Nvidia?
Huang selbst räumte kürzlich ein: „Wir haben den chinesischen KI-Chip-Markt praktisch an Huawei abgetreten.“ Die Zahlen bestätigen das. Laut IDC sank Nvidias Marktanteil bei KI-Beschleunigerkarten in China 2025 von fast 95 auf nur noch 55 Prozent. Huawei hingegen dominiert mit lokalen Chips und kommt auf 20 Prozent.
Der souveräne Rettungsanker
Doch es gibt einen Lichtblick – und der kommt aus einer unerwarteten Richtung. Die Nachfrage nach „souveräner KI“ hat sich im letzten Jahr verdreifacht. Staaten wie Großbritannien, Japan oder Saudi-Arabien bauen eigene, staatlich finanzierte Rechenzentren, um Datenhoheit und kulturelle Kontrolle zu sichern. Für Nvidia bedeutet das: 30 Milliarden Dollar Umsatz im Geschäftsjahr 2026, fast 14 Prozent des Gesamtgeschäfts.
Der Clou? Nvidia verkauft längst keine einzelnen GPUs mehr, sondern komplette „KI-Fabriken“ – schlüsselfertige Rechenzentren, die in 90 Tagen einsatzbereit sind. Einmal auf Nvidias CUDA-Software-Stack aufgebaut, sind Wechselkosten enorm. Wer würde schon Tausende Zeilen Code umschreiben, nur um auf AMD oder Intel umzusteigen?
Die Aktie zwischen Hoffnung und Realität
Trotz aller Turbulenzen steht Nvidia mit einem Plus von 45 Prozent über zwölf Monate solide da. Der Konsens der Analysten sieht ein Kursziel von 258,62 Euro – rund 43 Prozent Potenzial. Doch die Volatilität bleibt hoch: 43 Prozent annualisierte Schwankungsbreite in den letzten 30 Tagen.
Die eigentliche Frage ist nicht, ob Nvidia weiter wächst. Sondern: Wie lange kann das Unternehmen mit einem Markt leben, der offiziell nicht mehr existiert? China ist nicht verschwunden – es ist nur unsichtbar geworden. Und solange Washington die Regeln neu schreibt, bleibt Nvidias größter Kunde ein Fragezeichen.
Nvidia-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Nvidia-Analyse vom 9. Juni liefert die Antwort:
Die neusten Nvidia-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Nvidia-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 9. Juni erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Nvidia: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
