Die Zahlen kennen wir zur Genüge. Ein Börsenwert im Billionenbereich und massive Kursgewinne auf Jahressicht. Soweit so gut. Aktuell notiert Nvidia allerdings bei 173,98 Euro.
Das entspricht einem Minus von 7,6 Prozent in wenigen Tagen. Der Abstand zum Rekordhoch aus dem Mai beträgt gut 14 Prozent. Diese Lücke ist kein Zufall. Sie hat einen Namen: Washington.
Der leere Stuhl im Senat
Heute tagt der Bankenausschuss des US-Senats. Das Thema lautet Künstliche Intelligenz, China und die technologische Dominanz der USA. Ein wichtiger Platz bleibt dabei leer.
Nvidia-Chef Jensen Huang lehnte die Einladung von Senatorin Elizabeth Warren ab. Er wird nicht aussagen. Stattdessen sprechen Vertreter von Denkfabriken und Industrieverbänden. Diese Abwesenheit ist eine klare Botschaft.
Der Druck auf Nvidia wächst massiv. Politiker debattieren intensiv über Exportkontrollen. Sollen amerikanische Konzerne hochmoderne KI-Chips weltweit verkaufen dürfen? Oder braucht es strengere Regeln gegen Rivalen wie China?
Ein struktureller politischer Rabatt
Dieser politische Konflikt kostet bereits hartes Geld. Er ist kein theoretisches Risiko mehr. Nvidia kalkuliert für das zweite Quartal 2027 komplett ohne Rechenzentrumsumsätze aus China.
Einer der größten KI-Märkte der Welt fällt als verlässliche Größe weg. Für ein Wachstumsunternehmen ist das ein massiver politischer Rabatt im Bewertungsmodell.
Die Folgen stehen bereits in den Büchern. US-Restriktionen kosteten Nvidia in einem einzigen Quartal rund 2,5 Milliarden Dollar an entgangenen H20-Umsätzen. Dazu kam eine Abschreibung auf Lagerbestände in Höhe von 4,5 Milliarden Dollar. Das regulatorische Umfeld ändert sich ständig.
Die Frage der illegalen Umleitung
Senatorin Warren verweist in ihrer Einladung auf einen brisanten Bericht. Der Leerverkäufer Culper Research erhebt schwere Vorwürfe. Demnach stammt ein Fünftel der geplanten Rechenzentrumsumsätze für 2026 indirekt aus China.
Möglich machen das illegale Umleitungen über Zwischenhändler in Südostasien. Das US-Justizministerium ermittelt bereits in mehreren Fällen. Es geht um geschmuggelte H100- und H200-Chips im Wert von 160 Millionen Dollar. Weitere Server für über eine halbe Milliarde Dollar tauchten illegal in China auf.
Nvidia wehrt sich gegen die Vorwürfe. Das Management sieht keine Beweise für systematischen Schmuggel. Der Marktanteil in China sei stark gesunken. Aber die laufenden Ermittlungen machen hohe Compliance-Kosten zu einem Dauerzustand.
Wachstum schlägt Charttechnik
Das operative Geschäft brummt indes weiter. Nvidia meldete für das erste Quartal 2027 einen Rekordumsatz von 81,6 Milliarden Dollar. Das ist ein Plus von 85 Prozent zum Vorjahr.
Das Management rechnet mit gigantischen Investitionen der Tech-Giganten. Die Ausgaben für KI-Rechenzentren sollen nächstes Jahr eine Billion Dollar erreichen. Bis 2030 erwartet Nvidia sogar Investitionen von drei bis vier Billionen Dollar.
Der Aktienkurs spiegelt diese fundamentale Stärke momentan nicht wider. Die 50-Tage-Linie verläuft bei 176,72 Euro und deckelt den Kurs. Der 200-Tage-Durchschnitt bietet bei 161,97 Euro eine langfristige Unterstützung. Der RSI-Wert von 42,1 signalisiert einen leicht überverkauften Zustand, liefert aber noch kein klares Kaufsignal.
Vom Chiphersteller zum Sicherheitsakteur
Wenn der US-Kongress den Nvidia-Chef vorlädt, geht es um mehr als einzelne Lieferungen. Die entscheidende Frage lautet: Behandelt Washington den Konzern künftig als dauerhaften Akteur der nationalen Sicherheit?
Dieses Thema vereint mittlerweile Demokraten und Republikaner. Auch der Energie- und Handelsausschuss des Repräsentantenhauses fordert harte Untersuchungen gegen chinesische KI-Ambitionen.
Nvidias Fundamentaldaten bleiben außergewöhnlich stark. Die künftige Kursentwicklung hängt aber weniger von den nächsten Quartalszahlen ab. Vielmehr entscheidet die Politik. Washington muss klären, ob das wertvollste KI-Unternehmen der Welt ein rein kommerzielles Gut bleibt oder endgültig zum geopolitischen Instrument wird.
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